Bennet Wiegert
SCM-Trainer Bennet Wiegert hat sich gleich mehrere Träume in seiner Heimatstadt erfüllen können. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

Interview SCM-Trainer Wiegert: Traumjob vor der Haustür

Bennet Wiegert hat Angst um seinen Laptop, hofft, dass in 20 Jahren gut von ihm gesprochen wird und hat eine klare Meinung zu SCM-Legende Stefan Kretzschmar. Ein Interview mit und über den Trainer.

Bennet Wiegert
SCM-Trainer Bennet Wiegert hat sich gleich mehrere Träume in seiner Heimatstadt erfüllen können. Bildrechte: MDR SACHSEN-ANHALT

MDR SACHSEN-ANHALT: Was für ein Trainertyp sind Sie eigentlich?

Bennet Wiegert: Das müsste man vielleicht meine Spieler fragen. Ich kann das nur subjektiv beantworten. Wenn ich ein Bild abgeben würde, wie ich mich selber sehen möchte, dann würde ich sagen: hohe Expertise mit einer hohen sozialen Kompetenz. Ich hoffe, dass jeder Spieler, mit allem, was er hat, privat auch zu mir kommen kann. Sich die Spieler das auch zutrauen. Das wäre mir ganz wichtig.

Wenn man vielleicht in 10, 20 Jahren mal sagen würde, dass Bennet Wiegert nicht nur fachlich ein guter Trainer war, sondern auch menschlich in das Geschäft gepasst hat, würde mich das freuen.

Inwiefern erfinden Sie sich als Trainer immer wieder neu?

Ich versuche das jeden Tag, weil ich glaube, dass das sonst Ruhe auch Stillstand bedeuten würde und wir uns nicht weiterentwickeln würden. Es ist klar, dass mir das nicht jeden Tag gleich leicht fällt. Aber die Jungs kriegen schnell spitz, wie gut ich vorbereitet bin.

Deswegen ist der Anspruch, das Maximale aus jeder Trainingseinheit rauszuholen, um im Spiel davon zu profitieren. Ist man im Training innovativ und modern unterwegs, wird man das auch in den Spielen sein. Davon bin ich überzeugt.

Wie wichtig ist dabei die Videoanalyse?

Ich glaube es kann ein Vorteil sein, um Spiele zu gewinnen. Ich bin mir relativ sicher, dass eine ordentliche Spielvorbereitung der Schlüssel dazu sein kann, in engen Spielen bestimmte Sachen zu wissen. Ich bin gerne vorbereitet, weil es einfach die Wahrscheinlichkeit steigert, erfolgreich zu sein.

Ich bezeichne den Leistungssport, den wir betreiben, nicht als Glücksspiel. Das ist nicht wie Roulette oder Black Jack. Man kann bestimmte Wahrscheinlichkeiten mit Vorbereitung, mit Periodisierung, mit Planung steigern. Und das möchte ich gerne tun.

Ich habe als Kind davon geträumt, Bundesligaspieler bei diesem Verein zu sein. Und später habe ich davon geträumt, Trainer bei diesem Verein zu sein. Für mich gibt es da gerade wenige Steigerungsformen.

Wie wichtig ist bei so etwas der Laptop?

Dass etwas mit dem Laptop passiert, ist so mein Albtraum, den ich habe. Wenn mal jemand bei mir einbricht und den Laptop wegnimmt – alles andere ist zu ersetzen –, dann könnte man mir damit am meisten beruflich wehtun. Ich bin auch nicht der Beste bei der Datensicherung. Ich bin nicht so hinterher, dass ich jeden Tag meine Daten sichere.

Aber auch dann würde es weitergehen. Ich würde aber einiges an Nerven lassen, weil die Daten, die ich dort über die Jahre gesammelt habe, relativ wichtig geworden sind.

Hätte Ihr ehemaliger Spielerkollege und Zimmernachbar, Stefan Kretzschmar, unter dem Trainer Wiegert eine Chance?

Nein. (lacht) Von der sportlichen Seite gesehen hätte er sie definitiv. Es war aber eine andere Zeit. Man kann das nicht vergleichen. Wir hatten damals vielleicht drei oder viermal ein Spiel, wo wir auf dem Punkt da sein sollten. Es gab Spiele in der GETEC-Arena, da ging’s nur darum, ob wir mit fünf oder zehn Toren gewinnen. Da ging es nicht darum, dass wir verlieren.

Heutzutage ist die Bundesliga so ausgeglichen, dass wenn man kleine Prozente verschenkt, man wahrscheinlich Punkte verschenkt. Dementsprechend ist der Umgang, den wir damals mit dem Leistungssport gepflegt haben, heutzutage nicht mehr möglich. Auf die Idee würde auch keiner mehr kommen.

Stefan Kretzschmar (re.) und Bennet Wiegert
Damals Teamkollegen und Zimmernachbarn: Bennet Wiegert und Stefan Kretzschmar. Bildrechte: imago/Camera 4

Durch den Erfolg des SCM sind derzeit die Blicke der Handballszene auch auf Sie gerichtet: Ist denn etwas anderes als der SC Magdeburg für Sie einmal vorstellbar?

Momentan nicht. Eindeutiges Nein. Das hat einen ganz einfachen Grund. Ich habe das mal so beschrieben, dass ich in den Verein reingeboren worden bin. Ich habe als Kind davon geträumt, Bundesligaspieler bei diesem Verein zu sein. Und später habe ich davon geträumt, Trainer bei diesem Verein zu sein. Für mich gibt es da gerade wenige Steigerungsformen.

Dazu bin ich familiär hier fest verwurzelt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich meine Kinder aus der Schule oder aus der Kita rausnehme und von ihren Freunden wegnehme. Oder von ihren Großeltern.

Ich habe wirklich die luxuriöse Lage, den Traumjob direkt vor der Haustür machen zu können. Es gibt nur 18 Bundesligamannschaften und nur 18 Bundesligatrainer. Und ich mache das in meiner Geburtsstadt. Das ist ein riesen Privileg, was ich gut einzuschätzen weiß.

Die Fragen stellte Wolfram Engel.

Quelle: MDR/ff

Dieses Thema im Programm: SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. März 2019 | 19:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. März 2019, 19:42 Uhr

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