SCM-Trainer Bennet Wiegert im Interview "Wir haben kein Fallobst vor uns"

Die Handballer des Bundesligisten SC Magdeburg sind am Freitag nach Weißrussland geflogen. Am Samstag spielten die Magdeburger in der Hauptrunde des EHF-Cups gegen SKA Minsk. MDR SACHSEN-ANHALT hat mit SCM-Trainer Bennet Wiegert nach der langen Winterpause unter anderem über die bevorstehenden Spiele gesprochen.

Bennet Wiegert
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Do 08.02.2018 08:50Uhr 06:24 min

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MDR SACHSEN-ANHALT: Sechs Wochen Pause sind wie große Sommerferien für Schüler: Was haben Sie in den sechs Wochen gemacht?

Bennet Wiegert: Das hört sich zwar fantastisch an, aber leider ist es nicht so. Wir hatten sechs Wochen spielfrei, das ist richtig, heißt aber nicht Pause für uns. Die wenigen Jungs, die hier waren, haben trainiert und haben sich fit gehalten. Sie haben eine Woche im Neujahr frei bekommen. Ab 7. Januar haben wir mit der Zwischenvorbereitung begonnen, um gesund und munter in die Rückrunde zu starten.

Das heißt, Sie haben sich nicht erholt?

Für mich ist das schon Erholung. Ich hatte zwei Wochen mit der Familie – ein bisschen mehr als gewohnt. Die Kinder haben es genossen. Wir konnten die Zeit zuhause gemeinsam verleben, Omas und Opas besuchen.

Donnerstagabend geht es gegen Ihren Ex-Verein VfL Gummersbach: Wie hoch schlägt denn noch Ihr Herz für den Liga-Konkurrenten?

Ich mag den VfL, das habe ich immer gesagt. Wahrscheinlich weil er dem SCM so nahe kommt, ein Traditionsverein im Oberbergischen Land ist. Ich habe das Jahr dort sehr genossen und habe da nie ein Hehl daraus gemacht. Aber meine Heimat war halt Magdeburg und deshalb hat es mich auch hier her zurück verschlagen.

Das wir nur auf Platz sieben sind, das ist das Problem.

Gucken wir auf die Tabelle: Gummersbach ist 14. und der SCM auf Rang 7 – wo ist das Problem?

Das wir nur auf Platz sieben sind, das ist das Problem. Nein, die Bundesliga ist in der Leistungsdichte unheimlich zusammengerückt. Wer sich vom Tabellenplatz täuschen lässt – das wird ja heute ein eindeutiges Ding – der ist eigentlich schon geschlagen. Die Jungs haben begriffen, dass wir jedes Bundesligaspiel wirklich fokussiert angehen müssen, um maximal erfolgreich zu sein. Das wird uns auch gegen Gummersbach gelingen.

Trainer Bennet Wiegert (SC Magdeburg)
Wiegert: "Ich glaube, dass die Jungs lieber spielen, als mit mir zu trainieren." Bildrechte: IMAGO

Wir haben kein Fallobst vor uns als Gegner, das werden anspruchsvolle Aufgaben.

Wir erinnern uns an die Rückrunde in der letzten Saison: Da hat der SCM den Titel "Die ewig Ungeschlagenen" gehabt, kriegt ihr Team das wieder hin?

Wir bemühen uns, aber es ist natürlich keine Selbstverständlichkeit. Ich habe immer betont, dass das, was wir letztes Jahr gemacht haben, eigentlich eher unnormal ist. Und das, was in dieser Hinrunde abgelaufen ist, eher normal ist. Dass man 21 Spiele wettbewerbsübergreifend nicht verliert, ist schon sensationell. Im Sport spricht man von einem Flow – ein Zustand, den man immer wieder gern erreichen möchte. Klar, das thematisiere ich auch, versuche das zu visualisieren, wie schön die Zeit war, von Sieg zu Sieg zu eilen. Aber normal ist das nicht. Wir haben kein Fallobst vor uns als Gegner, das werden anspruchsvolle Aufgaben.

Ich glaube, dass die Jungs lieber spielen, als mit mir zu trainieren.

Guckt man auf die kommenden Tage: Donnerstag das Bundesligaspiel, Freitag geht es mit dem Flieger nach Weißrussland und Samstag ist das EHF-Cup-Spiel in Minsk: Wie motivieren Sie Ihre Jungs, dass dieser "Flow" auch wirklich weitergeht?

Motivieren muss ich sie nicht großartig. Ich muss mir nicht den Mund fusselig reden. Für mich ist die Steuerung wichtig: Die Trainingssteuerung, wann regenerieren wir, wann trainieren wir, um das Verletzungsrisiko zu minimieren. Das ist ganz wichtig. Der Spielplan ist mir bewusst, deswegen hoffen wir maximal erfolgreich aus dieser Zeit rausgehen zu können. Dass es anstrengend wird, ist uns allen bewusst. Ich habe fast acht, neun Leute, die mit ihren Nationalmannschaften ganz viel Großturniere schon gespielt haben und die kennen das einfach: die kennen das Hotelleben, die kennen es, jeden zweiten Tag ein Topspiel zu haben. Ich glaube, dass die Jungs lieber spielen, als mit mir zu trainieren. Weil das Training deutlich härter ist, als ein Spiel. Ich habe immer meine Trainingssteuerung so gewählt, dass ich sage, der Wettkampf soll für sie Erholung sein. Das Training ist das anstrengende, deswegen sollen sie sich bitte auf die große Anzahl der Spiele auch freuen.

Danke für das Gespräch und alles Gute für die Saison.

Das ist Bennet Wiegert * am 25. Januar 1982 in Magdeburg geboren
* Spielerkarriere: 1998 - 2004 SC Magdeburg, 2004 - 2006 Wilhelmshavener HV, 2006 - 2007 VfL Gummersbach und 2007 - 2013 SC Magdeburg
* Erfolge als Spieler: Deutscher Meister 2001, Champions League Sieger 2012 und Vereins-Europameister 2002 und 2003
* DHB-Auswahl: er bestritt fünf Spiele und erzielte dabei 14 Tore
* Trainerkarriere: seit 2015 trainiert er als Co-Trainer die Nationalmannschaft im Jugendbereich und den Bundesligisten SC Magdeburg
* Erfolg als Trainer: DHB-Pokal 2016

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Quelle: MDR/jr

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 08. Februar 2018 | 08:40 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Februar 2018, 10:38 Uhr

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