Michael Damgaard
Michael Damgaard erlebt beim SCM gerade eine schwierige Phase. Bildrechte: IMAGO

Handball Kaum Einsätze für SCM-Star: Damgaard braucht Geduld

In den vergangenen Jahren war Michael Damgaard der Top-Spieler beim SC Magdeburg. Momentan bekommt er jedoch kaum Einsatzzeit. Das liegt nicht nur an seiner Verletzung im Sommer.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Michael Damgaard
Michael Damgaard erlebt beim SCM gerade eine schwierige Phase. Bildrechte: IMAGO

Es sind Szenen, die jeder SCM-Fan noch vor Augen hat: Als Michael Damgaard Ende 2016 mit einem Wurf in letzter Sekunde die Rhein-Neckar Löwen erlegte. Damals immerhin amtierender Deutscher Meister. Oder als er dieses Kunststück ein gutes Jahr später im hitzigen Derby in Leipzig wiederholte. In den vergangenen drei Spielzeiten war Damgaard der Garant für die wichtigen und die spektakulären Tore beim SCM. In der zurückliegenden Saison war er mit 172 Treffern zudem bester Werfer der Magdeburger.

Kurze Einsatzzeiten frustrieren Damgaard

Davon ist der dänische Rückraumschütze momentan jedoch weit entfernt. Bestes Beispiel war sein Auftritt in Flensburg vor einer Woche. Erst spät in der zweiten Halbzeit schickte Trainer Bennet Wiegert Damgaard auf das Feld. Gut zwei Minuten – und zwei entscheidende Fehler – später war der Einsatz schon wieder beendet. Michael Damgaard musste zurück auf die Bank und verfolgte von dort die restlichen Minuten sichtbar missgelaunt. "Eigentlich wollte ich ihn länger bringen", sagte Wiegert anschließend. Er habe jedoch auf die Spielsituation reagieren müssen. "Ich weiß, dass es Mika momentan nicht leicht hat", ergänzt der Trainer.

Denn solche Kurzeinsätze gab es viele in den vergangenen Wochen. Michael Damgaard kommt beim SC Magdeburg derzeit nicht zum Zug. Schon im Frühjahr war er angeschlagen. Eine Patellasehnen-Entzündung sorgte dann dafür, dass er fast die komplette Saisonvorbereitung verpasste. Statt mit der Mannschaft konnte Damgaard nur individuell trainieren und ging mit einem enormen körperlichen Rückstand in die Saison. Der ist mittlerweile kompensiert, Einsatzzeit bekommt er trotzdem kaum. Ein Umstand, der den Dänen frustriert. Ein angefragtes Interview sagte Damgaard ab. Er habe momentan auch keine Antworten, ließ er über SCM-Pressesprecher Olaf Scholz ausrichten.

Ungeduld und Erfolg der anderen

Für Damgaards Misere lassen sich zwei Gründe finden. Zum einen ist es seine eigene Ungeduld. Kurz nach seiner Einwechslung in Flensburg versuchte er in wenig aussichtsreicher Position zu werfen – "nach gefühlt zehn Sekunden im Angriff und ohne Not", analysierte Bennet Wiegert anschließend. Der Ball wurde geblockt. Die Intention ist nur zu verständlich. Damgaard weiß um seine individuelle Qualität. Wenn er endlich spielen darf, will er beweisen, wie gut er ist. Doch gerade deshalb wirkt er übermotiviert und seine Aktionen erscheinen überhastet. Dabei schwingt die Angst, Fehler zu machen, ganz offensichtlich mit. Spielmacher Marko Bezjak kann seinen Kollegen da gut verstehen: "Es ist immer schwierig, wenn du nur ein paar Minuten Spielzeit bekommst und dann alles zeigen willst. Ich hoffe, er kommt bald wieder in seine alte Form."

Der andere Grund, dass Michael Damgaard derzeit beim SCM keine große Rolle spielt, ist der Erfolg der Grün-Roten in den ersten Saisonwochen. Christian O’Sullivan, Marko Bezjak und Zugang Albin Lagergren harmonierten prächtig im Rückraum, der SC Magdeburg eilte von Sieg zu Sieg. Für große Umstellungen gab es da keinen Anlass. Weil der SCM sehr viele Tore im Tempospiel erzielt, sind die Angriffsphasen mit Positionsspiel, in denen Damgaard meist zum Einsatz kommt, rarer geworden. Und weil der Erfolg der Mannschaft über allem steht, ist es schwierig auf das Wohlbefinden eines Einzelnen – in dem Fall Damgaard – Rücksicht zu nehmen. Insofern ist es fast ein Luxus-Problem, ihn nicht einsetzen zu können.

Trainer Bennet Wiegert und Michael Damgaard (SC Magdeburg)
Michael Damgaard (l.) muss derzeit oft hinter Trainer Bennet Wiegert auf der Bank Platz nehmen. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Wie Damgaard wieder wichtig wird

Trotzdem muss man nicht davon ausgehen, dass der dänische Rückraum-Shooter bald zum Auslaufmodell in Magdeburg wird. "Er wird seine Chancen bekommen", ist sich Dirk Roswandowicz sicher. "Und ich erwarte auch von ihm, dass er da ist, wenn er gebraucht wird", macht der SCM-Präsident klar. In Richtung Bennet Wiegert ergänzt er: "Von ihm erwarte ich, dass er das hinbekommt." Die Schwierigkeit dabei ist, Damgaard Spielzeit zu geben und ihm auch Fehler zuzugestehen. Denn nur so kann der Däne seine Sicherheit zurückgewinnen.

Dass Wiegert solche Probleme im Kader durchaus lösen kann, bewies er erst kürzlich. Nach einem schwachen Saisonstart und internen Differenzen hat Robert Weber zum Beispiel seine Form wieder gefunden. In den beiden Spielen gegen Flensburg gehörte der Torjäger auf Rechtsaußen zu den stärksten Magdeburgern. Ein Umstand, der Michael Damgaard Mut machen dürfte. Weil der SCM ab kommender Woche in den EHF-Cup einsteigt, gibt es dann auch mehr Spielzeit zu verteilen. Das kommt dem Dänen sicher zu Gute. Und vielleicht helfen ihm auch die Gegner in der Bundesliga. Es ist anzunehmen, dass sich die Kontrahenten im weiteren Saisonverlauf ein Stück weit auf das Tempospiel der Magdeburger einstellen. Dann sind womöglich andere Lösungen auf der Platte gefragt. Vielleicht ja sogar schon am Donnerstagabend, beim Auswärtsspiel in Stuttgart. Michael Damgaard hat schon oft bewiesen, dass er diese Lösungen liefern kann. Wenn es sein muss, auch in den letzten, entscheidenden Sekunden eines Topspiels.

Michael Damgaard (SC Magdeburg) im Zweikampf mit Harald Reinkind (Rhein Neckar Loewen) und Alexander Petersson (Rhein Neckar Loewen).
Mit seinen entscheidenden Toren hat sich Michael Damgaard (Mitte) in die Herzen der SCM-Fans gespielt. Bildrechte: IMAGO
Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. November 2018 | 12:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. November 2018, 11:36 Uhr

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1 Kommentar

10.11.2018 08:00 Florentine 1

Schade, dass dem MDR zum SCM Handball nicht mehr einfällt.
Am Donnerstag, den 08.11.2018, hat der SCM in Stuttgart einen Vereinsrekord aufgestellt, 23 Tore in der ersten Hälfte eines Spiels.
Dann gewonnen mit 13 Toren Vorsprung. Keine Erwähnung durch MDR Sachsen-Anhalt... nirgends...weder in der gestrigen Sendung um 19 Uhr, noch hier in der App.
Die Handballer sind ja wohl im Moment die viel besseren Repräsentanten des Magdeburger Sports als die Fußballer...das sollte man auch mal und immer wieder ausreichend würdigen.

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Wir haben über diesen Erfolg im Morgenticker von MDR SACHSEN-ANHALT berichtet, auch die Kollegen von Sport im Osten haben berichtet: https://www.mdr.de/sport/handball/sc-magdeburg-deklassiert-tvb-stuttgart-100.html