Kommentator Die Stimme des eSports: Wie Marius Lauer aus Magdeburg mit Emotionen begeistert

Marius Lauer zählt zu den gefragtesten eSport-Kommentatoren ganz Deutschlands. Sein großes Vorbild: Frank Buschmann. Sein großes Ziel: Magdeburg zur eSport-Stadt entwickeln. Eine Geschichte über Visionen.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Marius Lauer eSport-Kommentator aus Magdeburg
Marius Lauer in alter "Computerspiel-Optik": Der 35-Jährige arbeitet als eSport-Kommentator. Bildrechte: MDR/Daniel George/Max Schörm

Als Marius Lauer zum Fototermin mit MDR SACHSEN-ANHALT auf der Hubbrücke steht, sein Blick Richtung Dom geht, werden aus den Visionen im Kopf eindringliche Worte: "Ich will Magdeburg als eSport-Standort in Deutschland etablieren. Wir sind eine Olympia-Stadt mit unzähligen Olympioniken. Das können wir auch mit eSport schaffen", sagt der 35-Jährige. Und: "Ich will die GETEC-Arena irgendwann mit eSport-Begeisterten füllen. Weil ich einfach weiß, dass das möglich ist."

Und was möglich ist, will Marius Lauer möglich machen. Denn er hat das selbst schon geschafft. Er hat seine große Leidenschaft zum Beruf gemacht: Als Kommentator und Moderator gehört Lauer zu den bekanntesten Gesichtern der deutschen eSport-Szene – und verdient damit seinen Lebensunterhalt.

"Meine Mutter ist meine Buchhalterin"

Vor mehr als zehn Jahren kommentierte Marius Lauer erstmals eSport. "Purer Zufall", sagt er. Ein guter Videospieler war er bereits. Dann fragte ihn ein Kumpel, ob er nicht auch einmal kommentieren wolle. Lauer sagte spontan zu – und begeisterte mit seinem Kommentar. "Der ging viral", erinnert er sich. Seine Stimme verbreitete sich in der eSport-Szene, und bald auch sein Gesicht: "Du musst zur Marke werden. Das ist mir in den vergangenen Jahren gelungen", sagt der Mann mit dem markanten Bart.

Zur Person

Marius Lauer wurde am 11. November 1984 in Berlin geboren. Seine Eltern zogen später mit ihm nach Stralsund und Elmenhorst. Seine Ausbildung zum IT-Assistenten im Bereich Netzwerktechnik absolvierte Lauer dann im hessischen Alsfeld. Wieder zurück in Stralsund folgte ein Studium der Wirtschaftsinformatik. 2013 zog es ihn berufsbedingt nach Magdeburg, wo er seitdem lebt.

Seit zwei Jahren arbeitet der 35-Jährige nun bereits hauptberuflich als eSport-Kommentator. Er hat ein eigenes, kleines Aufnahmestudio, vier Vollzeit-Mitarbeiter, darunter seine Mutter als Buchhalterin. Seit Anfang dieses Jahres moderiert Lauer ein eSport-Magazin bei Sport1. Er berät Unternehmen oder moderiert Live-Events. "Ich liebe diesen Job", sagt er.

Die Halle der Esports Berlin ist bunt ausgeleuchtet. 1 min
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"Ich muss Emotionen transportieren"

Sein Markenzeichen abseits der Stimme, des Äußeren und seines Fachwissens: die Emotionalität. Auf dem Bildschirm passiert innerhalb weniger Sekunden so viel, dass sich auch Lauers Stimme oft überschlägt. Er wird laut. Das wirkt authentisch. So ist er ganz nah dran an dem, was im Spiel geschieht. "Ich muss ehrlich sein. Das heißt, ich muss aufzeigen, wenn im Spiel meiner Meinung nach ein Fehler gemacht wurde", sagt er. Und: "Ich darf mich nicht bremsen, wenn mich etwas mitnimmt, sondern muss diese Emotionen dann auch transportieren."

Das große Vorbild von Marius Lauer heißt Frank Buschmann, einer der bekanntesten und polarisierendsten Sportkommentatoren Deutschlands – gerade wegen seiner Emotionalität. Buschmann kommentiert Basketball, Fußball, aber auch Unterhaltungsformate wie "Ninja Warrior". Außerdem ist er seit Jahren die Kommentatorenstimme bei der Fußball-Simulation "FIFA". Einmal mit Buschmann zusammen zu kommentieren, auf welchem Terrain auch immer – "das wäre ein Traum", verrät Marius Lauer.

Frank Buschmann kommentiert das Spiel. 1 min
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"Mit diesem Vorurteil müssen wir aufräumen"

Marius Lauer sagt, er könnte alles kommentieren — auch Gesellschaftsspiele wie Jenga. Sein Spezialgebiet aber ist ein Videospiel namens "Rainbow Six", in dem er auch schon die Weltmeisterschaft kommentiert hat. Dabei handelt es sich um einen taktischen Ego-Shooter, bei dem es im Grunde darum geht, die Gegner auszuschalten. Natürlich, Lauer verfolgt die andauernde Debatte um sogenannte Killerspiele und wie gefährlich sie wirklich sind. Schließlich hat die Debatte für ihn und die eSport-Szene schlicht auch wirtschaftliche Auswirkungen, wenn Unternehmen überlegen, ob sie in eSport investieren oder nicht.

"Dann heißt es oft, damit haben wir ethische Probleme", erzählt Lauer, "aber mit diesem Vorurteil müssen wir mal aufräumen." Gewisse Bedenken, Unsicherheiten könne er verstehen, doch: "Die Leute sponsern lieber Boxevents mit viel Geld, damit ein Logo irgendwo zu sehen ist und die Massen jubeln, wenn einer blutend und zuckend auf den Boden fällt. Das ist okay, aber mit Ego-Shootern haben sie ein Problem. Das ist doch Blödsinn." Er wünscht sich einen differenzierten Umgang mit dem Thema.

Der Kommentator Marius Lauer mit Mikrofon.
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Nach Berlin, Frankfurt oder München zu ziehen, würde keinen Sinn ergeben – außer den Bonzen-Faktor. Und den brauche ich nicht. Ich will Magdeburg als eSport-Standort etablieren.

eSport-Kommentator Marius Lauer

Ist eSport nun Sport oder nicht? Diese Debatte will Lauer gar nicht aufmachen. Auch wenn er selbstredend davon überzeugt ist, dass eSport als Sport anerkannt werden sollte. Er sieht keine Konkurrenz zwischen eSport und Sport. Er hat früher in Berlin im Nachwuchs in der Handballbundesliga auf dem Parkett gestanden, macht selbst Kraftsport, spielt Golf. "Auch diese Sportarten faszinieren mich", sagt er, "aber eSport liegt mir besonders am Herzen."

#MDRklärt Darum hat Magdeburg das Zeug zur eSport-Hauptstadt

Die neue Hauptstadt der eSportler in Deutschland könnte in Sachsen-Anhalt liegen. Magdeburg hat zumindest das Potential – denn in der Landeshauptstadt treffen Profis, Amateure und Politiker aufeinander.

Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
Bildrechte: imago/Bildbyran
Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
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Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
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Im März fand im polnischen Kattowitz die elfte Saison der (Intel Extreme Masters) E-Sport Turniere statt.
Bildrechte: Electronic Sports League/Helena Kristiansson
Im März fand im polnischen Kattowitz die elfte Saison der (Intel Extreme Masters) E-Sport Turniere statt.
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Im März fand im polnischen Kattowitz die elfte Saison der (Intel Extreme Masters) E-Sport Turniere statt.
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"Warum soll ich aus Magdeburg weg?"

Italien, Kanada, Österreich, Schweiz, Polen – überall dort hat Marius Lauer bereits kommentiert, auf Deutsch oder Englisch. Auch in Deutschland ist er viel unterwegs, fährt für seine Sport1-Produktionen unter anderem oft nach München. Doch Magdeburg bleibt seine Heimat. Hier hat er bereits eSport-Veranstaltungen organisiert. Hier ist der mitgliederstärkste eSport-Verein Deutschlands, Magdeburg eSports mit 240 Mitgliedern, zuhause.

"Warum soll ich hier weg?", fragt der gebürtige Berliner, den es 2013 berufsbedingt in Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt zog (siehe: "Zur Person"). Die zentrale Lage Magdeburgs sei ideal. "Nach Berlin, Frankfurt oder München zu ziehen, würde keinen Sinn ergeben – außer den Bonzen-Faktor. Und den brauche ich nicht."

Marius Lauer, eSport-Kommentator aus Magdeburg 1 min
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MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir Di 26.11.2019 11:00Uhr 00:45 min

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Stattdessen will Marius Lauer Magdeburg zu einem der bekanntesten eSport-Standorte Deutschlands entwickeln. "Wir werden oft nur belächelt, aber wir können die großen Konzerne nach Magdeburg holen, wir können hier wirklich wirtschaftlich etwas für die Stadt und für Sachsen-Anhalt tun", sagt Lauer. "Wir könnten Magdeburg deutschlandweit mal ganz oben auf eine Liste setzen. Dafür müssen wir nur modern denken – alle zusammen."

Das Potenzial dafür ist vorhanden, davon ist der 35-Jährige überzeugt. Und nicht nur er: Mit der ESL Meisterschaft gastiert am 14. und 15. Dezember die nationale Königsklasse in Magdeburg. Die Messehalle wird zum Schauplatz für die besten eSport-Profis Deutschlands. Die Organisatoren rechnen mit bis zu 3.000 Besuchern. "Dass die ESL das hier in Magdeburg macht, ist sensationell", sagt Marius Lauer. "Das ist ganz wichtig." Und ein weiterer Schritt, damit aus seiner großen Vision irgendwann Realität wird.

Was ist die ESL Meisterschaft?

Die Electronic Sports League fungiert als Veranstalter verschiedener nationaler sowie internationaler eSport-Turniere und -Ligen in über 50 Spielen. Bei der ESL Meisterschaft handelt es sich um die höchste Klasse im deutschsprachigen Raum. Es gibt sie bereits seit 17 Jahren. Die Finalspiele der Wintermeisterschaft in den Videospielen Counter-Strike: Global Offensive und League of Legends werden am 14. und 15. Dezember in Magdeburg ausgetragen und an hunderttausende Fans im Internet ausgestrahlt. Die Teams werden vor Ort um ein Preisgeld von insgesamt mehr als 67.000 Euro spielen.

Blick in die Veranstaltungshalle mit Fans
So frenetisch wie hier in diesem Jahr in New York geht es bei ESL-Veranstaltungen mitunter zu. Bildrechte: imago images / Chris Emil Janßen
Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Dezember 2019 | 08:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 06. Dezember 2019, 04:35 Uhr

1 Kommentar

Altlehrer vor 2 Wochen

Naja, man darf simuliertes Töten von real dargestellten virtuellen Menschen moralisch anzweifeln. Und weder beim Profiboxen noch beim ebenfalls zweifelhaften MMA ist das Töten Zielfunktion. Und erst recht nicht bei FIFA x, da ist nur die technische Basis (fast) identisch. Dagegen sind LoL oder CS:GO oder PUBG eben Tötungssimulationen; und zwar nicht von virtuellen Fabelwesen sondern von Menschendarstellungen. Ich würde mir hier einfach mal eine fundierte Wertediskussion wünschen anstelle der schlichten Gleichsetzung mit realem Sport wie Fussball, Handball oder Boxen. Und zu einer Förderfähigkeit aus öffentlichen Mitteln hätte ich auch noch ein paar weitergehenden Fragen. Und ja, ich hab das alles schon ausprobiert und lehne auch Fortnite als allseits verfügbare "Einstiegsdroge" ab, obwohl man hier auch "tötungsfrei" agieren kann.

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