Kommentar Wollitz weg: Das muss für den FCM der Klassenerhalt sein!

Daniel George
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Die Entlassung von Claus-Dieter Wollitz war die einzig richtige Entscheidung im Abstiegskampf – und seine Einstellung einer der größten Fehler der jüngeren FCM-Geschichte. Nun sind die Spieler gefragt: dem Klub ehrlich verbunden oder lustlose Söldner?

Trainer Claus Dieter Pele Wollitz
Zehn Punkte aus elf Spielen – unter Claus-Dieter Wollitz hatte der FCM die Bilanz eines Absteigers. Bildrechte: imago images/Christian Schroedter

Vielleicht, ja vielleicht wäre Claus-Dieter Wollitz noch zu retten gewesen. Die Vereinsführung des 1. FC Magdeburg sprach am Tag seiner Entlassung jedenfalls auch mit dem Mannschaftsrat. Und hätte sich dieser vehement für einen Verbleib des Trainers ausgesprochen, wäre womöglich zumindest ein Ultimatum für Wollitz drin gewesen.

Doch so kam es nicht. Der Drittligist gab am Mittwochabend die Trennung von Cheftrainer Wollitz bekannt. Dem 54-Jährigen gelang es nicht, das Team auf seine Seite zu ziehen. Mit seiner strengen Art sollte er eine Hierarchie in der Mannschaft aufbauen, ein intaktes Teamgefüge entwickeln. Daran scheiterte Wollitz kläglich.

Ihn zu entlassen, war die einzig richtige Entscheidung in einer immer bedrohlicher anmutenden Situation – doch ihn überhaupt erst einzustellen, eine der größten Fehlentscheidungen der vergangenen Jahre beim 1. FC Magdeburg.

Claus-Dieter Wollitz war ein Alibi

Das behauptet sich alles so leicht, wenn es erstmal schief gegangen ist. Nur zur Wahrheit gehört eben auch: Die kritischen Stimmen schallten bereits bei seiner Verpflichtung in der Winterpause laut durch den FCM-Kosmos.

Sein Vorgänger Stefan Krämer war beliebt, bei den Spielern und bei den Fans. Wollitz war das Gegenteil, bei den Spielern und bei den Fans. Zur Fairness sei gesagt: Die Aufgabe war unfassbar undankbar für ihn. Am Ende bleibt jedoch der Fakt: Er sollte den Klub nach oben führen und geleitete ihn stattdessen nach unten.

So weit nach unten, dass der FCM nur noch einen Zähler vom ersten Abstiegsplatz entfernt steht. Zehn Punkte aus elf Spielen, das war zu wenig für Claus-Dieter Wollitz. Deshalb hat Thomas Hoßmang die Mannschaft übernommen. Er kennt den Klub, er hat Erfahrung. Aber: Im Grunde spielt das kaum eine Rolle.

Gefragt sind jetzt die Spieler. Claus-Dieter Wollitz war ihr Alibi. Stefan Krämer war ihr Trainer. Auch nach seiner Entlassung. Jeder Punktverlust unter Wollitz war ein kleines bisschen auch eine Hommage an ihn.

Thomas Hoßmang und Mario Kallnik
Thomas Hoßmang (r.), hier neben FCM-Manager Mario Kallnik, war bislang der Chef im Nachwuchs des FCM. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Lustlose Söldner aussortieren – so es sie gibt

Nun sind beide weg. Das liegt an den Auftritten der Profis. Sie haben zwei Fußballlehrer und deren Jobs auf dem Gewissen. Doch jetzt geht es einzig und allein um den 1. FC Magdeburg. Und wenn die Mannschaft, einzelne Spieler tatsächlich Charakter und Ehre besitzen, muss das den Klassenerhalt bedeuten. Denn die sportliche Qualität steckt im Kader – zumindest für den Ligaverbleib.

Klar: Unzählige Transfers sind gefloppt, zuletzt blieben die Winterzugänge hinter den Erwartungen zurück. Keine der drei Trainerverpflichtungen seit der Entlassung von Jens Härtel im Herbst 2018 saß. Deshalb muss wohl auch Maik Franz gehen. Mario Kallnik wird sich ebenso unangenehme Fragen gefallen lassen müssen. Der Sommer muss ein Sommer des Umbruchs werden.

In den verbleibenden sieben Begegnungen zählt jedoch zunächst nur der Klassenerhalt. Die nächsten Partien gegen Köln und Halle werden wegweisend. Und Thomas Hoßmang hat im Grunde nur eine Aufgabe: Diejenigen aufstellen, die dem FCM ehrlich verbunden sind oder zumindest für ihre eigene Zukunft an Grenzen gehen – und lustlose Söldner aussortieren, so es sie denn gibt.

Das Restprogramm des FCM

13. Juni – Viktoria Köln (H)

16. Juni – Hallescher FC (A)

20. Juni – FC Bayern München II (H)

23. Juni – SpVgg Unterhaching (A)

27. Juni – SG Sonnenhof Großaspach (H)

30. Juni – FC Ingolstadt (A)

04. Juli – Preußen Münster (H)

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Juni 2020 | 19:00 Uhr

20 Kommentare

FCMfox vor 2 Wochen

Hallo, was ist mit dem Gedächtnis los
Jens Haertel hat die Mannschaft erfolgreich in die 2. Bundesliga geführt, aber das war es dann leider. Was folgte war einfach schlechter fußball
Er war der aufgabe weder bei der Zusammenstellung der Mannschaft noch bei den Spielen gewachsen.
Ich freue mich aber für ihn dass er an der Küste wieder zum Erfolg gefunden hat

Mike.... vor 2 Wochen

Ob es noch reicht? Ich war von Anfang an dagegen. Guter Trainer der motivieren kann. Aber spielerisch hatte er schon vorher nichts zeigen lassen. Die clubspieler durch Wollitz Beine machen lassen, ok, aber mehr war auch nicht zu erwarten. Eigentlich war oenning der einzigsten der die Mannschaft weiter gebracht hat. Er hat den Spielern das Passspiel neu beigebracht. Das hat keiner weiter gemacht entsprechend schlecht sind einfachste Pässe geworden. Und Franz, sein Netzwerk ist Schrott, schon im Vorfeld viel zu hoch gelobt. Gekommen ist weniger als nichts. Der beste Transfer wurde durch Zufall entdeckt.

hettstedt vor 2 Wochen

Schade, dass nicht jeder Kommentar veröffentlicht wird, trotz keinerlei Beleidigungen.
Wenn ich dem Autor eine gewisse Nähe zum Verein ( gerade als gebürtiger Magdeburger ) unterstelle, ist dies doch sehr einfach von Seiten des mdr zu entkräften, wenn dem nicht so ist.
Zensur ist jedenfalls die falsche Umgehensweise.

Nochmal zum Thema: Wollitz ist weg, dies war zu erwarten. Ist er doch nie wirklich mit md warmgeworden...
Ich wünsche mir, dass beide Vereine aus S-A drinbleiben.
Chemnitz kann dafür runter.
Und tschüss

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