Fußball-Fankultur Warum wir über die Legalisierung von Pyrotechnik reden müssen

Deutschlands Innenminister wollen in Magdeburg über härtere Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik diskutieren. Doch unser Autor meint: Im Vordergrund sollte eine ganz andere Frage stehen. Ein Kommentar.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Pyrotechnik
Für Ultras gehört Pyrotechnik zu ihrer Kultur. (Symbolbild) Bildrechte: imago/Jan Hübner

Härtere Strafen für das Abbrennen von Pyrotechnik in Fußballstadien – dafür will sich Holger Stahlknecht auf der Innenministerkonferenz in Magdeburg einsetzen. Es handele sich dabei um kein Kavaliersdelikt und habe nichts mit einem Kulturverständnis zu tun, sagt Sachsen-Anhalts Innenminister – und liegt damit falsch.

Pyrotechnik gehört sehr wohl zur Ultrakultur und sollte auch weiterhin Bestandteil eines Fußballspieltages sein dürfen. Stahlknecht selbst zeigte sich am Tag des Zweitliga-Aufstiegs im April dieses Jahres vollauf begeistert von der Atmosphäre beim 1. FC Magdeburg. Die sei "Bundesliga", "super" und "irre". Wer dafür hauptverantwortlich ist? Die aktive Fanszene, für die Pyrotechnik zu ihrem Fan-Sein gehört.

Härtere Strafen für verantwortungsloses Zündeln im Stadion? Sehr gerne! Nur sollte eine andere Frage zuerst beantwortet werden. Nämlich: Wie kann Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien legalisiert und verantwortungsbewusst eingesetzt werden?

Vorschlag aus Hessen: bis zu einem Jahr Haft

Die Debatte über Feuerwerk auf den Rängen zeichnete sich in den vergangenen Jahren vor allem durch Scheinheiligkeit aus. Spieler, Trainer, selbst Verantwortliche sprechen unter der Hand immer wieder voller Begeisterung von den Choreografien ihrer Ultras, zu denen oft Pyrotechnik gehört. "Aber das kannst du öffentlich ja so nicht sagen", heißt es dann. Warum denn nicht? So würde wenigstens eine lösungsorientierte Diskussion angestoßen. Oder zumindest gäbe es die Chance darauf.

Natürlich: Wer unerlaubt Pyrotechnik abbrennt und dabei Unbeteiligte gefährdet, sollte hart bestraft werden. Ja, auch härter als bisher. Ein Vorschlag aus Hessen: Wer Pyrotechnik in oder gegen Menschenmengen einsetzt, soll künftig mit bis zu einem Jahr Haft bestraft werden können. Das will Holger Stahlknecht auf der Innenministerkonferenz unterstützten. Und das ist auch gut so. Nur: Wollen wir den Ultras wirklich einen der größten Bestandteile ihrer Fankultur nehmen? Und werden sie nicht dennoch immer neue Wege finden, um Pyrotechnik ins Stadion zu schmuggeln und möglichen Sanktionen aus dem Weg zu gehen?

Soll Pyrotechnik in deutschen Fußballstadien legalisiert werden?

59% 899 Stimmen   Ja, das gehört dazu!
24% 364 Stimmen   Auf keinen Fall, viel zu gefährlich!
17% 267 Stimmen   Nur unter strengsten Regeln!

Stand: 02.12.2018 18:54:52 Uhr 1530 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank, Deine/Ihre Stimme ging in die Wertung ein. Die Abstimmung ist beendet.

Auch Ultras haben Gefühle

Härtere Strafen sollen für Abschreckung sorgen, aber könnten für sich genommen am Ende nur Eskalation erreichen. Die Ultras organisieren sich immer besser. Weil Pyrotechnik verboten ist, handeln sie auch immer organisierter kriminell. Sie zündeln heimlich, im Sichtschutz von Menschen und Transparenten, eben weil es verboten ist – und dadurch wird es richtig gefährlich. Doch sie wollen und werden auf ihre Pyrotechnik nicht verzichten. Mit bengalischen Feuern drücken sie Gefühle aus. Sie sammeln mancherorts, so auch in Magdeburg, sogar Spenden untereinander, um zum einen ihre Choreografien zu finanzieren und um zum anderen einen Teil auch dem Verein zukommen zu lassen. Der muss für das Zündeln seiner Anhänger schließlich Strafen zahlen.

Also, liebe Politiker: Redet bitte auch darüber, wie Pyrotechnik in Deutschland legalisiert werden kann. So wie es in Norwegen zum Beispiel seit Jahren der Fall ist. Eigens eingerichtete Bereiche für Pyrotechnik, registrierte Fan-Verantwortliche für das Zündeln im Stadion, neue, ungefährlichere Formen von Pyrotechnik und noch drastischere Strafen beim Verstoß gegen Richtlinien – Diskussionsansätze gibt es also genug.

2011 ließ der Deutsche Fußball-Bund (DFB) die Gespräche mit Fans über eine mögliche Legalisierung bestimmter Arten von Pyrotechnik platzen. Bis heute ist das ein Grund für das zerrüttete Verhältnis zwischen den Anhängern und dem Verband. Doch die Gespräche sollten wieder aufgenommen werden – von Ultras, den Vereinen, den Verbänden und der Politik. Denn wir müssen wieder über die Legalisierung von Pyrotechnik reden. Und nicht nur über härtere Strafen.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine wunderschöne Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Mehr zum Thema

Magdeburger Fanchoreografie: 'Sobald du nach uns rufst - wir stehen bereit'
Der "Block U" eröffnete das Ost-Duell mit einer großen Choreografie. Bildrechte: IMAGO/Contrast
Teams kommen auf den Platz Pyrotechnik im Fanblock vom 1. FC Magdeburg im Hintergrund.
Beim bislang letzten Duell 2016 wurde Pyrotechnik auf beiden Seiten gezündet. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 28. November 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. November 2018, 19:48 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

36 Kommentare

30.11.2018 11:43 Reini 36

Hallo,ihr Herrn Innenminister bald ist wieder Sylvester und es wird wieder gezündet und geknallt.
Es gibt wieder zahlreiche Verletzte und Schwerverletzt.
Also sofort verbieten, und die, die es nicht lassen, sofort ein Jahr Freiheitsstrafe.
Solche Politiker brauch kein Mensch.

30.11.2018 11:18 Miri 35

@31)

Eine Frage an Ihnen.....Weshalb gerade wieder der FCM!!!!

Diese Diskussion betrifft nicht nur den 1.FCM, da auch in den anderen Stadion (Bundesweit) gezündelt wird...
Schon mal was davon gehört,bestimmt nicht woher auch, man könnte direkt annehmen das nur in Magdeburg Fussball gespielt wird....

Wenn Ihnen schlecht wird, dann bleiben Sie doch einfach mit dem A.....zu Hause, schon wäre dieses Problem gelöst....

30.11.2018 10:41 Nur der FCM 34

Matze mit der Nummer 31....bist bestimmt einer der ersten der das Handy zuckt wenn es leuchtet im weiten Rund! Und finde dich mit ab das das HKS nicht an der A14 steht sondern da wo es hin gehört!