Neuer FCM-Trainer Stefan Krämer, der Top-Typ

Der FCM hat einen neuen Trainer. Stefan Krämer soll künftig die Geschicke beim Club leiten und die Blau-Weißen in Sichtweite der 2. Bundesliga halten. "Eine sehr gute Verpflichtung", findet Sportredakteur Oliver Leiste. Warum, erklärt er in einem Kommentar.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Stefan Kraemer (Trainer KFC Uerdingen)
Stefan Krämer ist der neue Trainer des 1. FC Magdeburg. Bildrechte: IMAGO

Montagabend machten Meldungen die Runde, Stefan Krämer soll neuer Trainer beim 1. FC Magdeburg werden. Zunächst etwas diffus in einem Whats-App-Chat von mir. Wenig später berichtete die Bild darüber. Und schließlich verkündete auch die Volksstimme noch, was dann schon fast alle wussten. Mein erster Gedanke, als diese Meldungen eintrudelten: "Glückwunsch, FCM. Da kommt ein absoluter Top-Typ."

Steile These, klar. Aber ich glaube tatsächlich, dass der neue Trainer ziemlich gut zum 1. FC Magdeburg passen wird. Krämer bin ich in den vielen Jahren, die ich die 3. Liga mittlerweile verfolge, immer wieder begegnet. In den Pressekonferenzen war er stets freundlich, wirkte aber auch sehr ehrlich. Für die Kollegen, die seine jeweiligen Vereine begleiteten, nahm er sich viel Zeit, erklärte viel und beantwortete jede Frage mit der gebotenen Ausführlichkeit.

Krämer: sympathisch und kommunikativ

Die Kommunikationsfähigkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften des neuen Trainers, erklärte FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik im Podcast "Neues vom Krügel-Platz". Bei Krämer ist das zweifelsfrei gegeben. Das habe ich selbst in Ansätzen erlebt. Und frühere Beobachter schwärmen von seiner Eigenschaft, Menschen für sich zu gewinnen. So sagt Fedor Freytag, der über Rot-Weiß Erfurt blogt: "Stefan Krämer ist als Mensch einfach sympathisch. Ein offener, meist gut gelaunter, witziger Typ."

Beachtliche Erfolge

Doch natürlich machen Freundlichkeit und eine offene Kommunikation noch längst keinen guten Fußballtrainer. Sie können aber helfen. Und Krämer hat, wenn man genau hinschaut, auch beachtliche Erfolge vorzuweisen.

Mit Arminia Bielefeld stieg er 2013 in die 2. Bundesliga auf. Zwei Jahre zuvor war der Verein so gut wie insolvent und brauchte Geld aus dem DFL-Rettungsschirm. Selbst die Drittligalizenz wackelte und erst in allerletzter Sekunde gelang die Rettung. Krämer übernahm die Bielefelder im Herbst 2011, ein halbes Jahr nach der Rettungsaktion. Er stabilisierte die Mannschaft und führte sie in der Folgesaison zum Aufstieg.

Mission Impossible in Erfurt

In Cottbus hat Krämer nur vergleichsweise kurz gearbeitet. Dort verpasste er das Ziel Wiederaufstieg 2015 und wurde in der Folgesaison früh entlassen. Trotzdem ist er dort positiv in Erinnerung geblieben. So berichtet Frank Noack, der für die Lausitzer Rundschau über Energie Cottbus berichtet: "Menschlich ein sehr feiner Typ, er genoss großes Ansehen aufgrund seiner Art, obwohl es sportlich am Ende nicht mehr lief. Fußballerisch hat er schon damals konsequent auf Balleroberung und schnelles Umschaltspiel gesetzt, obwohl eigentlich noch Ballbesitzfußball und Zirkulieren lassen angesagt war."

Auch sein Engagement bei Rot-Weiß Erfurt wird von Beobachtern sehr positiv bewertet. Dort übernahm Krämer im Januar 2016 das Traineramt. In der Folgezeit war er trotz enormer finanzieller Probleme und internen Querelen erfolgreich und schaffte zwei Mal den Klassenerhalt. Kein leichtes Unterfangen. Fedor Freytag glaubt: "17/18 war dann fast eine Mission Impossible. Trotzdem: Wenn einer mit dieser Mannschaft die Klasse hätte halten können, dann Krämer. Aussichtslos wurde es erst, nachdem er weg war."

Als Krämer im Oktober 2017 entlassen wurde, flog der Verein auseinander. Zunächst endete die Amtszeit des langjährigen Präsidenten Rolf Rombach, anschließend ging Rot-Weiß Erfurt in die Insolvenz.

Konflikte in Uerdingen

Krämers nächste Station war der KFC Uerdingen. Was von dort berichtet wird, dürfte den FCM-Fans besonders Mut machen. Als Krämer kam, lag der Verein auf Platz zwei in der Regionalliga West. Mit einer sensationellen Siegesserie gelang unter Krämer der Aufstieg in die 3. Liga. Interessanter ist aber weniger das Ergebnis, als das Zustandekommen. FuPa Krefeld beschreibt den Unterschied zu Krämers Vorgänger Michael Wiesinger so: Es war ein Wechsel "vom vorsichtigen, taktierenden Defensivprotagonisten Wiesinger hin zum entfesselnden Offensivstrategen Krämer, der am liebsten den Gegner schon an dessen Strafraum attackiert."

Auch in der 3. Liga wollte Krämer mit jungen, schnellen Außenspielern attackieren lassen. KFC-Präsident Ponomarev setzte dagegen eher auf erfahrene Spieler und Ballbesitzfußball. Obwohl diese Philosophien kaum miteinander vereinbar sind, stand der KFC als Aufsteiger im Winter 2018 auf Platz vier der Tabelle. Anschließend kam es zum Zerwürfnis, Krämer musste gehen und der KFC versank im Chaos.

Offensive Spielphilosophie

Mit dem 1. FC Magdeburg übernimmt Krämer nun erstmals seit längerem einen Verein, der kontinuierlich und stabil geführt wird. Statt aufs Löcher stopfen und Brände löschen, kann sich Krämer darauf konzentrieren, seine Spieler besser zu machen. Seine offensive Spielphilosophie passt genau zu dem, was Mario Kallnik fordert: "Einerseits setzen wir wie bisher auf extremes Gegenpressing. Aber wenn wir den Ball haben, brauchen wir auch spielerische Lösungen." Eine Vorgabe, die Krämer sehr gut umsetzen kann, wenn man auf seine bisherigen Stationen schaut.

Nach dem Abstieg aus der 2. Bundesliga sprach Kallnik vom "Ende einer Ära". Natürlich kann noch niemand abschätzen, ob Stefan Krämer den 1. FC Magdeburg wirklich zurück in Liga 2 führen kann. Den Grundstein für eine neue Ära kann er aber allemal legen. Als Trainer. Und vor allem als Mensch.  

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/mh

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 21. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Mai 2019, 15:26 Uhr

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11 Kommentare

23.05.2019 17:59 Rena 46 11

Man sollte doch dem neuen Trainer erst einmal eine Chance geben und nicht erst einmal anti reagieren. Leider ist da Budget in der zweiten und dritten Liga nicht
So hoch, daß man sich einen Klopp oder Gardiola leisten kann.
Vielleicht hat ein Herr Hoeness ein paar Mio übrig und kann uns aushelfen. Klar ist doch eines, das
Spieler die in einer höheren Klasse gespielt haben nicht weiter unten spielen wollen.
Also immer mal den Ball flach halten, die Leute die Ahnung haben, machen lassen.
Gemeckert werden kann immer noch.

22.05.2019 18:18 Blau 10

Ich kann mir nur 3 anschließen
Alles gut und viel Erfolg beim 1FCM

22.05.2019 14:10 ottersleber 9

@Mandy.....Mensch du schreibst ja ein Mist ! Du hast ja nun gar keine Ahnung ! Welchen Trainer hätten sie den holen sollen ?!?!? Mach mal einen schlauen Vorschlag ??? und ... ?? Erst Kopf ein schalten .... Uerdingen wäre mit Stefan sogar aufgestiegen ...in Bielefeld lieben sie Ihn ... selbst in Erfurt hat er eine gute Arbeit gemacht, wo es um den fc Rot Weiss und schon richtig schlecht aussah !! So ein dummes gequatsche hier ! ganz schlimm

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