Titeljagd – die Kolumne über den SC Magdeburg Hungrig bleiben, SCM!

Beim Sieg gegen Kiel beweist der SCM sein derzeitiges Selbstverständnis. Zudem zeigt Torwart Thulin sein Potenzial. Doch bei aller Euphorie ist eines entscheidend: nicht nachzulassen.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Oliver Leiste vor einer Fantribüne mit grün-rotem Hintergrund
Ein Titel ist das große Ziel des SC Magdeburg. Sportredakteur Oliver Leiste begleitet den Club auf dem Weg dorthin. Bildrechte: MDR/ imago images / Christian Schroedter

Es ist nicht überliefert, ob Tobias Thulin in den vergangenen Wochen ein paar Mal hungrig ins Bett gehen musste. Der 24-jährige Schwede ist seit dieser Saison neben Jannick Green Torhüter beim SC Magdeburg. Sein Trainer Bennet Wiegert sagte nach dem Spiel gegen Kiel jedenfalls: "Es ist immer etwas schwieriger, wenn man das erste Mal in einem fremden Land und von zu Hause weg ist. Er hat immer bei Mama gewohnt. Jetzt muss er hier die ganze Zeit irgendwo essen gehen oder sich selbst versorgen."

Selbstverständnis eines Spitzenteams

Tobias Thulin (Magdeburg, 12) Jubelt über einen gehaltenen Ball
Tobias Thulin war gegen Kiel ein entscheidender Erfolgsfaktor. Bildrechte: imago images / Jan Huebner

Auch in der Bundesliga musste sich Thulin erstmal orientieren. In seinen ersten beiden Spielen hielt er nicht einen Ball. Doch in der vergangenen Woche hat er offenbar den Eingang in den Supermarkt gefunden und reichlich Powerriegel eingepackt. Gegen Nordhorn-Lingen zeigte der Hüter seine ersten Paraden in der Bundesliga, am Samstag gegen Kiel dann sein ganzes Potenzial. Mit neun Paraden avancierte er im Spitzenspiel zum Erfolgsgaranten.  

Der starke Schwede trug seinen Teil dazu bei, dass der SCM weiter an der Tabellenspitze steht. Nach vier Spielen hat das Team noch keinen Punkt abgegeben. Und dabei das Selbstverständnis einer echten Spitzenmannschaft gezeigt. "Egal wie groß der Rückstand ist, wir gewinnen sowieso", war die klare Ansage. Und die wurde eingehalten. Gegen Lemgo-Lippe. Und nun auch gegen Kiel. Rückschläge bringen den SCM derzeit nicht aus der Ruhe. Das kann im Titelkampf entscheidend sein.

Euphorie kann helfen

Nach dem Traumstart ist die Euphorie im SCM-Umfeld enorm. Die ersehnte Deutsche Meisterschaft scheint für viele tatsächlich möglich zu sein. Bennet Wiegert hat die Stimmung registriert und tut gut daran, die Euphorie nicht zu bremsen. Sie kann die Mannschaft tragen und den Spielern in schwierigen Situationen helfen.

Doch Wiegert weiß – genau wie seine Spieler – dass das Team noch nichts erreicht hat. Das wird in den Interviews nach dem Spiel deutlich. Alle betonen, nicht nachlassen und konzentriert bleiben zu wollen. Diese Einstellung ist wichtig und richtig.

Der SCM muss hungrig bleiben. Nicht, weil der Kühlschrank zu Hause leer ist. Sondern weil es auf dem Weg zum Titel noch viele Herausforderungen zu meistern gilt.

Oliver Leiste
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Über den Autor Oliver Leiste verfolgt den SC Magdeburg seit seiner Kindheit. Die Deutsche Meisterschaft, der Champions-League-Sieg oder der WM-Sieg des Nationalteams von 2007 sind Erinnerungen, die seine Handball-Leidenschaft geprägt haben. Seit 2015 beschäftigt er sich auch als Journalist mit den Grün-Roten.

Nun begleitet er den SC Magdeburg mit seiner Kolumne "Titeljagd" für MDR SACHSEN-ANHALT durch die Saison.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. September 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. September 2019, 15:17 Uhr

2 Kommentare

MDR-Team vor 12 Wochen

Für die Übertragung des Spiels zeichnete sich das Erste aus. Aufgrund des Vorfalls hat es dazu auch eine offizielle Stellungnahme gegeben: "Wir bedauern die vorzeitige Beendigung der Live-Übertragung der Handball-Bundesliga-Begegnung SC Magdeburg gegen THW Kiel am vergangenen Samstag im Ersten sehr. Während des Spiels war lange nicht abzusehen, dass wir es nicht innerhalb der geplanten Sendezeit zu Ende bringen würden. In der turbulenten Phase kurz vor Ende der Übertragung kam es zu internen Kommunikationsschwierigkeiten, die dazu führten, dass fälschlicherweise um 19:54 Uhr die Werbung eingestartet wurde. Dafür möchten wir uns noch einmal in aller Form entschuldigen, insbesondere bei den Handball-Fans, die zu recht enttäuscht sind."

machteborjer vor 12 Wochen

Ich persönlich hätte mich gefreut Herr Leiste, wenn in Ihrem Beitrag zum Spiel gegen Kiel das Thema Übertragungspanne der ARD eingeflossen wäre!
Es waren "lediglich" 1,5 Milionen Zuschauer die sich (vorsichtig ausgedrückt) vor den Kopf gestoßen gefühlt haben....
Aber leider... ist beim MDR (im Internet und bei Sachsen-Anhalt-Heute) zu diesem Thema nichts zu finden. In einem Bericht am Sonntag bei Sachsen-Anhalt-Heute über dieses Top-Spiel-keine Infos zum Sendungsabbruch. Darf ich fragen Wieso? Als Handball-Kenner sollten Sie wissen wie verärgert die TV-Zuschauer dieses Spiels (berechtigterweise!) waren und immernoch sind.
Totschweigen und allen Schreihälsen von "Lügenpresse" Futter geben?
Es geht "nur" um Handball....aber wie der mündige Zuschauer hier für dumm verkauft wurde (mit einer dreisten Entschuldigung) ist nicht zu fassen.
Und der zuständige TV-Regionalsender ignoriert dieses Thema auf ganzer Linie!
Für mich nicht nachzuvollziehen! Ihr habt viel Vertrauen verspielt!

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