Beteiligung der Ligen an Polizeikosten bei Fußballspielen? Pro: "Der Fußball muss Verantwortung übernehmen"

Bei Risiko-Partien sind Hunderte Polizeikräfte im Einsatz. Den Steuerzahler kostet das viel Geld. Die Ligen müssen sich an den Kosten beteiligen – meint Wolfgang Ladebeck, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft Sachsen-Anhalt und stellvertretender Bundesvorsitzender.

von Wolfgang Ladebeck, Gastbeitrag

Polizeikosten bei Fußballspielen
Bildrechte: MDR/Collage/Martin Paul/DPolG LSA

Es gibt unzählige Bürger, die sagen: "Warum soll ich als Steuerzahler für die Einsatzkosten der Polizei bei Fußballspielen aufkommen?" Und ich finde: Diese Menschen haben Recht. Die Ligen sollten sich an den Einsatzkosten beteiligen müssen. Das ist auch die Position der Polizeigewerkschaft. Und das halte ich für angemessen. 

Um das gleich klarzustellen: Es geht dabei nicht um horrende Kosten für die Vereine. Dazu könnten Gebührenbescheide erlassen werden, die an die Deutsche Fußball-Liga gerichtet wären. Wie die DFL das dann auf die Vereine umlegen würde, müsste sie selbst klären.

Worum es geht Wer soll für Polizeikosten bei Fußballspielen aufkommen? Bislang der Steuerzahler. Doch nun könnte sich laut Gericht auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) beteiligen müssen – und bald vielleicht auch die Vereine.

Das Bundesverwaltungsgericht hat in dem Streit am Freitag in Leipzig keine Entscheidung getroffen. Es verwies den Fall zurück an das Oberverwaltungsgericht Bremen. Betont wurde jedoch, dass die DFL grundsätzlich an den Kosten beteiligt werden könnte.

Konkret geht es um ein Spiel aus dem Jahr 2015, für das die Stadt Bremen der DFL 425.000 Euro in Rechnung stellen will.

Einsätze bei Fußballspielen belasten das ganze System

Wie hoch die Beteiligung wäre, würde immer vom jeweiligen Einzelfall abhängen. Wie viele Bedienstete waren im Einsatz? Welche Technik wurde eingesetzt? Diese Punkte würden für die Berechnung der Kostenbeteiligung eine Rolle spielen.

Und natürlich müsste man die Gebühren je nach den wirtschaftlichen Möglichkeiten der Klubs anpassen. In der Bundesliga geht es ja zum Beispiel um viel mehr Millionen als in der zweiten oder der dritten Liga. Die Höhe der Beteiligung müsste je nach Liga angepasst werden. Sonst wäre das ungerecht.

Aber ich sage ganz klar: Der Fußball muss Verantwortung übernehmen. Das Argument, dass die Vereine nur für den Stadioninnenraum zuständig sind, zählt nicht. Die Polizei tritt längst auch in den Stadien auf, weil die Vereine ihre Sicherheitsaufgaben dort nicht immer erfüllen können. Ich war in der vergangenen Spielzeit bei Partien des 1. FC Magdeburg im Stadion und konnte das teilweise beobachten. 

Wolfgang Ladebeck, Sachsen-Anhalts Landesvorstizender der Polizeigewerkschaft
Bildrechte: MDR/DPolG LSA

Die Fußball-Branche setzt Milliarden um und trotzdem sind es einzig und allein die Steuerzahler, die für die Einsatzkosten der Polizei zahlen müssen – das ist einfach unfair und muss sich ändern.

Wolfgang Ladebeck, Landesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft

Der Polizei-Aufwand wird auch in unteren Ligen immer größer. Ob das gerechtfertigt ist? Als Polizist beschwere ich mich auch immer mal darüber.  Aber ganz ehrlich: Ich maße mir nicht mehr an, zu sagen, weniger Polizei würde ausreichen. Das ist immer ein großes Risiko. Was ist, wenn dann etwas passiert? Wir haben erfahrene Einsatzleiter in Sachsen-Anhalt, die die Gefahrenlage entsprechend einschätzen können.

Alle zwei Wochen müssen wir in Sachsen-Anhalt Mehrarbeit für Fußballspiele anordnen. Das ist Wahnsinn. Die Kollegen und Kolleginnen, die am Wochenende beim Fußball im Einsatz sind, fehlen dann unter der Woche im Dienst. Die Einsätze bei Fußballspielen belasten so das ganze System.  

Unterschied zu Demos: Kein Grundrecht auf Fußballspiele

Ich weiß, dass viele Gegner der Kostenbeteiligung meinen: Bei Demonstrationen müssen die Veranstalter doch aber auch nicht für die Einsatzkosten aufkommen. Das stimmt auch. Aber es gibt ein Grundrecht auf Versammlungsfreiheit, das deckt unter anderem Demonstrationen ab. Was es aber nicht gibt, ist ein Grundrecht auf Fußballspiele. 

Die Fußball-Branche setzt Milliarden um und trotzdem sind es einzig und allein die Steuerzahler, die für die Einsatzkosten der Polizei zahlen müssen – das ist einfach unfair und muss sich ändern.  

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Die Polizei ist bei Risikospielen mit einem Großaufgebot vertreten. Bildrechte: MDR/Collage/Imago/Sven Simon

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 29. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 11:09 Uhr

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2 Kommentare

30.03.2019 09:50 Federico 2

Dieses Thema eignet sich nicht für eine
Neid-Debatte.
" Fußball ist Volkssport."
Die " Profi's in diesem (Fußball)
Geschäft verdienen horrende Summen,
vom " Ablöse - Menschenhandel "
ganz zu schweigen,
alle Beteiligten an diesem " Spiel "
haben ihren " Profit."
Nicht nur organisierte " Krawallmacher "
machen auch ihr " unsportliches "
Spiel.
Unsere Polizei ist
mit enormem Personal-und Material-
Einsatz vor Ort, schützen die " Allgemeinheit.
Es ist zwingend notwendig ,
über die " Kostenübernahme " zu
sprechen.
Im Fall Bremen hat die Justiz ein
" Zeichen" gesetzt .
Die Vereine im " bezahlten "
Fußball sollten diesen " Ball aufnehmen "
und sich " aktiv " an diesen Kosten
beteiligen, auch das Finanzamt ist
hier im " Spiel."

29.03.2019 16:26 Rot Grüner 1

Die gesamte DFL Riege steckt sich soviel Geld in die Tasche. Wenn der Fußball keine Zuschauer mehr hätte( nur theoretisch) und die Sportart subventioniert werden müsste,außer von Sponsoren. Welche dann ja auch nicht mehr ausreichend da wären,müsste auch der Staat helfen. Wie bei der Abwrackprämie damals in der Autoindustrie. Aber bei Überschüssen bzw. Gewinnen bleibt der Staat und wir als Steuerzahler außen vor. Darum sage ich JA zur finanziellen Beteilung der DFL an den Einsätzen der Polizei. Und sich sogar gerichtlich davor drücken zu wollen ist an Frechheit und Arroganz seitens der Verantwortlichen kaum zu überbieten. Schämen sollten die sich alle.