Manager Ralph Kühne
Ralph Kühne verlässt den HFC. Bildrechte: IMAGO

Ralph Kühne verlässt HFC Der Baumeister des Profifußballs in Halle

In wenigen Wochen wird Ralph Kühne den Halleschen FC verlassen. 18 Jahre stand der Verein für ihn im Mittelpunkt. Obwohl er als Manager der Baumeister des Profifußballs in Halle ist, wurde er im HFC-Umfeld nie wirklich geliebt. Der gemeinsame Weg von Kühne und dem HFC war ein steiniger. Doch es ist auch eine Geschichte von Treue, Zusammenhalt und Loyalität.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Manager Ralph Kühne
Ralph Kühne verlässt den HFC. Bildrechte: IMAGO

Die Gestaltung des Büros von Ralph Kühne hat etwas Symbolhaftes. Auf der einen Seite hängt eine Karikatur von HFC-Torwart-Legende Darko Horvat. An der gegenüberliegenden Wand befindet sich ein Bild von Fabian Bredlow – zwischen 2015 und 2017 ebenfalls HFC-Torwart – nebst Unterschrift und Handschuhen. Und während mit dem Kommen von Horvat im Jahr 2007 Kühnes beste Zeit beim HFC begann, wurde mit dem Abschied Bredlows vor einem Jahr auch das Ende seiner Ära eingeläutet. Dass Kühne aus dem HFC-Vorstand ausscheiden wird, war schon länger bekannt. Nun gibt es auch einen Termin. Wenn bis dahin alle Formalitäten geklärt sind, wird Kühne Ende Juni seine Tätigkeit für den HFC beenden. Nach 18 Jahren im Verein, von einer kurzen Unterbrechung abgesehen.

Schwierige Lehrjahre

Im Jahr 2000 suchte der Hallesche FC, damals gerade aus der Verbandsliga aufgestiegen, einen Sportlichen Leiter. Und fand ihn in Ralph Kühne. Der war in Amsdorf kurz zuvor vom Spieler zum Trainer geworden. "Als Fußballer wollte ich natürlich höherklassig arbeiten, deshalb habe ich das Angebot angenommen", erinnert sich der Manager. Doch die Anfangszeit war schwierig. Kurz nach Kühnes Beginn versuchten der HFC und der VfL Halle 96 zu fusionieren – und scheiterten am Votum der Mitglieder. Nach Querelen im Vorstand schmiss Kühne hin. Nur um ein Jahr später dem Werben von Michael Schädlich nachzugeben und erneut beim HFC anzuheuern. Diesmal blieb er, genau wie Jörg Sitte, und gemeinsam bildeten die drei über viele Jahre ein unerschütterliches Führungstrio.

Für die Fans war ich jahrelang das ungeliebte Kind vom VfL.

Ralph Kühne

Doch die Ausgangsbedingungen waren prekär, denn der HFC stand kurz vor der Insolvenz. "Es war damals modern, Vereine mithilfe einer Insolvenz zu sanieren", sagt Kühne heute. "Aber wir wollten das unbedingt verhindern." Und tatsächlich: Innerhalb eines Jahres gelang es, den HFC zu konsolidieren. Ralph Kühne hatte aber durchaus zu tun, sich in der damaligen Zeit beim HFC zu behaupten. Was auch an seiner Vergangenheit als Spieler beim VfL Halle lag. "Für die Fans war ich jahrelang das ungeliebte Kind vom VfL. Und gegen viele Spieler hatte ich selbst noch gespielt. Die musste ich dann von einem Gehaltsverzicht überzeugen." Es sei eine lehrreiche Zeit gewesen, gibt er zu, in der er sich mit harter und ehrlicher Arbeit Respekt verschafft habe.

Präsident Dr. Michael Schädlich (re.) bekommt von Sportkoordinator Ralph Kühne (beide HFC) Fanschal und Blumen zum Geburtstag.
Michael Schädlich (re.) und Ralph Kühne am Anfang ihrer Mission beim HFC Bildrechte: IMAGO

Kommen und Gehen

Auch den Umgang mit den Medien musste Kühne erst lernen. "Viele haben gesagt, jetzt habt ihr das Schwierige geschafft und den Verein saniert. Das Sportliche ist ein Automatismus." Von diesen Erwartungen ließen er und seine Vorstandskollegen sich damals zu sehr treiben, weiß er heute. Hinzu kam noch Postengerangel. Den neben Kühne war zwischen 2004 und 2006 auch Lutz Lindemann für den sportlichen Bereich zuständig. Die Folge: Beim HFC ging es phasenweise zu wie im Taubenschlag. Zwischen 2003 und 2007 standen fünf verschiedene Trainer in der Verantwortung. Jedes Jahr wurden zehn bis 15 Spieler ausgetauscht.

Für mich ist Loyalität das höchste Gut. Als Hallenser habe ich mich immer in besonderen Maße mit dem Verein identifiziert.

Ralph Kühne

Nebenbei versuchte der Verein noch den Stadionneubau voranzubringen, erlitt dabei aber immer wieder Rückschläge. Doch Kühne ließ sich davon nicht unterkriegen: "Für mich ist Loyalität das höchste Gut. Als Hallenser habe ich mich immer in besonderen Maße mit dem Verein identifiziert." Das habe auch geholfen, mit gelegentlichen Enttäuschungen umzugehen. "Der Schlüssel unseres Erfolges war die Kontinuität" sagt er heute. Und ab 2007 stellte sich dann auch endlich der Erfolg ein.

Über Hermsdorf-Ost nach oben

Denn im Sommer verpflichtete der HFC Sven Köhler als Cheftrainer. Der hat sein erstes Treffen mit seinem späteren Vorgesetzten noch genau vor Augen: "Wir haben uns bei McDonalds an der Autobahnabfahrt Hermsdorf-Ost getroffen und relativ schnell gemerkt, dass es zwischen uns passt." Kühne bestätigt das: "Mit Sven Köhler hatte ich vom ersten Moment an einen gemeinsamen Nenner. Natürlich holt man sich im Vorfeld viele Informationen ein. Aber wenn es dann um die Entscheidung geht, muss man auf sein Gefühl hören. Und da konnte ich mich in der Regel darauf verlassen."

Die Aufgabe war durchaus ambitioniert. Schließlich waren alle Spieler, bis auf zwei Positionen, schon verpflichtet. Nach der Saison 2007/2008 wurde ein neues Ligasystem eingeführt und der HFC musste mindestens Dritter werden, um sich für die neue Regionalliga zu qualifizieren. Oder anders gesagt: Um zumindest die Viertklassigkeit in Halle zu erhalten. "Ich hab ihm damals gesagt, das ist die Mannschaft", erzählt Kühne und fragte dann: "Willst du mit der arbeiten?" Köhler wollte.

Es war mehr als ein normales Arbeitsverhältnis.

Sven Köhler zu seiner Zeit in Halle

Und nach einem holprigen Beginn startete der Hallesche FC in seine beste Phase nach der Wende. Die beiden Spieler die Köhler noch aussuchen durfte, waren Darko Horvat und Nico Kanitz – zwei echte Glücksgriffe. Sie gehörten zum Gerüst, das den HFC viele Jahre prägen sollte. Im ersten Jahr gewann Halle die Meisterschaft und schaffte so den Sprung in die Regionalliga. Zudem siegte der HFC im Landespokal – mit einem denkwürdigen Erfolg beim Erzrivalen 1. FC Magdeburg. Ein Jahr später gelang fast der Durchmarsch in die 3. Liga. 2011 zog der HFC ins neue Stadion. Wenige Monate später folgte dann tatsächlich der Aufstieg. Gemeinsam haben Kühne und Köhler den HFC anschließend im Profifußball etabliert. Für Ralph Kühne war es zweifellos der Höhepunkt seiner HFC-Zeit.

HFC Manager Ralph Kühne und CFC Trainer Sven Köhler
Beim Wiedersehen lagen sich Kühne (l.) und Köhler in den Armen. Bildrechte: IMAGO

Wie sich Ralph Kühne verändert hat

Acht Jahre lang, bis August 2015, war Sven Köhler Trainer in Halle. Eine Zeit, die den Verein prägte, die aber auch den Manager veränderte. "Obwohl er mich am Ende genauso rausgeschmissen hat wie jeden anderen Trainer, sind wir heute Freunde", sagt Köhler. "Es war mehr als ein normales Arbeitsverhältnis." Gemeinsam mussten sie lernen, sich auf dem deutschlandweiten Fußballmarkt zu behaupten. Im Umgang mit Beratern und deren leeren Versprechungen gab es die eine oder andere bittere Erfahrung. Doch Kühne lernte schnell und machte vor allem mit gelungenen Wintertransfers – Furuholm, Ziebig und Leistner, sowie Kruse und Sembolo – von sich reden.

Über die Jahre habe sich vor allem Kühnes Umgang mit den Mitarbeitern gewandelt, hat Köhler beobachtet: "Aus meiner Sicht ist er volksnäher geworden und vielleicht etwas umgänglicher. Früher wirkte er sehr von oben herab." Eine Einschätzung, der Kühne nicht widersprechen möchte: "Man wird souveräner. Ich bin als Spieler in diese Funktion gewechselt. Da gab es natürlich Unsicherheiten."

"Ich bin nicht mediengeil"

Neben vielen gelungenen Transfers sind aber auch Kühnes Ausraster legendär. Während des Hinspiels gegen Magdeburg knöpfte er sich Marvin Ajani vor. Vor einigen Jahren, nach einem Spiel mit zahlreichen Fehlentscheidungen von Schiedsrichter Benjamin Brandt, stellte Kühne diesen wutentbrannt zur Rede. Auch einige Journalisten bekamen früher den Zorn des Managers zu spüren, wenn er sich ungerecht behandelt fühlte. Sein Verhältnis zu den Medien war immer ein schwieriges. Ein Umstand, für den Ex-Vorstandskollege Jörg Sitte durchaus Verständnis hat. "Ralph ist oftmals sehr sensibel. Er braucht sehr lange, bevor er zu jemandem wirkliches Vertrauen aufbaut. Deshalb wirkt es oft so, als ob er eine Mauer um sich gezogen hätte." Journalisten und Fans können Dinge im Nachgang bewerten, erklärt der frühere Vizepräsident. Dagegen müssen Vorstände in die Zukunft schauen. "Vielleicht hat Ralph manchmal Dinge zu persönlich genommen."

Nur weil man nicht in Halle ist, heißt das ja nicht, dass man die drei, vier notwendigen Telefonate nicht trotzdem machen kann.

Ralph Kühne

Kühne selbst bestätigt, dass er Medien – wenn möglich – am liebsten aus dem Weg ging: "Ich musste meinen Namen nicht jeden Tag in der Zeitung lesen. Ich bin sicher nicht mediengeil. Im Gegenteil: Ich habe immer versucht, ungesehen an der Kamera vorbei zu kommen." Natürlich hätte er sich an mancher Stelle mehr Zuneigung gewünscht, gibt er unumwunden zu. Auch hätte er sicher öfter die Nähe zu den Fans suchen können. "Zumindest ist über die Jahre aber ein gegenseitiger Respekt gewachsen."

Ralph Kühne
Internetforen sind Ralph Kühne suspekt. Bildrechte: IMAGO

Die sozialen Netzwerke und vor allem dort geäußerte Vorwürfe sind Kühne suspekt. Sie sind auch ein Grund dafür, dass er sich in den vergangenen Jahren noch weiter zurückgezogen hat. Aber zumindest eine Sache lässt ihn schmunzeln – der Vorwurf, er sei zu oft im Urlaub gewesen. "Wenn es nur ansatzweise eine Situation gegeben hätte, wo es eine wichtige Entscheidung gab, und ich nicht da war, dann hätte ich den Vorwurf gelten lassen. Aber so lasse ich das nicht an mich ran." Schließlich habe er sehr gut einschätzen können, wann eine Verpflichtung zu tätigen oder ein Ergebnis zu erwarten war. "Nur weil man nicht in Halle ist, heißt das ja nicht, dass man die drei, vier notwendigen Telefonate nicht trotzdem machen kann." Und auch Sven Köhler hatte meist Verständnis für das Vorgehen seines Chefs: "Meines Wissens war Ralph ja die meiste Zeit ehrenamtlich beschäftigt. Da muss man ihm dann auch mal Urlaub zugestehen."

Der Kreis des Lebens

Über die Jahre gingen viele verdiente Spieler. Nico Kanitz etwa oder Darko Horvat. Irgendwann war auch für Sven Köhler Schluss. Kurz nachdem er Fabian Bredlow zur Nummer 1 im Tor gemacht hatte. Der junge Torwart war die letzte große Verpflichtung des Duos Kühne und Köhler. So ist der Lauf der Fußballwelt. Alte Kräfte haben ausgedient, neue füllen ihre Lücke. Mit Köhlers Abgang kam die Unruhe zurück zum HFC. Es begann ein tiefgreifender Umbruch, der den Verein bis heute beschäftigt. Und der letztendlich dazu führte, dass Ralph Kühne seine langjährige Arbeit beim Halleschen FC in wenigen Tagen beenden wird.

Im zweiten Teil lesen Sie, wie der HFC in Schieflage geriet, warum der alte Vorstand zerbrach und was Ralph Kühne in Zukunft vor hat. Teil 2 erscheint vorausssichtlich am Dienstag, 22. Mai.

Mehr zum Thema

Manager Ralph Kühne (Hallescher FC Halle)
Will erst die Krise bewältigen und dann abtreten: HFC-Manager Ralph Kühne Bildrechte: IMAGO
Tor zum 2:0 durch Stefan Kleineheismann (HFC)
Bildrechte: IMAGO

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 16. Mai 2018 | 07:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018, 14:00 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

8 Kommentare

17.05.2018 22:13 Realist 8

Danke Ralph,
Ralph Kühne hat auch in schwierigen Zeiten den HFC die Treue gehalten und große Verdienste für den Erfolg des HFC. Für deinen weiteren Weg wünsche ich Dir alles Gute.

17.05.2018 12:30 FatTony 7

Oh, endlich mal ein guter Artikel, der das große Ganze betrachtet und die erbrachten Leistungen würdigt.
"Mit Köhlers Abgang kam die Unruhe zurück zum HFC. Es begann ein tiefgreifender Umbruch, der den Verein bis heute beschäftigt."
Das ist wirklich war, hoffen wir mal das es mit Kühnes Abgang nicht noch schlimmer wird.

16.05.2018 19:31 Banne 6

Nr.3-Ich bin genau Deiner Meinung! Ich möchte Herrn Kühne auch noch Danke sagen für die Zeit die er beim HFC gearbeitet hat.Ich denke schon das er gute Arbeit geleistet hat.Auf diesem Wege,alles Gute für die Zeit nach dem HFC.Ich würde mir wünschen das er dem HFC verbunden bleibt-vielleicht auch mit Rat und Tat.Alles Gute --Ralph Kühne