Fußball mit neun Spielern im Landkreis Wittenberg
Im Landkreis Wittenberg reichen neun Spieler für eine komplette Fußballmannschaft. Bildrechte: MDR/Martin Krause

"Norweger Modell" im Landkreis Wittenberg Fußball mit reduzierten Teams: Neun Freunde müsst ihr sein

Weil Fußballteams häufig nicht genug Spieler zusammen bekamen und Spiele abgesagt werden mussten, hat der Kreisverband Wittenberg reagiert. Seit dieser Saison reichen auf Kreisebene neun Spieler.

Fußball mit neun Spielern im Landkreis Wittenberg
Im Landkreis Wittenberg reichen neun Spieler für eine komplette Fußballmannschaft. Bildrechte: MDR/Martin Krause

Es war eine bisher unumstößliche Weisheit im Männerfußball. "Elf Freunde müsst ihr sein, wenn ihr Siege wollt erringen." So stand es auf der Victoria – dem Pokal, der in früheren Tagen dem Deutschen Meister überreicht wurde. Und auch wenn Freundschaft gerade im Profibereich längst nicht mehr der entscheidende Faktor für Erfolg ist, galt bisher doch von der ersten bis zur letzten Liga: Gespielt wird elf gegen elf.

Zumindest im Männerbereich. Denn bei den Frauen und im Jugendbereich gab es schon länger Alternativen. Und mittlerweile stehen immer mehr Vereine vor dem Problem, dass sie nicht mehr regelmäßig elf Spieler zusammen bekommen. Die Folge: Fußballspiele müssen verlegt oder komplett abgesagt werden. Das bedeutet Terminchaos und ganz nebenbei müssen die Vereine auch noch Strafen zahlen.

30 Spielabsagen pro Saison

Im Landkreis Wittenberg betraf das in den vergangenen Jahren bis zu 30 Spiele pro Saison. Doch auch diese Praxis hat Grenzen, weiß Bertram Jacobi, einer der Verantwortlichen bei der Spielgemeinschaft Heidekicker: "Irgendwann holt einen das ein, weil so viele verlegte Spiele kann man nicht aufholen. Da gibt es nicht genug Termine. Zudem weiß man bei einer Verlegung nicht, ob man zum Ausweichtermin dann wirklich die Leute hat."

Fußball mit neun Spielern im Landkreis Wittenberg
André Göricke (l.) und Bertram Jacobi überlegen, wie das Norweger Modell taktisch umgesetzt werden kann. Bildrechte: MDR/ Martin Krause

Die Gründe für die Absagen sind vielfältig. Der demografische Wandel spielt genauso eine Rolle wie verändertes Freizeitverhalten. Jacobi sagt: "Es fehlten Leute, weil Einschulung war oder Leute auf Montage waren. Natürlich ist auch immer mal jemand krank oder im Urlaub." Besonders betroffen sind Vereine in kleinen Dörfern oder Reserveteams, die regelmäßig Spieler für die erste Mannschaft abstellen müssen. Selbst Spielgemeinschaften, bei denen sich mehrere Vereine zusammenschließen, bringen kaum noch Besserung.

Neun gegen neun

Der Kreisverband Wittenberg hat nun reagiert und zu dieser Saison in seinen beiden Kreisligen das "Norweger Modell" eingeführt. Danach können Mannschaften auch mit neun Spielern antreten. André Göricke, der den Spielausschuss im Kreis leitet, erklärt das Prinzip: "Bei uns ist es jetzt so geregelt, dass eine Mannschaft, die nicht voll wird, sich bis Mittwoch 20 Uhr beim Gegner und beim Staffelleiter melden kann und sagt, dass sie "Norweger Modell" spielen möchte. Das heißt, neun Leute stehen dann auf dem Spielfeld, zwei können ausgewechselt werden. Der Gegner muss dann auch zu neunt spielen.

Das Spielfeld wird dann am Spieltag um 32 Meter verkleinert. Die Vereine können mobile Tore aufstellen. Das Feld wird entweder neu abgekreidet, aber auch eine Makierung mit Hütchen ist möglich. Maximale Flexibilität für das große Ziel, möglichst kein Spiel ausfallen zu lassen.

Pilotprojekt wird im Winter ausgewertet

Nach Angaben des Kreisverbandes ist Wittenberg der erste Landkreis, wo das "Norweger Modell" im Männerbereich zum Einsatz kommt. Vorerst als Pilotprojekt. Bei Frauen und Jugendlichen wurde es in einigen anderen Kreisen im Land schon länger praktiziert – allerding mit sehr starren Regeln. So mussten sich Teams vor einer Halbserie festlegen, mit wie vielen Spielern sie antreten. Eine kurzfristige Korrektur war nicht möglich. Aufsteigen durften nur Teams, die von vornherein mit elf Spielern gestartet waren.

Dagegen können die Mannschaften im Landkreis Wittenberg nun von Woche zu Woche entscheiden – je nachdem, wie viele Spieler sie tatsächlich zur Verfügung haben. Im Winter wollen sich die Vereine zusammensetzen und auswerten, was gut geklappt hat und was nicht. Auch der Fußball-Landesverband verfolgt das Pilotprojekt mit großem Interesse. Schließlich gibt es nicht nur im Landkreis Wittenberg Spielabsagen und Personalengpässe. Es könnte also gut sein, dass das "Norweger Modell" demnächst in weiteren Kreisligen im Land eingeführt wird, wenn es sich in Wittenberg bewährt.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 06. September 2019 | 08:10 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. September 2019, 09:21 Uhr

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