Jens Rauschenbach (Vorstand HFC)
Am Sonntag ist Jens Rauschenbach zum HFC-Präsidenten ernannt worden. Bildrechte: imago/VIADATA

Neuer Präsident Alles auf Rauschenbach beim HFC

Jens Rauschenbach beerbt Michael Schädlich und ist neuer Präsident des Halleschen FC. Obwohl ihm sehr große Nähe zur Stadt Halle und deren Oberbürgermeister nachgesagt wird, könnte er ein Glücksgriff für den Verein sein. Eine Einschätzung.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Jens Rauschenbach (Vorstand HFC)
Am Sonntag ist Jens Rauschenbach zum HFC-Präsidenten ernannt worden. Bildrechte: imago/VIADATA

Jens Rauschenbach musste lachen, als er das Hörfunkstudio in Magdeburg verließ. Soeben war eine Episode mit ihm für den HFC-Podcast "Der Badkurvenversteher" aufgezeichnet worden. "Dass ich mal diesen Weg einschlage, war in meiner Lebensplanung eigentlich nicht vorgesehen. Aber das Leben ist bunt und voller Überraschungen", sagte er. Mit "diesem Weg" meinte er die Rolle als HFC-Präsident. Kurz zuvor hatte der 49-Jährige erstmals öffentlich erklärt, für das Amt zur Verfügung zu stehen, sollte er in den neuen HFC-Vorstand gewählt werden – gegenteiligen Äußerungen aus den Monaten zuvor zum Trotz. 

Am Sonntag wurde Rauschenbach dann tatsächlich gewählt. Bei der Vorstandswahl bekam er mit 332 Stimmen die meisten aller Kandidaten. Von seinen Vorstandskollegen wurde er umgehend zum neuen Präsidenten gekürt. Die Mitglieder feierten ihn anschließend lautstark, berichten Teilnehmer der Versammlung. Rauschenbach genoss diesen Moment und das klare Votum. "Es fühlt sich nach Verantwortung und Freude an", sagte er.

Vom feindlichen Eindringling zum gefeierten Retter

Als Rauschenbach, der als Steuerberater und Projektsteuerer arbeitet, vor einem Jahr in den HFC-Vorstand aufgenommen wurde, war von einer feindlichen Übernahme durch Oberbürgermeister Bernd Wiegand die Rede. Es ist bemerkenswert, wie sich die Wahrnehmung von ihm beim HFC innerhalb kurzer Zeit verändert hat.

Der 49-Jährige koordiniert mit seinem Unternehmen viele Bauprojekte in Halle und gilt als enger Vertrauter Wiegands. Auch wenn er immer wieder betont, dass beide keine Freunde seien: "Wir haben ein gutes Arbeitsverhältnis, aber wir fahren nicht zusammen in den Urlaub", so Rauschenbach. Und mittlerweile setzt er Wiegand auch öffentlich eine Grenze: "Der OB hat erklärt, sich in Wahlen und interne Vereinsangelegenheiten nicht einzumischen. Daran werden wir ihn messen."

Keine Belege für Vetternwirtschaft

Dennoch wurde den beiden immer wieder Vetternwirtschaft vorgeworfen. Im vergangenen Jahr hieß es etwa, Rauschenbachs Unternehmen würde Ausschreibungen für die Stadt vorbereiten und sich dann selbst darauf bewerben. Weil er und seine Mitarbeiter dann Details wüssten, die andere Mitbewerber nicht kennen, bekäme seine Firma dann auch ungewöhnlich oft den Zuschlag für diese Aufträge.

Stichhaltige Belege dafür gab es nicht. Entsprechende Untersuchungen verliefen ohne Ergebnis. Rauschenbach sagte im HFC-Podcast im Mai: "Man muss sagen, dass sich alle Dinge, die da dargestellt wurden, in Luft aufgelöst haben. Alle, die das wollten – auch die Stadträte – konnten Akteneinsicht nehmen. Wenn da was gefunden worden wäre, wäre da sicher darüber berichtet worden. Deshalb bin ich sehr entspannt."

Viele Diskussionen und Missverständnisse

Dass er beim HFC zunächst sehr kritisch gesehen wurde, ist Jens Rauschenbach bewusst: "Wir sind vor einem Jahr in einer Krisensituation gekommen. Da musste man viel diskutieren und Missverständnisse ausräumen", sagt er heute. Doch eine der großen Stärken von Jens Rauschenbach ist es, Menschen  für sich zu gewinnen und von seinen Ideen zu überzeugen. Das ist bei den HFC-Fans und Mitgliedern offensichtlich gelungen.

Rauschenbach steht für Erfolg

Noch viel wichtiger ist aber: Jens Rauschenbach steht für Erfolg. Dinge, die er und sein Team angehen, gelingen in der Regel. Das Stadin in Halle dient dafür ebenso als Beispiel wie das sanierte Multimediazentrum, das bei der Flut 2013 schwer beschädigt wurde.

Oberbürgermeister Wiegand versteht sich als Macher und präsentiert gerne sichtbare Erfolge. Rauschenbach ist derjenige, der sie ihm verschafft. Man hört immer wieder von verschiedenen Beteiligten, dass der Umgang bei der Umsetzung einzelner Projekte nicht gerade rücksichtsvoll ist. Doch am Ende steht ein Ergebnis.

Glücksfall für den HFC

HFC-Präsidium
Jens Rauschenbach (r.) führt das neue HFC-Präsidium an. Bildrechte: MDR/ Andreas Feineis

Für den Halleschen FC ist es gut, dass Rauschenbach den Verein zu seinem Projekt gemacht hat. Innerhalb weniger Monate gelang ihm und seinen Mitstreitern die Sanierung des Clubs. Das wird auch von den Mitgliedern honoriert. Man nimmt ihm ab, wenn er sagt: "Wir haben im vergangenen Jahr vieles richtig gemacht. Deswegen liegt es mir am Herzen, das fortzuführen."

Ein klares Signal für die Zukunft, dass es für den HFC weiter nach oben gehen soll – in allen Bereichen. Letztendlich hängt Erfolg im Profifußball immer auch von den Fähigkeiten in der Vorstandsetage ab. Und da hat der neue HFC-Präsident zumindest mal einen sehr guten Start hingelegt.

In einer Reihe mit Bransch und Schädlich

Seit dem Stadionneubau 2011 ist Jens Rauschenbach dem HFC emotional verbunden. Obwohl der einstige Handballer nie ernsthaft Fußball spielte, gehörte er zu den ersten Torschützen im Erdgas Sportpark. Beim Fest zur Stadioneröffnung konnte er einen Elfmeter verwandeln. Es fällt ihm nicht schwer, zuzugeben, dass er andere Dinge besser kann als Fußballspielen. Doch auch die Vorstandsarbeit versteht er – nach eigener Aussage – als Mannschaftsspiel.  Und will mit seinem Vorstandsteam dazu beitragen, dass sich der HFC weiterentwickelt – sportlich, wirtschaftlich und strukturell.

Jens Rauschenbach steht nun in einer Reihe mit Vereinslegende Bernd Bransch, dem ersten HFC-Präsidenten nach der Wende. Er folgt auf Ulrich Holesowsky, Andreas Muth und nicht zuletzt Michael Schädlich, der dem Verein 16 Jahre lang vorstand und den HFC wieder in den Profifußball brachte. Der neue HFC-Präsident könnte derjenige sein, der den Halleschen FC nach fast dreißig Jahren zurück in die 2. Bundesliga führt. Auch wenn er darüber noch nicht so viel reden möchte, ist es sicher ein verlockendes Gedankenspiel für Rauschenbach. Und würde seine Reputation als Erfolgsgarant und Macher einmal mehr bestätigen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

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Hat die Zukunft des HFC im Blick: Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach (Mitte) Bildrechte: imago/VIADATA

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Februar 2019, 16:18 Uhr

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2 Kommentare

05.02.2019 08:24 Peter 2

Lieber MDR (Sport)
Im beigefügtem Video zur Mitgliederversammlung des Halleschen FC ,"(Fast) alles neu beim HFC", wird von 421 stimmberechtigten Mitgliedern gesprochen,welche an der MV teilnahmen.

Diese Aussage ist schlechthin FALSCH !

Es waren zwar 421 Mitglieder anwesend , davon aber "nur" 374 stimmberechtigt. Die Restlichen waren laut Statut des Vereins noch nicht stimmberechtigt.

Also wenn man schon berichtet dann doch bitte wahrheitsgemäß!
RWG

ANMERKUNG MDR SACHSEN-ANHALT:
Sie haben recht, da ist uns ein Fehler unterlaufen. Wir bitten um Entschuldigung.

04.02.2019 19:22 Hallenser 1

Spannend wird es, wenn Wiegand ihn mal fallen lässt bzw. selber fällt, denn dann fällt Rauschenbach mit.

Mal sehen, wie wichtig der HFC dann noch ist.