Statisten stellen eine Schlaegerei dar, die von Beamten der neuen BFE aufgeklaert wird. NRW- Innenminister Herbert Reul stellt die neue Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit BFE des Landes NRW in Dienst, 05.02.2019 in Bochum.
Eine Polizei-Einheit probt in Bochum einen Einsatz. (Symbolfoto) Bildrechte: imago/Sven Simon

Nach Einsatz gegen FCM-Fans Etwas mehr Zurückhaltung, Polizei NRW!

Ein Polizeieinsatz hat hunderten FCM-Fans den Ausflug nach Bochum verdorben. Über Stunden wurden gut 700 Anhänger am Bahnhof der Ruhrgebietsstadt festgehalten und durchsucht. Ohne Ergebnis. Auch wenn FCM-Fans für den Anlass sorgten, war der Einsatz unverhältnismäßig. Nicht zum ersten Mal in Nordrhein-Westfalen. MDR-SACHSEN-ANHALT-Redakteur Oliver Leiste bittet deshalb um mehr Zurückhaltung. Ein Kommentar.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Statisten stellen eine Schlaegerei dar, die von Beamten der neuen BFE aufgeklaert wird. NRW- Innenminister Herbert Reul stellt die neue Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit BFE des Landes NRW in Dienst, 05.02.2019 in Bochum.
Eine Polizei-Einheit probt in Bochum einen Einsatz. (Symbolfoto) Bildrechte: imago/Sven Simon

Es sollte eine weitere denkwürdige Reise zu einem Auswärtsspiel in der 2. Bundesliga werden. Zu nachtschlafender Zeit machten sich gut 700 Fans des 1. FC Magdeburg mit einem Sonderzug auf den Weg ins Ruhrgebiet, um ihre Mannschaft in Bochum zu unterstützen. Die Fahrt wurde auch denkwürdig, doch nicht so, wie die FCM-Fans es sich erhofft hatten. Denn statt im Stadion verbrachten sie einige Stunden am Bochumer Hauptbahnhof und mussten sich einer langwierigen Polizeikontrolle unterziehen.

Der Grund: Aus dem Zug wurde Pyrotechnik gezündet und anschließend aus dem Zugfenster geworfen. Ob es sich um eine oder mehrere bengalische Feuer handelte, ist aus den Quellen nicht zweifelsfrei nachzuvollziehen. Und eigentlich auch unerheblich. Klar ist, dass der oder die Verursacher den anderen Mitreisenden einen Bärendienst erwiesen haben. Über so viel Dummheit kann man nur den Kopf schütteln.

Sonderzüge ohne Polizeibegleitung

Denn der Deal bei Sonderzügen ist einfach: Die Fans mieten einen Zug für Gesamtkosten von 20.000 bis 30.000 Euro und übernehmen für den kompletten Ablauf die volle Verantwortung. Dafür können sie gemeinsam und ohne die sonst übliche Polizeibegleitung reisen. Zudem entfallen lästige Umstiege. Auch für andere Reisende ist es oft entspannter, wenn größere Gruppen von Fußballfans unter sich bleiben. Für Schäden haften die Fanszenen selbst. Dass dieses Vorgehen funktioniert, zeigen zahlreiche Beispiele in ganz Deutschland.

Benimmregeln, die bei öffentlichen Fahrten nicht immer von allen eingehalten werden, werden in den Fußball-Sonderzügen meist strikt befolgt. Denn der eigenen Fanszene schaden möchte in der Regel niemand. Auch der Verzicht auf Pyrotechnik im Zug gehört selbstverständlich dazu. Im Fall der Magdeburger wurde vor Abfahrt des Zuges extra darauf hingewiesen. Wer gegen diese Regeln verstößt und trotzdem zündet, verrät am Ende alle anderen. Denn er liefert der Polizei einen Grund, genauer hinzuschauen. So wie am Samstag in Bochum.

Absurde Kontrollen

Auf der anderen Seite kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Polizei IN Bochum genau auf einen solchen Vorwand gewartet hat und es am Ende womöglich keinen Anlass gebraucht hätte, um die Kontrolle von 700 FCM-Fans in gleicher Weise durchzuführen. Zahlreiche Berichte von Betroffenen und Beobachtern legen die Deutung nah, dass es vor allem um eine Machtdemonstration der Polizei ging. Wenn 700 Menschen über Stunden festgesetzt werden, um eine Hand voll Straftäter zu finden – die noch nicht mal einen messbaren Schaden verursacht haben – fehlt jegliche Verhältnismäßigkeit.

Die Begründung, dass die Polizei "weiteres Zünden von Rauchkörpern und Böllern verhindern wollte", wirkt seltsam, wenn am Ende überhaupt nichts gefunden wurde. Weder im Zug, noch bei den durchsuchten FCM-Fans. Und vor der Rückreise wurde nach Polizeiangaben dann doch wieder geböllert. Das ist natürlich verwerflich, lässt die Kontrollen aber zusätzlich absurd erscheinen.

Polizeiaufgebot sorgt für Unbehagen

Auch am Stadion gab es ein enormes Polizeiaufgebot, das bei vielen FCM-Fans Unbehagen auslöste. Hört man sich bei den Anwesenden um, erschloss sich den meisten die Notwendigkeit  der Einsatzstärke nicht. Zumal die martialisch erwirkte Fantrennung wenige Meter hinter dem Stadion aufgehoben wurde – ohne dass es Probleme zwischen den Fangruppen gab.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen setzt schon länger auf Stärke und Abschreckung. Und lässt dabei immer wieder die gebotene Verhältnismäßigkeit vermissen. Beispiele dafür gab es in den vergangenen Jahren einige. Auch die FCM-Fans waren schon mal betroffen – beim Auswärtsspiel in Duisburg im Februar 2017. Damals waren Regenponchos der Magdeburger der Anlass, den Einlass zu stoppen und einen Wasserwerfer vorfahren zu lassen.

Weniger Drohkulisse, mehr Offenheit

Vielleicht würde der Polizei in Nordrhein-Westfalen etwas mehr Zurückhaltung gut tun. Weniger Drohkulisse, mehr Offenheit gegenüber den Fußballfans. Kommunikation und Erläuterung bestimmter Einsatzschritte an die Anhänger statt offenkundiger Eskalationsbestrebungen. Dass das funktioniert, lässt sich dutzendfach an jedem einzelnen Spieltag beobachten – auch wenn der 1. FC Magdeburg an diesen Spielen beteiligt ist. Bestes Beispiel war der Auftritt von 6.000 FCM-Fans vor einigen Wochen in Hamburg.

Nur damit kein falscher Eindruck entsteht. Straftäter gehören bestraft. Und wenn die Polizei Straftaten verhindern kann, muss sie das tun. Doch dabei muss die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Beim Festhalten von 700 weitgehend unbescholtenen Bürgern ist das nicht gegeben. Und dann muss sich auch niemand wundern, wenn bestimmte Feindbilder verstärkt werden, wo Entspannung und ein respektvoller Umgang miteinander der bessere Weg wären.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Mai 2019 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Mai 2019, 16:19 Uhr

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32 Kommentare

07.05.2019 20:44 Kane 32

Es wird mal richtig schief gehen, da werden es sich vielleicht Gruppen nicht gefallen lassen, dann geht diese Übertreibung nach hinten los.
Man sollte auch kein Spiel anpfeifen wenn sowas ist,

07.05.2019 19:10 FCM Fan 31

Normalo, sie haben den Text nicht verstanden. Die Fans des FCM haben das selbst bezahlt. Aber genau wie der Überschlaue den hier alle kennen seinen Senf dazu geben.Bei anderer Geldverschwendung, ich darf hier nicht schreiben was genau ( nicht Veröffentlichung) regen sie sich doch auch nicht auf.

07.05.2019 17:19 Roberto 30

Wenn man hier so manch Kommentare liest, stellt man fest, dass das Demokratieverständnis in Deutschland sich nicht viel weiter entwickelt hat. Fehlen nur noch Aufforderungen, wie Verbieten, Einsperren oder Aufhängen. Oder wenn man sich nichts zu schulden kommen lassen hat, wird man auch nicht.... Und so wünsche ich diesen Schreiberlingen von ganzem Herzen, dass sie einmal in die Situation kommen, in der sie einer Gewalt machtlos ausgesetzt sind. Nur für ein paar Stunden, wie es den FCM-Fans ergangen ist.