Heimspiel gegen Osnabrück Prophezeiungen erfüllen sich beim HFC wieder

Der Hallesche FC muss sich als bessere Mannschaft zwar mit einem Remis im Spitzenspiel gegen Osnabrück begnügen. Die Zuschauer dürfen dennoch zufrieden sein. Warum die Mannschaft sich allmählich immer mehr Kredit erspielt. Eine Einordnung.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Anas Ouahim (Osnabrück, 10), Sebastian Mai (Halle, 26) Zweikampf
Sebastian Mai (r.) gab gegen Osnabrück sein Startelf-Debüt für den HFC – und erledigte seinen Job zuverlässig. Bildrechte: IMAGO

Der Tag begann mit Rot und Weiß: "Guten Morgen, HFC! Heute ist Heimspiel. Hisst die Flaggen!", schrieb der Hallesche FC am Sonnabend auf seiner Facebookseite. Die Fans des Drittligisten kommentierten fleißig mit Fotos ihrer Fanutensilien – und ihre Euphorie sollte im Laufe des Tages nicht verfliegen. Denn der Hallesche FC bot im Spitzenspiel der dritten Liga eine kämpferische Leistung. Mit 1:1 trennte sich die Mannschaft von Cheftrainer Torsten Ziegner vom VfL Osnabrück – und erspielt sich allmählich immer mehr Kredit.

Bereits in den Tagen vor dem Spitzenspiel war in Halle etwas zu spüren, dass es dort so in den vergangenen Jahren nur selten gegeben hatte: große Vorfreude auf ein Heimspiel des Halleschen FC. Einem Spitzenspiel einer Mannschaft, die gerade mächtig Spaß macht. Einer Mannschaft, die viel Gutes in sich trägt: einen talentierten Torhüter, eine zuverlässige Abwehr, ein stabiles Mittelfeldzentrum, Geschwindigkeit über die Außen und torgefährliche Stürmer – alle Mannschaftsteile mit reichlich Entwicklungspotenzial.

In Rückstand geraten, Charakter gezeigt

Das 3:0 in Jena, das 2:0 gegen Kaiserslautern, das 1:0 in Lotte und jetzt das 1:1 gegen Osnabrück: Der HFC hat in den vergangenen Partien bewiesen, dass er zur Konstanz fähig ist. Und die in den vergangenen Jahren so arg gebeutelten Anhänger bauen zusehends Vertrauen auf. Denn sie sehen: Diese Mannschaft zerreißt sich für ihre Farben auf dem Platz – etwas, das in den vergangenen Spielzeiten abhanden gekommen war.

Großen Worten der Spieler oder Verantwortlichen waren in der Vergangenheit zu oft schlechte Ergebnisse oder Leistungen gefolgt. Doch nun erfüllen sich beim HFC wieder die Prophezeiungen. Vor allem die von Trainer Torsten Ziegner. Der hatte vor Saisonbeginn im "Badkurvenversteher", dem HFC-Podcast von MDR SACHSEN-ANHALT, gesagt: "Wir wollen den Leuten zeigen, dass wir uns hundert Prozent mit dieser Sache identifizieren. Dass wir für diesen Verein leben, für diesen Moment, dass wir die Sache annehmen und dass die Leute ins Stadion kommen und eine Mannschaft sehen, die sich zerreißt." Stand sechster Spieltag: Aufgabe erledigt!

Wir haben gespürt, dass die Zuschauer hinter uns stehen. Deswegen haben wir das 1:1 gemacht und deswegen sind wir hintenraus nochmal besser geworden.

HFC-Verteidiger Moritz Heyer

Die Partie gegen Osnabrück war ein perfektes Beispiel für den Charakter des Teams: Es lief zu Beginn nicht sonderlich rund. Anstatt den Mut zu verlieren, blieb der HFC allerdings dran. Er geriet sogar in Rückstand. Marcos Alvarez traf nach 57 Minuten zur Führung Osnabrücks. Doch die Gastgeber steckten nicht auf, kamen neun Minuten später zum Ausgleich: Braydon Manu traf zum 1:1.

Choreografie der Halle Fans Hallescher FC
Die HFC-Fans sahen das vierte ungeschlagene Spiel in Folge ihres Teams. Bildrechte: IMAGO

Respekt vom Gegner und den Fans

"Über das ganze Spiel gesehen war das ein großer Kampf von beiden Mannschaften", sagte HFC-Verteidiger Moritz Heyer nach dem Spiel und lobte die Rückendeckung des Anhangs: "Gerade heute haben wir die Unterstützung der Zuschauer extrem gemerkt. Wir haben gespürt, dass sie hinter uns stehen. Deswegen haben wir das 1:1 gemacht und deswegen sind wir hintenraus auch nochmal besser geworden." Die starke Schlussphase des HFC hätte den Siegtreffer verdient gehabt.

"Ich hätte mir gewünscht, dass wir uns mit unserem Übergewicht in der zweiten Halbzeit mit einem Sieg belohnen", sagte auch HFC-Trainer Torsten Ziegner. "Aber ich bin mit dem Unentschieden nicht unzufrieden." Ein Kompliment machte Osnabrücks Trainer Daniel Thioune dem HFC, indem er sagte: "Wir wussten, wie schwer es ist, in Halle zu bestehen."

Der HFC erarbeitet sich zurzeit Respekt bei den Gegnern und vor allem bei den eigenen Fans. Flagge zeigen für den HFC – das fängt den Rot-Weißen wieder an, richtig Spaß zu machen.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 01. September 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 01. September 2018, 17:19 Uhr

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1 Kommentar

02.09.2018 09:05 Heiko Leßmann 1

sehr gut geschrieben! Man merkt in allen Belangen das sich was bewegt! Es macht wieder Spaß ins Stadion zu gehen!