Sachsen-Anhalt, Land der Wintersportler Jessica Löschke und das "ein Mal in der Karriere"-Gefühl

Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Sachsen-Anhalt ist ein Land des Wintersports. Viele Talente stammen von hier. Die Besten bereiten sich gerade auf die Junioren-WM vor. MDR SACHSEN-ANHALT hat drei von ihnen besucht. Ein Talent ist Jessica Löschke. Die Langläuferin vom TSV Leuna hat einen großen Traum.

Mit einem lauten Geräusch schlägt der Ball auf dem Boden der Turnhalle auf. Zwei junge Frauen und acht junge Männer knien dort auf Turnmatten und werfen sich Medizinbälle zu. Sie alle sind Langläuferinnen und Langläufer, die gerade ihre Rumpfmuskulatur trainieren. Jessica Löschke ist hoch konzentriert auf die Übung, denn in wenigen Wochen stehen die Nordischen Juniorenweltmeisterschaften auf dem Programm – und das an dem Ort, an dem sie täglich trainiert. "Unsere Trainer haben gesagt, sowas erlebt ein Sportler vielleicht ein Mal in seiner Karriere und da genieße ich das besonders", sagt die 19-jährige Langläuferin aus Bad Dürrenberg und lächelt stolz.

Der Sport begleitet Jessica schon ihr ganzes Leben – den ersten Wettkampf gewann sie mit vier Jahren. Seitdem hat sie einiges erreicht: Zwei Podestplätze im Continentalcup, der "zweiten Liga" im Langlauf, nach dem Weltcup, bedeuteten früh die Qualifikation für die Juniorenweltmeisterschaften. Die WM soll nun der nächste Höhepunkt werden. Das Programm bis dahin ist straff, doch Jessica bleibt erfolgreich: Bei den Deutschen Jugendmeisterschaften in Oberstdorf wird sie Zweite im Massenstart, im Sprint gelingt ihr Platz drei.

Das Training ist hart – nicht nur vor der Junioren-WM

Junge Frau bei Übung auf Matte.
Langläuferin Jessica Löschke trainiert sechs Tage pro Woche. Bildrechte: MDR/Vera Siebnich

Den Grundstein für diesen Erfolg legt sie mit Trainingseinheiten wie dieser in Oberwiesenthal. Noch immer fliegen die Medizinbälle durch den Raum. Die Trainingsschwerpunkte werden in jeder Woche neu festgelegt, heute geht es um die Stabilität im Rumpf. Für Jessica bedeutet das, bei jeder Trainingseinheit darauf zu achten, "dass ich nicht mit dem Oberkörper ein bisschen einknicke." Im Training gibt es immer spezielle Technikschwerpunkte, ein besonderes, nur auf die Weltmeisterschaften abgestimmtes Programm gibt es aber nicht, geht es doch vor allem darum, "gut in Schuß" zu sein, wie Jessica sagt.

Seit Jessica im Sommer 2019 das Abitur am Skiinternat in Oberwiesenthal absolviert hat, wohnt die gebürtige Bad Dürrenbergerin dort. Sie gehört zur Sportfördergruppe der Bundeswehr, die vielen Wettkämpfe und Trainingseinheiten seien für sie also wie normale Arbeit, sagt sie. Normalerweise trainiert sie zwei Mal täglich, sechs Mal die Woche. Dass sie dann oft nur einen Ruhetag hat, stört sie nicht, im Gegenteil. "Wenn ich einen ganzen Tag frei habe, muss ich trotzdem raus", gibt sie zu. Sie ist so sehr an die viele Bewegung gewöhnt, dass sie es ganz ohne nicht aushält. "Das ist wie eine Sucht", beschreibt sie ihren Antrieb.

Begeisterte Bäckerin, hoffnungsvolles Talent  

Im Anschluss an das Training auf der Matte gehen Jessica und ihre Trainingsgruppe hinüber in eine andere Halle. Nach den gezielten Einheiten, in denen eine bestimmte Muskelgruppe trainiert wird, steht nun etwas anderes auf dem Programm: In zwei Gruppen spielen sie gegeneinander Hockey. Das erfordert neben vielen verschiedenen Muskeln auch Schnelligkeit und gute Koordination, was die Langläufer auch in der Loipe brauchen. Jessica spielt heute hauptsächlich in der Verteidigung und kann mehrmals ein Tor für die Gegner verhindern. Doch zu Jessicas Lieblingssportarten zählt Hockey nicht.

Für ihre wirklichen Hobbies nimmt sie sich trotz des straffen Trainingsplans Zeit. Eines davon: Backen. "Ich backe auch mein Brot und meine Brötchen selber", erzählt sie. Dass sie das gut macht, weiß auch ihre Familie. Ihre Schwester, die auch das Skiinternat in Oberwiesenthal besucht, lädt sich selbst regelmäßig selbst zum Essen ein. "Und meine Mutti mag am liebsten meine Mohn-Schmand-Torte", schmunzelt Jessica.

Von Lahti über Oberwiesenthal in den Langlauf-Weltcup?

Junge Frau lächelt in die Kamera
Jessica Löschke will bei der WM eine Medaille holen. Bildrechte: MDR/Vera Siebnich

Die Ziele für die JWM  hat sie klar definiert. In zwei Einzelwettkämpfen und der Staffelkonkurrenz möchte sie an den Start gehen. "Mein Ziel ist es, mit der Staffel eine Medaille zu holen, weil ich denke, dass wir da dieses Jahr echt gute Chancen haben", sagt sie. Für die Einzelwettkämpfe hat sie sich eine Platzierung unter den ersten zehn als Ziel gesetzt. Und ihr Lieblingswettkampf, der Sprint, ist einer ihrer persönlichen Höhepunkte der Weltmeisterschaften.

Aber Jessica will auch ein anderes Ziel unbedingt erreichen: Diese Jugendweltmeisterschaften sollen für sie erfolgreicher verlaufen als die letzten. Im finnischen Lahti fing sie sich 2019 einen Magen-Darm-Virus ein, war drei Tage außer Gefecht  gesetzt und ging trotzdem beim folgenden Wettkampf an den Start. "Da waren Minus 20 Grad, ich hab zwei Tage nichts gegessen und dementsprechend lief das Rennen auch richtig beschissen. Ich war im Ziel in der Sanitätsstation, weil ich so sehr gezittert habe", erinnert sie sich. Doch dieses Erlebnis ist für sie auch ein Ansporn für die Weltmeisterschaften an ihrem Wohn- und Trainingsort. "Ich möchte es auf jeden Fall besser machen und nicht wieder so ein Pech haben!", gibt sie sich kämpferisch.

Ein weiteres Ziel ist ein Start im Weltcup. Das hätte Jessica in dieser Saison bereits fast erreicht: Für zwei Einsätze mit den weltbesten Langläuferinnen waren sie und ihre Kollegin Lisa Lohmann im Gespräch. Doch die weite Anreise von jeweils sechs Stunden für nur ein Sprintrennen machte ihr einen Strich durch die Rechnung. Aber Jessica bleibt optimistisch: "Ich denke, wenn wir weiter so an uns arbeiten, wird schon die Zeit kommen, dass wir nächstes Jahr vielleicht bei einem Sprintrennen starten können." Eine gute Platzierung bei den Wettkämpfen in Oberwiesenthal wäre dabei hilfreich.


Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Vom Süden Deutschlands über die Schweiz, Franken und Köln zum MDR: Vera Siebnich hat schon sehr viel von Deutschland gesehen. In der letzten Station ihres Volontariats schaut sich die studierte Onlineredakteurin Sachsen-Anhalt genauer an. Bisher kennt sie vor allem die Region Halle, das soll sich nun ändern.

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