Protest gegen Montagsspiele - Fans halten unzählige Transparente hoch
FCM-Fans hatten am Wochenende gegen Montagsspiele protestiert. Bildrechte: imago/Jan Huebner

DFL will Montagsspiele abschaffen Geschlossenheit macht sich bezahlt

Am Wochenende haben Fußballfans gegen Montagsspiele protestiert. In der 1. und 2. Bundesliga wird der ungeliebte Spieltermin nun abgeschafft. Das ist auch ein Erfolg der FCM-Anhänger. Ein Kommentar von Oliver Leiste.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Protest gegen Montagsspiele - Fans halten unzählige Transparente hoch
FCM-Fans hatten am Wochenende gegen Montagsspiele protestiert. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Die Signale waren unmissverständlich am Sonntag im Magdeburger Stadion. Beim FCM-Spiel gegen Bochum bleib Block U, die Stimmungstribüne hinter dem Tor, zunächst zehn Minuten leer. Später, als jeder dann seinen Platz eingenommen hatte, wurden Dutzende Spruchbänder gezeigt. Die klare Botschaft: Montagsspiele gehören abgeschafft!

Der Magdeburger Protest war Teil einer bundesweiten Aktion. In allen Stadien, von der ersten bis zur dritten Liga wurde gegen den bei Fans ungeliebten Spieltermin am Montagabend demonstriert. Die Magdeburger verzichteten gut 20 Minuten lang auf die gewohnte Unterstützung ihrer Mannschaft, die Bochumer sogar die komplette erste Halbzeit. In Rostock traf Hansa am Montag in der 3. Liga auf Osnabrück. Dort bleib es sogar fast das ganze Spiel still. In Düsseldorf beauftragte am Sonntag die Mitgliederversammlung von Fortuna den Verein, sich gegen Montagsspiele zur Wehr zur setzen.

Konflikt zwischen Fernsehsendern, Vereinen und den Fans

Protest gegen Montagsspiele
Bei Fans sind Montagsspiele unbeliebt. Bildrechte: IMAGO

Montagsspiele stehen sinnbildlich für den Konflikt zwischen Fernsehsendern, Vereinen und den Fans. Die Vereine wollten in der Vergangenheit in erster Linie mehr Geld verdienen. Das ließ sich bei besseren Fernsehverträgen am leichtesten erreichen. Bedingung für mehr Geld waren jedoch zusätzliche Anstoßzeiten, damit die Sender die Spiele exklusiv vermarkten und bei jedem einzelnen Spiel auf möglichst große Werbeeinnahmen hoffen können. Dieser Deal ging zulasten der Zuschauer im Stadion. Am Wochenende haben die meisten Fans frei, Fußball ist ein Freizeitvergnügen. Wer seine Mannschaft jedoch am Montagabend unterstützen will, muss oft früher von der Arbeit los. Bei Auswärtsspielen gehen sogar Urlaubstage drauf.

In der 2. Bundesliga gibt es die Partien am Montag schon seit 1993. In diesem Jahr wurden sie dann auch in der Bundesliga und der 3. Liga eingeführt. Und das brachte für viele Stadionbesucher das Fass zum überlaufen. Sie waren nicht länger bereit, die zunehmende Aufteilung der Spieltage auf immer mehr Tage – auch in der Woche – zu akzeptieren. So häuften sich zuletzt die Proteste und mündeten in der bundesweiten Aktion am Wochenende.

DFL schafft Montagsspiele ab

Am Dienstag verkündete die Deutsche Fußball Liga nun, dass die Montagsspiele ab der Saison 2021/22 auch in der 2. Bundesliga abgeschafft werden. Solange läuft der aktuelle Fernsehvertrag. Darauf haben sich die Vereine der Liga mit großer Mehrheit geeinigt.

Für die Bundesliga war die Abschaffung schon vor einigen Tagen beschlossen worden. Betroffen ist in Zukunft nach jetzigem Stand nur noch die 3. Liga. Doch wenn sich die Vereine auch dort einig sind, wird es nur noch eine Frage der Zeit sein, bis die Montagsspiele auch da abgeschafft werden.

Es geht nur zusammen

Der Protest am Sonntag in Magdeburg sorgte für heftige Diskussionen. Bei weitem nicht alle Stadionbesucher fanden die Form, die Block U gewählt hatte, gut. Und einige bezweifelten die Sinnhaftigkeit einer solchen Aktion. Doch der Erfolg gibt den Fans auf der Magdeburger Nordtribüne Recht. Dazu kann man ihnen gratulieren. Auch wenn die Abschaffung der Montagsspiele bei den vielen Themen, über die zwischen Fans, Vereinen und Verbänden gestritten wird, nur ein Teilerfolg ist.

Die wichtigste Erkenntnis ist: Es geht nur zusammen. Manchmal muss man als Einzelner eben eine Situation aushalten, die man nicht so cool findet, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen. Mitglieder können ihren Vereinen eine Richtung vorgeben – wenn sie geschlossen auftreten. Und die Vereine können auf die Verbände Einfluss nehmen, wenn sie gleiche Interessen verfolgen. Geschlossenheit macht sich bezahlt. Und mit kleinen Schritten können Fans den großen Fußball verändern. Das ist vielleicht die schönste Erkenntnis der Proteste vom Wochenende.  

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen – und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Dezember 2018 | 16:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 19:42 Uhr

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3 Kommentare

05.12.2018 19:24 MLink-Berlin 3

Man kann ja durchaus bei der Familie bleiben! Jeder setzt da seine Prioritäten!

Nur Montags kann ein Normalmalocher eben nicht ins Stadion oder auf Reise gehen!

Und hier gehts um die Fans im Stadion nicht um die Puper am TV

05.12.2018 12:32 rainer 2

Erfolg? Welcher? Der Autor lässt völlig außer acht das es ein Sonnabend Spiel geben soll. 20:30 Prime Time. Mein Sky Abo wird wahrscheinlich teurer. Wie soll Frau , Mann dem Partner erklären , ich gehe Sonnabend Abend zum Fußball? Am Familienabend. Ich sehe schon die Plakate....

05.12.2018 09:43 MLink-Berlin 1

Denke mal eher das war eine "Gemeinschaftsleistung" aller Vereine! Da muss man niemanden besonders hervorheben :-)

Das Ergebnis ist natürlich sehr fanfreundlich, auch wenn erst nach 2021!

BWG aus der Mudderstadt