Rassismus, Sexismus oder Homophobie Warum schweigen Profisportler?

Sie sind noch immer in der Minderheit: Athleten, die gesellschaftliche Probleme ansprechen. Warum halten sie sich zurück? Wovor haben sie Angst? Und könnte die Corona-Krise etwas verändern? Ein Film über die Suche nach Antworten.

Rassismus? Sexismus? Homophobie? Nein: Sportler haben über Sport zu sprechen – und über nichts anderes. Das war jahrelang die Vorstellung von Funktionären oder Fans. Und noch heute denken manche so.

Zwar gibt es mittlerweile Athleten, die für mehr stehen wollen als ihren Sport und das auch zum Ausdruck bringen. Die Mehrheit aber schweigt – ganz gleich, in welcher Sportart. Doch warum ist das so? Dieser Frage geht MDR SACHSEN-ANHALT nach.

Auf ihrer Reise sprechen die Macher des Films mit Profisportlern aus Sachsen-Anhalt unterschiedlicher Sportarten: Fußballern, Leichtathleten oder Basketballern.

Welche Rollen spielen die Vereine und Fans? Welche die Berater? Welche die Medien? Und: Könnte sich durch die Corona-Krise etwas verändern? Der Film sucht nach Antworten.

Die Protagonisten des Films "Wir bekommen einen Maulkorb umgespannt"

Terrence Boyd
Terrence Boyd ist Fußballprofi beim Halleschen FC. Er sagt: "Ich finde es blöd, dass Politik ein Tabu-Thema ist. Aber das ist mir scheißegal. Ich lasse mir von keinem den Mund verbieten." Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener
Terrence Boyd
Terrence Boyd ist Fußballprofi beim Halleschen FC. Er sagt: "Ich finde es blöd, dass Politik ein Tabu-Thema ist. Aber das ist mir scheißegal. Ich lasse mir von keinem den Mund verbieten." Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener
Tremmell Darden
Tremmell Darden aus Los Angeles ist Basketballprofi beim Mitteldeutschen BC. Er sagt: "Wir spielen dieses Spiel, um die Leute auf der ganzen Welt zu unterhalten. Aber als Profisportler willst du auch für gesellschaftliche Veränderungen sorgen." Bildrechte: imago images/Hartmut Bösener
Konstantin Konga
Konstantin Konga ist Basketballprofi in Ludwigsburg und wurde beim Auswärtsspiel gegen den MBC mit Affenlauten beleidigt. Er sagt: "Es gibt einfach Themen, zu denen du Stellung beziehen musst, wenn du ein bisschen Charakter hast." Bildrechte: imago images/Nordphoto
Martin Geissler in der Arena Leipzig.
Martin Geissler ist Geschäftsführer des Mitteldeutschen Basketball Clubs. Er sagt: "Die Spieler stehen in einer gewissen äußeren Erwartungshaltung. Und die ist, dass sie lieber einmal mehr sagen sollen, wie schlimm manche Sachen sind, anstatt auch besänftigend einzuwirken." Bildrechte: imago images/Hartmut Boesener
Jens Peltsch-Hahnemann (Vorsitzender MBC-Fanclub Alphawölfe)
Jens Peltsch-Hahnemann ist Vorsitzender eines MBC-Fanclubs. Er sagt: "Ein Spieler würde sich unglaubwürdig machen, wenn er eine Äußerung zu gesellschaftlichen Themen in der Region macht und dann in der nächste Saison weg ist – oder wenn das von oben vorgegeben wird." Bildrechte: imago images / Hartmut Bösener
Mario Gomez (Stuttgart, re.) gegen Maik Franz (Karlsruhe).
Maik Franz (l.) war Bundesligaprofi und ist heute Sportlicher Leiter beim 1. FC Magdeburg. Er sagt: "Wir prangern jeden möglichen Scheiß an, zu allem haben wir eine Meinung. Zu Sachen wie Rassismus sind die Meinungen bei den meisten klar, aber sie dann auch nach außen zu vertreten, ist wichtig. Wir sind alle dazu angehalten, Gesicht zu zeigen." Bildrechte: imago/Sven Simon
Mario Kallnik
Mario Kallnik ist Geschäftsführer des 1. FC Magdeburg. Er sagt: "Wenn ein prominenter Profifußballer direkt für eine Partei werben würde, wäre das nicht in Ordnung." Bildrechte: imago/foto2press
Ruderer Maximilian Planer Olympia
Max Planer aus Bernburg ist Ruderer. Er sagt: "Früher gab es Nelson Mandela, heute gibt es Profisportler, die ihre Karriere aufs Spiel setzen, um gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen." Bildrechte: Deutscher Ruderverband/Schwier
Robert Claus bei einer Lesung in Chemnitz
Robert Claus ist Fan- und Extremismusforscher. Er sagt: "Rechtsextremismus geht die ganze Gesellschaft an und ist bedrohlich für die Demokratie. Da sind Sportler nicht ausgenommen, sich dazu zu positionieren und diese Gefahr als solche zu benennen." Bildrechte: MDR/Anett Linke
Christoph Karpe, Sportchef der Mitteldeutschen Zeitung
Christoph Karpe ist Sportchef bei der Mitteldeutschen Zeitung. Er sagt: "Natürlich haben Sportler eine Vorbildwirkung. Der sind sie sich vielleicht nicht bewusst – oder sie werden gebremst, von Vereinen, Beratern und eigenen Skrupeln." Bildrechte: MDR/Daniel George
Markus Hein, HFC
Markus Hein aus Wittenberg ist Spielerberater. Er sagt: "Rassismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen. Dazu sollten noch mehr Profifußballer klar Stellung beziehen." Bildrechte: imago/Picture Point
Trainer Thomas Hoߟmang (Magdeburg)
Thomas Hoßmang ist Nachwuchsleiter beim 1. FC Magdeburg. Er sagt: "Es ist wichtig, dass man in der heutigen Zeit Jungs hat, die eine Meinung haben und Verantwortung übernehmen."

Quelle: MDR/dg
Bildrechte: imago/Matthias Koch
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Die Macher des Films

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Daniel George Hallo! Ich bin Daniel George und arbeite seit 2017 im Online-Team von MDR SACHSEN-ANHALT. Seit fast zehn Jahren berichte ich nun schon über Sport in unserem Land. Gesellschaftliche oder politische Äußerungen von Sportlern waren dabei immer eine Seltenheit. Ich fragte mich: warum eigentlich? Unser Film liefert Antworten.

Max Schörm
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über Max Schörm Hallo! Ich bin Max Schörm und seit 2017 im Online-Team von MDR SACHSEN-ANHALT. Dort bin ich vor allem für Erklär-Videos zuständig – und nun für die technische Produktion dieses Films. Den haben wir übrigens ausschließlich mit einem Handy und einer Spiegelreflexkamera gedreht.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 04. Mai 2020 | 19:00 Uhr

9 Kommentare

Britta.Weber vor 29 Wochen

Sandra23, ich hoffe mal, dass ihr Beitrag nicht satirisch gemeint war und antworte. Die nationale Identität (bei uns, deutsch zu sein) ist außerordentlich wichtig für die Stabilität eines Landes, für die Leistungen seiner Bürger. In der ganzen Welt empfinden Menschen Stolz auf ihr Land. Ich habe das im Ausland oft erlebt, in Polen, der Ukraine, in Thailand, den USA und anderswo, und habe die Menschen bewundert. Wir Deutsche haben aufgrund der herausragenden kulturellen, wissenschaftlichen und technischen Leistungen von uns und unseren Vorfahren Grund dazu! Ich empfinde diesen Stolz!
Ihre Aussage zur deutschen Sprache ist sachlich falsch. In der Sarrazindebatte vor einigen Jahren kam heraus, dass viele der Migranten in Westberlin die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrschen. Özil brauchte- obwohl hier geboren- bei seiner Pressekonferenz einen Dolmetscher.

Sandra23 vor 29 Wochen

Da hast du wohl Recht. Es ist traurig, wenn die Fans die Politik mit ins Spiel bringen und dann auf diese Art. Ich war bei vielen Spielen dabei, bei denen die Ultras entscheidend gestört haben. Von den Spielern wird viel abverlangt, die Fans dürfen sich leider niveaulos benehmen. Wenn der eigene Verein ohne solche Aktionen nicht gewinnen kann, sollten die Spieler mehr trainieren. Ich finde es schade, dass der schöne Sport so immer einen proletarischem Touch beibehalten wird...

YangMimpi vor 29 Wochen

Das traurige an der Sache ist ja, dass man für "deutsch sein" nichts machen braucht. Man muss nur das "Glück" gehabt haben zwischen bestimmten künstlichen Linien auf der Weltkarte geboren worden zu sein. Man selber braucht dazu nix aktiv beitragen. Aber stolz kann man immer darauf sein, auch wenn es noch so armselig ist.

Und wer glaubt, dass man durch eigenes Tun nichts für sich erreichen kann, der hat sowieso eine traurige Einstellung zum Leben.

Und noch ein Wort zu den "Fußballfans": Vielleicht spielen diese nicht ansässigen Spieler in diesen Vereinen weil sie A: besser Fußball spielen und B: weniger Geld verlangen? Vielleicht hat ein ansässiger Fußballer für sich die Entscheidung getroffen woanders zu spielen, was sein gutes Recht ist!?

Naja, für manche national engagierte Menschen muss an dem Ort wo man geboren ist leben, Urlaub machen, Fußball spielen etc. ... bloß keinen Schritt oder Blick über den Tellerrand wagen. Dann könnte man ja merken, dass man auf dem Holzweg ist ;-)

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