Überzeugender Sieg in Jena HFC mit Ruhe zum Befreiungsschlag

Groß war die Kritik am HFC nach zwei Niederlagen zum Saisonstart. Doch Torsten Ziegner und sein Team haben Ruhe bewahrt – und wurden dafür belohnt. Mit dem Sieg in Jena hat Halle die Starttaste für die Saison gedrückt.

Spieler des HFC vor der Fankurve, Jubel nach dem Abpfiff.
Der HFC bejubelt seinen ersten Saisonsieg. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Eine Schale voll mit verkohlten Thüringer Würsten vom Grill, dazu eine Anzeigentafel, die aufgrund der Hitze dunkel blieb – schon lange vor dem Anpfiff deutete sich an, dass es ein schwarzer Abend werden würde. Nur ob für Carl Zeiss Jena oder den Halleschen FC stand an dieser Stelle noch nicht fest. Doch spätestens als Braydon Manu kurz vor der Halbzeit zum 3:0 für den HFC traf, war klar: Diesmal hatte es die Thüringer – die als Tabellendritter in das Duell mit dem Letzten Halle gegangen waren – erwischt. Oder um im Bild zu bleiben: Jena wurde vom HFC nach allen Regeln der Kunst gegrillt. Denn am Halbzeitergebnis änderte sich bis zum Schluss nichts mehr.

Wir haben schon gemerkt, dass der eine oder andere im Umfeld ins Grübeln gekommen ist. Deshalb sind wir froh, dass wir die Euphorie, die wir in der Stadt und im Verein hatten, nicht komplett verloren haben.

Torsten Ziegner, HFC-Trainer

Die wichtigste Erkenntnis aus dem Spiel ist eigentlich überhaupt nichts Neues: Zwei nacheinander gewonnene Spiele im Ligaalltag bedeuten genauso wenig wie zwei verlorene. Die Mannschaften sind in der dritten Liga leistungsmäßig sehr eng beieinander. Kleinigkeiten und die Tagesform entscheiden über Sieg oder Niederlage. Beide Trainer betonten auch genau das nach der Partie. Blöd ist es trotzdem, wenn man – wie der HFC – gleich die ersten beiden Spiele verliert. Denn dann wird vieles, was vielleicht gar nicht so verkehrt ist, in Frage gestellt. Unruhe und Erfolgsdruck steigen.

Unruhe im Umfeld

Das hatte HFC-Trainer Torsten Ziegner natürlich auch mitbekommen: "Wir haben schon gemerkt, dass der eine oder andere im Umfeld ins Grübeln gekommen ist. Deshalb sind wir froh, dass wir die Euphorie, die wir in der Stadt und im Verein hatten, nicht komplett verloren haben. Wir haben gezeigt, dass wir Spiele gewinnen können." Ein wichtiges Signal, dass sich der Trainer von den beiden Niederlagen nicht verunsichern lassen hat, sendete er schon vor dem Anpfiff. Denn Ziegner schickte die gleiche Startelf auf den Platz wie gegen Köln. "Das Spiel gegen Fortuna war ordentlich. Es hatte nur den Makel, dass wir nicht getroffen haben. Wir wollten heute noch mal genauso auftreten, diesmal aber auch Tore erzielen", begründet er seine Entscheidung. Der Plan ging auf, die Mannschaft erfüllte seinen Wunsch. 

Halle lief Jena von Beginn sehr hoch an und kam zu ersten Möglichkeiten. Auffällig war, wie oft Carl Zeiss den Ball im Aufbauspiel schon in der eigenen Hälfte an den HFC verlor. Ein Umstand, der auch FCC-Trainer Mark Zimmermann extrem ärgerte: "Wir haben genau dahin gespielt, wo der Gegner Druck macht. Wir haben quasi in das Pressing rein gespielt. So sind wir nicht in die Räume vor der HFC-Dreierkette gekommen, wo vielleicht etwas möglich gewesen wäre." Ein älterer Zuschauer auf der Tribüne formulierte es einfacher: "Man spielt nur so stark, wie es der Gegner zulässt." Und weil der HFC in der ersten Hälfte sämtliche Aufbaubemühungen der Jenenser unterband, brachten diese auch kein Spiel zustande.

Fetsch sorgt für Erleichterung

"Wir haben gepresst, früh die Bälle erobert und unser Spiel durchgedrückt", freute sich dann auch Mathias Fetsch. Wie schon gegen Köln. Der große Unterschied zu Samstag war der Stürmer selbst. Denn während er gegen Fortuna noch zwei Mal kläglich scheiterte, traf er diesmal sehenswert zur Führung (15. Minute). Vorausgegangen war auch hier ein Ballgewinn in Strafraumnähe durch Bentley Baxter Bahn. Der leitete auf Björn Jopek weiter, dessen Flanke Fetsch gekonnt verarbeitete.

Das Tor war eine große Erleichterung. Für den HFC, aber auch für Fetsch selbst. Schließlich musste er zuletzt viel Kritik einstecken. Zwar erklärte er, dass es ihm egal sei, was so erzählt und geschrieben werde. Immerhin sei er ja schon lange dabei. Dann gab er aber doch zu, dass "ich viele Gespräche mit Mannschaftskollegen und den Trainern geführt habe, die mir den Rücken gestärkt haben." Umso größer war dann seine Freude, "heute zurückzahlen zu können."

v. l. Braydon Manu (Hallescher FC), Mathias Fetsch (Hallescher FC), Jan Washausen (Hallescher FC), Jubel nach Tor zum 1:0.
Mathias Fetsch (Mitte) ist nach seinem Führungstor kaum zu halten. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Entscheidung noch vor der Pause

Die Führung gab dem HFC noch mehr Sicherheit, während Jena komplett von der Rolle war. Das 2:0 von Pascal Sohm – in der Entstehung fast identisch mit dem 1:0 – war da nur folgerichtig (41. Minute). Nach einer Schlafeinlage der Hausherren sorgte Manu kurz darauf für den Endstand. Allzu überschwänglich wollte Trainer Ziegner anschließend dennoch nicht feiern. "Am Ende sah der Unterschied größer aus, als er tatsächlich war." Er weiß, dass am Samstag mit Kaiserslautern schon die nächste schwere Aufgabe wartet und hofft, dass seine Spieler dieses Bewusstsein mit ihm teilen.

Natürlich hat der HFC nur ein Spiel gewonnen und wird in Zukunft sicher auch wieder welche verlieren. Doch es scheint, als habe die Mannschaft deutlich eher als in manch früherem Jahr die Starttaste für die Saison gefunden. Zur Erinnerung: Im Vorjahr gelang erst am siebenten Spieltag der erste Sieg. Vor exakt einem Jahr verlor der HFC unter der Woche gegen Jena und steckte tief im Schlamassel. Die Revanche dafür ist jetzt geglückt. Es bleibt die Hoffnung, dass der HFC nun seinen Rhythmus findet und dem Tabellenende zum letzten Mal in dieser Spielzeit richtig nahe gekommen ist. Damit in Sachen Klassenerhalt nichts mehr anbrennt. Außer vielleicht ein paar Bratwürste. 

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 07. August 2018 | 21:00 Uhr

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