Sachsen-Anhalt, Land der Wintersportler Josephin Laue sucht den Absprung

Sachsen-Anhalt ist ein Land des Wintersports. Viele Talente stammen von hier. Die Besten von ihnen bereiten sich gerade auf die Junioren-WM vor. MDR SACHSEN-ANHALT hat drei von ihnen besucht. Eine ist Josephin Laue, eine hoffnungsvolle Skispringerin.

Junge Frau lächelt in Kamera
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Vera Siebnich, MDR SACHSEN-ANHALT

Josephin konzentriert sich. Dann springt sie aus dem Stand über die erste der fünf Stangen, die ihr Trainer Marcel Höhlig für sie aufgebaut hat. Denn die Sprungkraft, die bei dieser Übung trainiert wird, ist ihr momentan besonders wichtig. Josephin Laue ist Skispringerin und kämpft gerade mit einem großen Problem: "Ich bin in der Anfahrt zu tief und forciere dann rein", erklärt sie. Konkret heißt das: Sie kann die Kraft beim Absprung noch nicht voll an den Schanzentisch bringen, der Absprung kommt zu spät und der Flug läuft nicht so rund. Das Problem versucht sie nun im Training zu lösen, ohne jedoch zu verbissen zu sein. Gar nicht so einfach, wenn das Großereignis der Saison vor der Tür steht: Die Nordischen Juniorenweltmeisterschaften. Doch Josephin weiß, dass die Lockerheit für einen guten Sprung nun mal ein ganz wichtiger Faktor ist. Deswegen hat sie sich für die Wettkämpfe bis zur Weltmeisterschaft kein konkretes Ziel gesetzt. "Wenn ich mir jetzt groß Druck mache und irgendein Ergebnis erzwingen will, dann geht das immer nach hinten los", weiß sie aus Erfahrung.

Mit acht Jahren sprang Josephin das erste Mal von einer Schanze in Rothenburg, das etwa 30 Minuten mit dem Auto von Halle entfernt ist. Das Gefühl, nach einem gelungenen Sprung, sei das schönste, sagt sie. "Ansonsten ist es sehr oft der Adrenanlinkick", beschreibt sie, was den Sport für sie so besonders macht, dass sie sich irgendwann für das Skispringen und gegen eine Karriere als Basketballerin entschieden hat. "Jedes Mal, wenn du dich da oben loslässt, für den Sprung, du denkst an nichts außer an Skispringen und es ist einfach ein kurzes Gefühl von Schwerelosigkeit." Sie strahlt, während sie das sagt. Aber Josephin weiß auch, wie viel gerade in ihrer Sportart schiefgehen kann. Die Verletzungen scheinen sich in den letzten Jahren zu häufen, alleine in der Deutschen Nationalmannschaft fehlen mit Carina Vogt und Gianina Ernst zwei Topathletinnen, bei den Herren hat es Andreas Wellinger erwischt. Dennoch überwiegt für sie das Positive. "Man trainiert am Limit und wenn dann am Ende was Schönes, also ein weiter Sprung bei rauskommt, dann ist das natürlich immer wieder schön."

Ein versöhnlicher Saisonabschluss ist das Ziel

Junge Frau springt über Stangen
Josephin Laue arbeitet an einem kräftigeren Absprung. Bildrechte: MDR/Vera Siebnich

Am Nachmittag steht für sie ein Trainingsblock auf der Schanze an, die nächste Chance, um am Fehler im Sprung zu arbeiten. Die bisherige Saison verlief für die 18-Jährige wechselhaft. Nach einem guten Beginn schlich sich der Fehler in der Anfahrt ein, an dem sie nun arbeitet. Mit den Sprüngen ist sie noch nicht ganz zufrieden. "Bisher hab ich noch nicht so ein Ergebnis, wo ich sage: Das war das, was ich kann und das, was ich zeigen will, in der Saison", sagt sie vor dem Continentalcup in Brotterode selbstkritisch. "Ich motiviere mich nochmal für die letzten Wettkämpfe, damit ich da ein gutes Ergebnis hab und dann mit der Saison zufrieden sein kann", erklärt sie. Und prompt läuft es am folgenden Wochenende besser: In Brotterode schafft sie die beste Leistung der bisherigen Saison und wird vierte. "Das war ein Ergebnis in die richtige Richtung", findet Josephin.

Gute Erinnerung an die letzte Junioren-WM

Die Qualifikation für die JWM hat sie damit geschafft, das selbstgesteckte Ziel von den Top 6 in den Wettbewerben bis dahin schon erfüllt. Doch die Hallenserin weiß auch, was sie leisten kann. Bei den Weltmeisterschaften will sie nicht einfach nur mitspringen. "Mein persönliches Ziel ist eigentlich Top 15. Das ist ein Ziel, was erreichbar ist, wenn ich meine Leistung zeige", schätzen sie und die Trainer ihr Potenzial für den Saisonhöhepunkt ein. Bei der letzten Junioren-WM in Lahti wurde Josephin 18. im Einzel und setzte ihr persönliches Highlight: Gemeinsam mit Jenny Nowak, Selina Freitag und Anges Reisch erreichte sie den zweiten Platz im Teamwettkampf. "Das war überragend!", erzählt sie und verrät, dass sie auch heute noch oft an dieses Ereignis zurückdenkt. "Ich glaube, das wird mich immer begleiten", sagt sie strahlend.

Bei der Heim-WM könnte die Stimmung sogar noch besser werden, als in Finnland. Ihre Zwillingsschwester, die im Skiinternat in Klingenthal das Gymnasium besucht, wird sie natürlich auch anfeuern. "Das ist sehr schön, weil die Familie auch hinkommen kann, die Freunde hinkommen und einen unterstützen können", freut Josephin sich. Aber: Einen "Heimvorteil" dadurch, dass die JWM so nah an ihrem Wohn- und Trainingsort in Klingenthal stattfindet, hat sie nicht, denn auf der Schanze in Oberwiesenthal ist sie erst wenige Male gesprungen. Ihre Heimschanze, auf der heute auch das Training stattfindet, sind die Vogtlandschanzen in Klingenthal.

Andreas Wank als großes Vorbild

Junge Frau lächelt in die Kamera
Josephin Laue hofft auf ein gutes Ergebnis bei der JWM. Bildrechte: MDR/Vera Siebnich

Seit Oktober 2019 absolviert Josephin ihr Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) an ihrer ehemaligen Schule. Sie hilft den Erziehern und bei den Haushaltstätigkeiten, je nachdem, was gerade anfällt. Das FSJ sieht sie als eine "Zwischenstation, die man einfach mal machen muss, um sich neu zu organisieren, zu schauen, was man will, wo man hinwill". Angestellt ist sie über den DOSB, was ihr die Möglichkeit gibt, Arbeit und Sport gleichermaßen zu machen. Doch diese Freiheit braucht sie auch, denn das Trainingspensum ist hoch. Zeit für ihre Hobbys wie Malen hat sie dadurch nicht allzuviel. "Aber es gibt ja auch schöne Wochenenden, wo man mal die Heimat besuchen kann", räumt sie ein.

"Die Heimat besuchen", das heißt für Josephin von Klingenthal nach Halle zu fahren, was aufgrund der Zugverbindungen oft gar nicht so einfach ist. Dennoch versucht sie so oft es geht, bei ihren Freunden und ihrer Familie zu sein. "Aber es ist halt schwer, dann doch ne ‚Fernfreundschaft‘ zu führen", findet sie. Doch die Heimat ist für Josephin nicht nur der Ort, wo Familie und Freunde sind, auch eines ihrer großen Vorbilder kommt dort her. Andreas Wank, der 2008 Junioren-Weltmeister von der Normalschanze wurde. Beim Maispringen in Rothenburg hat Josephin ihn schon kennengelernt  – und um Ratschläge gebeten. "Da ist er sehr offen, gibt einem auch Tips und so. Das finde ich sehr schön", freut sie sich. Bei den Frauen sind Sara Takanashi aus Japan und die Norwegerin Maren Lundby ihre Vorbilder. Und die Deutschen Damen? Josephin lacht. "Ich geb’s ehrlich zu", sagt sie dann, "Die will man ja irgendwann übertrumpfen." Die erste Deutsche Juniorenweltmeisterin im Skispringen war Juliane Seyfarth, die heute fester Bestandteil des Weltcup-Teams ist. Vielleicht kann Josephin ja schon bei diesen Juniorenweltmeisterschaften mit ihr gleichziehen – und sie irgendwann doch noch übertrumpfen.


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Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über die Autorin Vom Süden Deutschlands über die Schweiz, Franken und Köln zum MDR: Vera Siebnich hat schon sehr viel von Deutschland gesehen. In der letzten Station ihres Volontariats schaut sich die studierte Onlineredakteurin Sachsen-Anhalt genauer an. Bisher kennt sie vor allem die Region Halle, das soll sich nun ändern.

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Zuletzt aktualisiert: 18. Februar 2020, 18:00 Uhr

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