Erstklassig – die Kolumne über den Syntainics MBC Von Träumen und der Realität beim MBC

Sportredakteur Daniel George begleitet die Bundesliga-Saison des Mitteldeutschen Basketball Clubs für MDR SACHSEN-ANHALT. Seine Meinung: In Weißenfels haben sie im Sommer bislang vieles richtig gemacht – doch übertriebene Erwartungen wären fehl am Platz.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Kolumnist Daniel George neben dem Logo des MItteldeutschen BC
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Mehr Geld akquiriert, Publikumslieblinge gehalten, neue Hoffnungsträger verpflichtet – beim Mitteldeutschen Basketball Club (MBC) herrscht zurzeit große Euphorie. Zwei Wochen bleiben noch bis zum Saisonstart. Die Testspiele schürten Hoffnung. Mancher Anhänger und Sponsor träumt schon von neuen Sphären: den schillernden Play-offs anstatt des schnöden Abstiegskampfs.

Und Träumen ist erlaubt, sogar erwünscht. Neue Ziele bedeuten Fortschritt. Doch: Den Sinn für die Realität sollte niemand aus dem Umfeld des Bundesligisten aus Weißenfels verlieren.

Immer noch der kleinste Etat

Denn manchmal trügt der Schein. Durch den Verkauf seiner Namensrechte hat der Syntainics MBC seinen Etat 2019/2020 zwar auf drei Millionen Euro erhöhen können. Das bedeutet einen gewaltigen Sprung um 800.000 Euro. Doch erfüllt der Klub damit gerade so die Mindestanforderung der Basketball-Bundesliga (BBL). Und auch in der neuen Spielzeit wird Weißenfels damit neben zwei, drei anderen Teams wohl das kleinste Budget der Liga zur Verfügung haben.

Aufsteiger Hamburg beispielsweise wäre naturgemäß ein Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt. Doch die Towers aus der Elbestadt wollen hoch hinaus. Sie spielen in einer großen Stadt mit großer Wirtschaftskraft, wo sich ein Etat perspektivisch doch leichter erhöhen lässt als im beschaulichen Weißenfels.

Martin Geissler 4 min
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Mi 21.08.2019 10:38Uhr 04:14 min

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Noch gibt es Fragezeichen

Nun haben sie beim Syntainics MBC im Sommer auf den ersten Blick vieles richtig gemacht: Fünf Profis aus dem letztjährigen Aufgebot wurden gehalten – darunter mit Sergio Kerusch und Andrew Warren zwei absolute Publikumslieblinge. Das sorgt für Kontinuität. Das schafft Identifikation.

Kerusch und Co. werden den Neuen im Team die Eingewöhnung erleichtern. Die Zugänge erscheinen allesamt vielversprechend. Doch mit Cameron Jackson fiel der gesetzte Center bislang beinahe die komplette Vorbereitung mit Rückenproblemen aus. Wie sehr wird er dem Syntainics MBC tatsächlich helfen können?

Andrew Warren (MBC)
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Was trauen Sie dem MBC in der neuen Saison zu?

6% 4 Stimmen   Die Play-offs!
68% 42 Stimmen   Den sicheren Klassenerhalt!
26% 16 Stimmen   Abstieg!

Stand: 17.09.2019 15:35:28 Uhr 62 Stimmen Die Abstimmungsergebnisse sind nicht repräsentativ.

Vielen Dank, Deine/Ihre Stimme ging in die Wertung ein. Die Abstimmung ist beendet.

Andrew Warren (MBC)
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Aufbauspieler Kaza Kajami-Keane wird erst in dieser Woche in Weißenfels erwartet, spielte in den vergangenen Wochen mit Kanada bei der WM in China. Ihm fehlt noch komplett die Bindung zum Team. Wie schnell wird er diese finden? Noch gibt es Fragezeichen.

Auch der Trainer ist neu: Wojciech Kaminski passt mit seiner bodenständigen Art anscheinend perfekt nach Weißenfels. Der Pole ist ein harter, akribischer Arbeiter. Doch die Bundesliga kennt Kaminski kaum. Er hat noch nie außerhalb seines Heimatlandes gearbeitet. Das wird auch für ihn eine große Herausforderung.

Ein Gespräch mit Silvano Poropat

Bayreuth Silvano Poropat - Trainer Mitteldeutscher BC Copyright: Foerster/Eibner-Pressefoto EP_MFR
Ex-MBC-Trainer Silvano Poropat Bildrechte: imago/Eibner

Ja: Wenn alles ordentlich läuft, dann wird sich der Syntainics MBC den Klassenerhalt frühzeitig sichern. Zumal in der neuen Saison nur eine Mannschaft absteigen muss. Und wenn alles perfekt läuft, dann werden vielleicht sogar tatsächlich die Play-offs drin sein. Nur: Dafür muss wirklich alles funktionieren.

Ich erinnere mich gerne an ein Gespräch mit Silvano Poropat am Ende der vergangenen Saison. Zu diesem Zeitpunkt stand noch nicht fest, ob der Erfolgscoach beim Syntainics MBC weitermacht. Schlussendlich entschied er sich gegen eine Rückkehr nach Weißenfels. Doch schon damals sagte er: "Es geht immer um die Erwartungshaltung. Beim MBC darf niemand erwarten, dass ein Spiel gewonnen werden muss. Es gibt keinen leichten Gegner für den MBC in dieser Liga. Was man aber erwarten muss: Dass sich die Spieler für den Verein zerreißen und alles geben – und dafür brauchen sie das Publikum. Da muss eine Symbiose entstehen."

Die Grundlage dafür: ein gemeinsames Ziel – das erstmal nur Klassenerhalt heißen kann.

Über den Autor Daniel George ist zwar zwei Meter lang. Zum Basketball-Profi hat es trotzdem nicht gereicht. Dafür für eine stabile Karriere beim TSV Niederndodeleben, dem besten Dorfverein der Welt.

Weil das eigene sportliche Talent überschaubar war, konzentrierte sich der 26-Jährige früh auf das journalistische Handwerk. Der gebürtige Magdeburger berichtete bereits über zahlreiche Klubs aus Sachsen-Anhalt: die BSW Sixers, die Aschersleben Tigers, den BBC Magdeburg oder den BC Anhalt aus Dessau.

In seiner Kolumne "Erstklassig" schreibt er für MDR SACHSEN-ANHALT regelmäßig über den Mitteldeutschen BC.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. September 2019, 14:28 Uhr

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