Interview HFC holt Tiffert: "Ein klares Signal"

Christian Tiffert kehrt vom Zweitligisten Aue in seine Heimatstadt zurück. Wie kann der Routinier dem Halleschen FC im Aufstiegskampf der dritten Liga helfen? Sportjournalist Sebastian Wutzler hat den Weg des 36-Jährigen in den vergangenen Jahren eng begleitet und schätzt Tifferts Rolle ein.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Christian Tiffert (l.) Sebastian Wutzler (im Kreis) HFC
Sportjournalist Sebastian Wutzler (r.) kennt Christian Tiffert gut. Bildrechte: MDR/Daniel George/Imago

Christian Tiffert kehrt zurück – es ist der große Transfercoup des Winters beim Halleschen FC. Was sich in der vergangenen Woche bereits angedeutet hatte, gilt nun als sicher. Der 36 Jahre alte Profi verlässt den Zweitligisten Erzgebirge Aue und schließt sich dem Tabellendritten der dritten Liga an. Die Rückkehr des gebürtigen Hallensers soll am Dienstag offiziell verkündet werden.

Wie kann der Routinier der Mannschaft von Trainer Torsten Ziegner im Aufstiegskampf helfen? Und was für ein Typ erwartet die HFC-Fans?

Sebastian Wutzler ist Sportjournalist aus Zwickau und war in den vergangenen Jahren unter anderem für die "BILD" ganz nah dran am FC Erzgebirge Aue. Wutzler erklärt MDR SACHSEN-ANHALT, was der Tiffert-Transfer für den HFC wirklich wert ist:

Herr Wutzler, inwieweit hat Sie der Wechsel von Christian Tiffert zum HFC überrascht?

Wutzler: Es hatte sich bereits im Winter-Trainingslager angedeutet, dass Christian für andere Optionen offen sein würde. Er hat in der Hinrunde unter dem neuen Trainer Daniel Meyer nicht mehr die große Rolle in Aue gespielt. Mit Steve Breitkreuz wurde im Sommer ein neuer Mann für das Abwehrzentrum verpflichtet. Hinzu kam eine Knieverletzung von Christian Tiffert im September. Das war nichts Dramatisches, aber er hat nicht mehr die Spielanteile gesehen, die er gerne gesehen hätte.

Und als sich Halle nach der Verletzung von Sebastian Mai bei ihm gemeldet hat, war Christian sofort heiß auf die neue Aufgabe. Am Sonntag hat er dann das Gespräch mit Aues Präsident Helge Leonhardt gesucht, der ihm keine Steine in den Weg gelegt hat. Christian hat in den vergangenen dreieinhalb Jahren ja auch Großes geleistet für Erzgebirge Aue.

Warum hat er sich Ihrer Meinung nach für einen Wechsel zum HFC entschieden?

Halle ist seine Heimatstadt, das ist immer etwas Besonders. Und seit letztem Sommer ist beim HFC viel passiert. Die Verpflichtung von Christian Tiffert ist auch ein klares Signal, dass es der HFC ernst meint im Aufstiegskampf. Das reizt ihn. Bevor er 2015 zum FC Erzgebirge gekommen ist, wollte er seine Karriere eigentlich schon beenden. Dann ist er mit Aue aber von der dritten in die zweite Liga aufgestiegen, hat einen großen Beitrag dazu geleistet. Und so etwas will er nochmal erleben. Er ist einfach Fußballer durch und durch.

Tiffert wird im Februar 37 Jahre alt. Wie fit ist er noch?

Topfit! Er ist in seiner Karriere von größeren Verletzungen verschont geblieben. Wenn er in der Hinrunde gespielt hat, hat er sich in einwandfreiem Zustand präsentiert. Du hattest nie den Eindruck, dass da ein 36-Jähriger spielt, dessen Knochen vielleicht nicht mehr ganz so mitmachen. Er ist ein Vollprofi – und das zahlt sich auch im fortgeschrittenen Fußballeralter aus.

Auf welcher Position kann Tiffert dem HFC am meisten helfen?

Er sieht sich selbst nicht mehr als großer Antreiber im Mittelfeld, der von Strafraum zu Strafraum jagt, sondern eher in der Rolle als Abwehrchef im Zentrum. Da ist der HFC mit Moritz Heyer aber gut besetzt. Das wird spannend, wie HFC-Trainer Torsten Ziegner ihn einsetzen wird. Aber Ziegner setzt ja auch auf eine Leitwolf-Kultur. Das könnte also passen. Jedenfalls ist Christian noch immer sehr kopfballstark, sehr zweikampfstark. Seine große Stärke ist die Erfahrung. Auch seine Mitspieler in Aue haben immer wieder gelobt, welche Ruhe er ausstrahlt, gerade auch in schwierigen Phasen des Spiels.

Was für ein Typ erwartet die HFC-Fans?     

Er wird nicht nach Halle kommen und irgendwelche Ansprüche stellen, nur weil er mal Bundesliga gespielt hat. In Aue ist er immer mit das kleinste Auto gefahren. Er ist bescheiden, steht nicht über den Dingen. Er wird sich in das intakte Gefüge beim HFC integrieren. Christian ist kein Lautsprecher, wirkt manchmal eher introvertiert. Aber sein Wort hat in Aue immer Gewicht gehabt – auf dem Platz und in der Kabine. Er will mit Leistung überzeugen und hat eine unheimlich gute Ausstrahlung. Mit seiner Körpersprache führt er eine Mannschaft an.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine wunderschöne Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 28. Januar 2019, 20:11 Uhr

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9 Kommentare

29.01.2019 15:41 SLKrotundweiß 9

Tja 37(fast) ist schon nichts für die zukunft ,ich weiß erlich gesagt nicht so recht was er zerreißen soll zumal die derzeitige Auslegung nach dem Motto jungend voran mir eigentlich gut gefällt aber andererseits noch ein alter grauer leitwolf im rudel muss ja auch nicht falsch sein ,lassen wir uns überraschen ,vielleicht ist er alleine dafür gut den jungen Leuten von seiner Erfahrung lernen zu lassen
RWG

29.01.2019 15:29 Werner 8

@Roberto
Was du alles so weisst...
Du bist wohl Tiffia Banker?

Ich freue mich dass er zurück in der Heimat ist und uns hilft den Tabellenstand zu halten oder zu verbessern

29.01.2019 13:26 Böllberger 7

Eine sehr kluge Entscheidung, zumal der Verein über die Saison hinaus auf dieser Position nicht unter Druck gerät bzw. erpressbar wird. Moritz Heyer hat sich mit dem Poker bzgl. Vertragsverlängerung keinen gefallen getan und der Verein nach der Mai-Verletzung das richtige Signal gesetzt. Diese clevere Taktik habe ich in der Vergangenheit beim HFC vermisst, Glückwunsch und viel Erfolg für Tiffi in der Heimat!