Nils Seufert, Christian Beck und Julian Börner
Christian Beck wird vorne zu oft allein gelassen beim FCM. Bildrechte: IMAGO

Situation in der 2. Bundesliga Mehr Mut, FCM!

Der 1. FC Magdeburg wartet in der 2. Bundesliga weiter auf den ersten Sieg. Gegen Bielefeld gab es ein 0:0. Die Defensive steht stabil, doch offensiv hapert es. Hier sind mehr Risikobereitschaft und Überzeugung gefragt, findet Oliver Leiste.

Nils Seufert, Christian Beck und Julian Börner
Christian Beck wird vorne zu oft allein gelassen beim FCM. Bildrechte: IMAGO

Schon beim ersten Blick auf die Tabelle wird das Dilemma des 1. FC Magdeburg klar. Nach fünf Spielen in der 2. Bundesliga stehen fünf Gegentoren nur drei Geschossene gegenüber. Die fünf Gegentreffer sind ein guter Wert. Nur drei Mannschaften haben bisher weniger kassiert. Bei den eigenen Toren liegt der FCM in der Rangliste dagegen genau dort, wo er auch in der Tabelle steht: auf dem drittletzten Platz. Auch das 0:0 am Montagabend gegen Arminia Bielefeld bestätigte dieses Bild.

Nun ist es nichts schlechtes, sich zunächst mal auf die Defensive zu konzentrieren. Hier hatte der 1. FC Magdeburg unter Jens Härtel schon immer seine Stärken. In dieser Saison sind die meisten Mannschaften individuell besser besetzt als die Blau-Weißen. Da ist der Club förmlich gezwungen, zuerst für eine sichere Defensive zu sorgen, wenn man Erfolg haben will.

Gefestigte Defensive

In diesem Bereich wirkt die Mannschaft auch gefestigt. FCM-Trainer Jens Härtel sagte nach dem Spiel: "Bielefeld war die beste Mannschaft, gegen die wir bisher gespielt haben." Und gegen die spielstarken Ostwestfalen, die gerade im Sturm mit Fabian Klos und Andreas Voglsammer hervorragend besetzt sind, ließ der FCM wenig zu. Zwei, drei Mal musste FCM-Torwart Alexander Brunst, der sein erstes Zweitligaspiel bestritt, ernsthaft eingreifen. Doch wirklich viel fiel Bielefeld – bei aller optischen Überlegenheit –  nicht ein, um den FCM in Gefahr zu bringen.

Vielleicht müssen wir uns noch etwas mehr trauen

Rico Preißinger, FCM-Spieler

Allerdings hatte auch die FCM-Offensive zu selten gute Ideen, um Bielefeld in Bedrängnis zu bringen. Die Probleme im Angriff sind mittlerweile hinlänglich bekannt. Es fehlt an Ruhe im Aufbauspiel, an der Präzision in Umschaltmomenten und manchmal auch an der Gedankenschnelligkeit. Christian Beck beklagt sich, nicht zu unrecht, dass ihm die Zuspiele fehlen. Sankt Pauli und Ingolstadt, die beide schon in Magdeburg antreten mussten, sind derzeit die Schießbuden der Liga. Auch Bielefeld kassierte zuletzt sechs Gegentore in zwei Spielen. Die Defensivreihen der Gegner sind also durchaus zu knacken – auch wenn das dem FCM in der bisherigen Saison kaum gelungen ist.

Fußball | 2. Bundesliga 1. FC Magdeburg - Arminia Bielefeld in Bildern

Jens Härtel
Jens Härtel wollte im fünften Anlauf den ersten Sieg in der 2. Bundesliga für den FCM einfahren. Bildrechte: IMAGO
Jens Härtel
Jens Härtel wollte im fünften Anlauf den ersten Sieg in der 2. Bundesliga für den FCM einfahren. Bildrechte: IMAGO
Choreografie der magdeburger Fans
Knapop 20.000 Zuschauer kamen am Montagabend ins Stadion. Bildrechte: IMAGO
v.l. Björn Rother (Magdeburg, 6) schießt aufs Tor.
Vor dem Pausenpfiff gab es zwei gute Schusschancen für den FCM. Björn Rother ... Bildrechte: IMAGO
Marcel Costly und Nils Seufert im Zweikampf
... und Marcel Costly scheiterten. Bildrechte: IMAGO
Nils Seufert, Christian Beck und Julian Börner
Nach der Pause vergab Christian Beck die beste Chance für die Elbestädter. Bildrechte: IMAGO
Alexander Brunst (Magdeburg, 30) hält den Ball.
Alexander Brunst zeigte im FCM-Kasten eine fehlerlose Vorstellung bei seinem ersten Saisonspiel. Bildrechte: IMAGO
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v.l. Björn Rother (Magdeburg, 6) schießt aufs Tor.
Vor dem Pausenpfiff gab es zwei gute Schusschancen für den FCM. Björn Rother ... Bildrechte: IMAGO

Mehr Überzeugung ist gefragt

Um das zu ändern, braucht es die erwähnte Genauigkeit. Es braucht aber auch mehr Überzeugung. Beispielhaft festmachen lässt sich das an einigen Aktionen von Kapitän Nils Butzen. Mehrfach hatte man das Gefühl, dass er mit einem Vertikalpass oder einer schnellen Seitenverlagerung dafür sorgen könnte, dass Gefahr entsteht. Stattdessen entschied er sich meist für den sicheren Rückpass. Bielefeld hatte so Zeit, sich wieder zu sortieren. "Wir wissen, wir können Fußball spielen", sagte Mittelfeldspieler Rico Preißinger nach dem Abpfiff. Aber: "Vielleicht müssen wir uns noch etwas mehr trauen".

Das bringt es auf den Punkt. Der FCM braucht im Offensivspiel mehr Mut. Natürlich ist das leichter gesagt als getan, denn schnell verliert man im Angriffsdrang die Defensive aus den Augen. Doch nur wenn der 1. FC Magdeburg den Gegner schon in dessen Hälfte konsequent unter Druck setzt, zu Fehlern zwingt und daraus Chancen kreiert, wird er in der Lage sein, auch Siege einzufahren. Bei Ballgewinn sollte der Blick sofort nach vorne gehen. Und dann darf es auch mal ein riskanterer Pass sein. Nur so steigert man die Chance, den Kontrahenten zu überraschen. Dass die Mannschaft diese Spielweise beherrscht, deutete sie gegen Bielefeld für ein paar Minuten an. Gegen Ingolstadt und Darmstadt dominierte der FCM jeweils eine Halbzeit – weil er mutig und entschlossen auftrat und die Gegner so beeindruckte.

Immer vorwärts

Richtig laut wurde es im Magdeburger Stadion am Montag nur zwei Mal. Zu Spielbeginn und nach etwa 65 Minuten. Das Lied, das die Fans sangen, war in beiden Momenten das gleiche: "Immer kämpfen, immer siegen, immer vorwärts, FCM" heißt es da. Dass die Blau-Weißen immer kämpfen, kann man ihnen wahrlich nicht absprechen. Das "immer siegen" klappt bisher noch so gar nicht. Damit sich das in den kommenden Wochen endlich ändert, gibt es nur eine Devise: Immer vorwärts, FCM!

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT – mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97.6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen – und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 18. September 2018 | 05:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 18. September 2018, 16:06 Uhr

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4 Kommentare

19.09.2018 11:03 MLink-Berlin 4

Das Ding am Sonntag ziehen wir mit 1:0 und dann quaken alle wieder, in dieser Liga kann jeder jeden schlagen...

Sollten wir nach den englischen Wochen 5 Punkte aufm Konto haben, können wir zufrieden sein.

Mit der "Nicht"offensive ist eben nicht mehr drin.

Bin echt gespannt wie die Saison weiter verläuft. Vielleicht bringt uns unser breiter Kader noch weiter, sollten bei anderen Vereinen mal die Leistungsträger ausfallen.

BWG aus der Mudderstadt

18.09.2018 17:59 Leo-Armine 3

Immer vorwärts.... hört sich nett an. Vielleicht mß man sich aber auch eingestehen, daß es doch ein kleiner qualitativer Unterschied zwischen dritter und zweiter Liga ist? Die Veränderung im Tor scheint ja gefruchtet zu haben. Dann mal auf ein Neues in Paderborn am Sonntag.

18.09.2018 16:42 Beobachter 2

Hört sich grundsätzlich plausibel an. Allerdings ist die fehlende Durchlagskraft nicht allein fehlender Risikobereitschaft geschuldet.
Generell ist das Magdeburger Spiel nicht nur von einer vergleichsweise tief stehenden Grundformation geprägt, es ist auch enorm Kräfte raubend.
Dazu kommt, dass viele Gegner spielerisch mindestens passabel agieren, den Ball laufen lassen und den FCM über die Spieldauer zermürben.
Den Gefallen, Räume anzubieten, die zu bespielen der FCM mit Türpitz u.a. durchaus fähiges Personal hat, wird den Jungs kaum ein Gegner tun.
Zumal gerade die wenigen kreativstarken Spieler vom jeweiligen Gegner besonders in Schach gehalten werden.

Das Qualitätsdefizit gegen die meisten Gegner lässt sich über eine komplette Saison schlechter kompensieren, als punktuell in Tests oder Pokal.

M.E. geht es darum, in der Hinrunde so lang die Kräfte reichen Punkt für Punkt zu sammeln, um halbwegs den Anschluss zu halten.
Im Winter braucht man 2,3 gute Griffe auf dem Transfermarkt.