Derbyverzicht der HFC-Fans Ein erster Schritt

Dass die HFC-Fans auf das Derby in Magdeburg verzichten, ist ein Stück weit Selbstschutz, aber vor allem ein wichtiges Zeichen. Doch das kann nur der Anfang einer Entwicklung zu einem besseren Verhältnis beider Fanlager sein. Eine Einschätzung von MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter Oliver Leiste.

von Oliver Leiste

Dass das Derby zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC kein "normales" werden würde, war klar. Zu belastet war das Verhältnis nach dem Tod von FCM-Fan Hannes, an dem auch HFC-Anhänger beteiligt waren. Nun zog die "Saalefront", die führende Ultragruppe im HFC-Fanblock, die Konsequenzen und verzichtet auf einen Besuch des Derbys in Magdeburg. Gut 30 weitere HFC-Fanklubs schließen sich dieser Entscheidung an. Der Gästeblock wird also weitgehend leer bleiben. Das ist auf den ersten Blick vor allem eines: Schade.

Schade für die HFC-Spieler, die seit Wochen gut bis überragend spielen und die auch im Derby die gewohnte Unterstützung ihrer Fans verdient hätten. Schade auch, weil beide Fanszenen gemeinsam ein viel stärkeres Zeichen hätten setzen können, in dem sie demonstrieren, dass ein fairer Umgang miteinander trotz aller Rivalität möglich ist. So wirkt es ein wenig wie Selbstschutz, um sich nicht den Racheaktionen einzelner FCM-Fans auszuliefern. Vor dem Hintergrund, dass es auch in der Vergangenheit mehrfach zu Übergriffen kam, sicher keine unberechtigte Sorge.

Worte statt Gewalt

Dennoch ist es ein starkes Signal, dass von diesem Verzicht ausgeht. Die "Saalefront" schreibt auf ihrer Homepage: "Der Tod von Hannes überschattet alles bisher Dagewesene. Er stellt den traurigen Höhepunkt einer immer härter geführten Auseinandersetzung beider Fanszenen dar." Das Fernbleiben ist der bewusste Versuch, eine weitere Eskalation zu verhindern. Dieses Bewusstsein zeigt sich in einem weiteren Zitat der Stellungnahme.

Trotz aller Bedeutung dieses Derbys gibt es wichtigere Dinge im Leben, als ein Fußballspiel. Wir können nicht einfach so tun, als wäre nichts geschehen. Ein Mensch ist gestorben. An ein 'normales' Derby ist an diesem Tag absolut nicht zu denken!

Saalefront Stellungnahme

Laut Mitteldeutscher Zeitung sollen sich Vertreter beider Fanszenen getroffen und auf diesen Schritt geeiningt haben. Dort liegt der Schlüssel für die Zukunft: Worte statt Gewalt. Das kann auch weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit passieren, wichtig ist das Ergebnis. Beide Fanlager müssen sich zurücknehmen und gesunde Grenzen der Rivalität festlegen. Das ist die erste, schwere Aufgabe. Die zweite ist noch bedeutend schwieriger. Denn dabei müssen auch Sympathisanten, die nur entfernt mit den Kern-Ultragruppen zu tun haben, überzeugt werden, sich an bestimmte Spielregeln zu halten. Damit wir künftig nicht mehr über Angriffe und Verletzte reden. Und damit das Derby eines Tages wieder ein "normales" wird.

Vor dem Stadionszaun stehen Kerzen und Blumen
Noch immer wird am Magdeburger Stadion mit Blumen und Kerzen an Hannes erinnert. Bildrechte: MDR/Heike Bade

Zuletzt aktualisiert: 25. März 2019, 10:33 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

Mehr Sport aus Sachsen-Anhalt