Erstklassig – die Kolumne über den Syntainics MBC Warum die MBC-Profis jetzt Moral beweisen müssen

Sportredakteur Daniel George begleitet die Bundesliga-Saison des Mitteldeutschen Basketball Clubs für MDR SACHSEN-ANHALT. Der Trainerwechsel hin zu Björn Harmsen war die richtige Entscheidung, findet er – und sieht die Spieler jetzt in der Pflicht.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Daniel George neben dem MBC-Logo
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig/Syntainics MBC

Was haben sie nicht alles versucht beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC) vor dem Spiel gegen den FC Bayern München. Eine Video-Grußbotschaft von US-Serien-Star Charlie Sheen haben sie eingekauft, hier und da immer wieder Werbung gemacht für das Gastspiel in der Arena Leipzig. Über 5.000 Zuschauer saßen am Sonntag dann auch auf den Rängen – und trotzdem verlor der Bundesligist aus Weißenfels mit 86:96 gegen den Deutschen Meister.

Gut, dass diese Partie nun vorbei ist! Denn jetzt können sich die Wölfe wieder auf das konzentrieren, was wirklich zählt: die Leistung auf dem Parkett. Schließlich muss die stimmen, sonst helfen auch die tollsten Marketing-Aktionen nicht. Und aktuell stimmt sie eben nicht: Weißenfels belegt in der höchsten deutschen Spielklasse den letzten Tabellenplatz.

Harmsen neuer Coach – der richtige Schritt

Erst ein Sieg aus neun Partien, acht Niederlagen stehen auf dem Konto des Syntainics MBC. Am Ende dieser Spielzeit gibt es zwar nur einen Absteiger aus der Bundesliga – doch aktuell wäre das Weißenfels. Die Lage ist brenzlig.

Deshalb hat die Vereinsführung reagiert. Chefcoach Wojciech Kaminski wurde freigestellt – nach nur wenigen Monaten im Amt. Seit zwei Partien trainiert Björn Harmsen, der bereits von 2008 bis 2011 beim MBC an der Seitenlinie stand, das Team.

Der richtige Schnitt, denn Kaminski hatte sich mit Teilen der Mannschaft überworfen. Bereits in der Saisonvorbereitung war er bei einem Testspiel öffentlich verbal mit Kapitän Andrew Warren aneinandergeraten. Das war der Anfang vom Ende seines kurzes Engagements beim Syntainics MBC.

Nun also Björn Harmsen. Einer, den die Fans lieben, weil er ihren Klub 2009 in die erste Liga geführt hat. Einer, der in Leipzig lebt und verbunden ist mit der Region, mit den Menschen in Weißenfels. Einer der besten deutschen Basketballtrainer überhaupt.

Nur noch ein Heimspiel 2019 für den Syntainics MBC

Ganz wichtig: Harmsen legt seinen Fokus auf die Verteidigung – und das ist bislang die große Schwäche des Syntainics MBC in dieser Saison. Zwar erzielt Weißenfels im Schnitt die drittmeisten Punkte der gesamten Liga, kassiert aber eben auch die meisten. Was nicht zuletzt mit der körperlichen Verfassung des Teams zusammenhängt, die verbesserungsfähig ist.

Eine alte Basketball-Weisheit besagt: In der Defensive entscheidet die Einstellung, nicht unbedingt das Können. Die Mentalität war unter Wojciech Kaminski verloren gegangen. Die Profis spielten offenbar gegen ihren Trainer. Unter Björn Harmsen ist das wieder anders.

Die nächsten Aufgaben des Syntainics MBC

30. November, 20.30 Uhr – SC Rasta Vechta (auswärts)

7. Dezember, 20.30 Uhr – Telekom Baskets Bonn (auswärts)

15. Dezember, 15 Uhr – Alba Berlin (Pokal, auswärts)

21. Dezember, 18 Uhr – ratiohpharm Ulm (auswärts)

26. Dezember, 18 Uhr – EWE Baskets Oldenburg (heim)

31. Dezember, 15 Uhr – Alba Berlin (auswärts)

Leidenschaftlich warfen sich die Wölfe gegen Bayern München nach jedem Ball, präsentierten sich gedankenschnell, wechselten immer wieder die Defensivvarianten. Sie stellten die qualitativ weit besser besetzten Münchner so vor Probleme. "Wir haben 14 Offensiv-Rebounds und neun Steals geholt. Die Statistik zeigt, dass die Jungs alles gegeben haben", sagte Coach Harmsen.

In den kommenden Wochen bis zum Ende des Jahres wird sich die Moral des Teams zeigen. Denn der Syntainics MBC muss fünfmal auswärts antreten. Nur ein Heimspiel gegen das Top-Team aus Oldenburg steht 2019 noch auf dem Programm (siehe "Die nächsten Aufgaben des Syntainics MBC"). Was gar nicht unbedingt schlecht sein muss. Fakt ist: In der Mannschaft steckt defensiv noch großes Potenzial. Profis und Trainerteam können sich voll auf die Arbeit konzentrieren. Und vor allem die Spieler sind jetzt gefragt – denn Ausreden oder Ablenkungen gibt es keine mehr.

Über den Autor Daniel George ist zwar zwei Meter lang. Zum Basketball-Profi hat es trotzdem nicht gereicht. Dafür für eine stabile Karriere beim TSV Niederndodeleben, dem besten Dorfverein der Welt.

Weil das eigene sportliche Talent überschaubar war, konzentrierte sich der 26-Jährige früh auf das journalistische Handwerk. Der gebürtige Magdeburger berichtete bereits über zahlreiche Klubs aus Sachsen-Anhalt: die BSW Sixers, die Aschersleben Tigers, den BBC Magdeburg oder den BC Anhalt aus Dessau.

In seiner Kolumne "Erstklassig" schreibt er für MDR SACHSEN-ANHALT regelmäßig über den Mitteldeutschen BC.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 24. November 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 26. November 2019, 11:52 Uhr

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