Zwei Mädchen beim Schachspielen
Schachspielen fördert die Konzentrationsfähigkeit von Kindern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Schulprojekte Schach als Lernerfahrung für das ganze Leben

In Zeiten von Handys und Tablets fällt es vielen Kindern schwer, sich zu konzentrieren. Schachprojekte in Kitas und Grundschulen versuchen, das zu ändern. Zwei Talente aus Sachsen-Anhalt zeigen derzeit, dass sich Beharrlichkeit bezahlt machen kann.

Zwei Mädchen beim Schachspielen
Schachspielen fördert die Konzentrationsfähigkeit von Kindern. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Magdeburg steht in dieser Woche ganz im Zeichen von Schwarz und Weiß. In der Festung Mark findet der Schachgipfel des Deutschen Schachbundes statt. Bis zum Wochenende duellieren sich Großmeister mit Talenten aus der Region und kämpfen in verschiedenen Kategorien um die Titel. Sachsen-Anhalts Farben werden dabei von der Wahlmagdeburgerin Fiona Sieber (19) und vom Löberitzer Robert Stein (18) hochgehalten. Beide sind aktuell Landesmeister.

Fiona Sieber

Fiona Sieber lag beim Blitzschachturnier in Magdeburg zwischenzeitlich auf Medaillenkurs. Nach 23 Partien, im Modus "Jeder gegen Jeden", landete sie dann auf einem guten 6. Platz. Dabei hatte Sachsen-Anhalts Landesmeisterin lediglich fünf Blitzpartien verloren. Siegerin mit nur einer Niederlage wurde Marta Michna von der Schachgemeinschaft Turm Kiel.

Für Sieber ist der Schachgipfel jedoch noch nicht zu Ende. Im letzten Jahr hat die 19 Jährige Wahlmagdeburgerin überraschend den German-Master-Titel gewonnen. Vor heimischem Publikum will sie ihn gegen die sieben besten deutschen Schachspielerinnen möglichst verteidigen. Gespielt wird auch hier im Modus "Jeder gegen Jeden".

Robert Stein

Die Blitzschach-Konkurrenz der Männer war mit 29 Runden ein echter Marathon-Wettkampf. Hier schlug sich Sachsen-Anhalts Landesmeister, der Löberitzer Robert Stein, achtbar und wurde am Ende Zehnter. Der Abiturient, der für die Schachgemeinschaft 1871 Löberitz in der Oberliga spielt, steckt mitten in den Abschlussprüfungen. Sein Highlight: Das Spiel gegen den renommierten Hamburger Großmeister Jan Gustafsson, die Nummer Eins der Setzliste.

Gustafsson war zudem mehrmaliger Sekundant und Berater vom amtierenden norwegischen Weltmeister Magnus Carlsen. Beobachtet von vielen umstehenden Zuschauern ging Youngster Stein aber ohne Scheu in die Partie gegen den deutschen Star der Blitzschachszene. Nach einer recht ausgeglichenen Partie machte Gustafsson Sekunden vor Schluss einen Fehler. Ohne zögern nutzte Stein die Situation und setzte den Großmeister schachmatt.

Schach spielen sie beide, seitdem sie sieben Jahre alt waren. Nach tausenden Trainingsstunden – täglich sind es bis zu zwölf – gehören sie mittlerweile zu den besten Spielern Deutschlands. Zu den eigenen Spielen kommt dabei noch die Beobachtung und Analyse von anderen Partien. Stein erklärt: "Man braucht etwa 10.000 Stellungen, um ein gewisses Niveau zu erreichen." Durch das Angucken zahlreicher verschiedener Spielsituationen habe er inzwischen eine sehr gute Intuition beim Schachspielen. Davon profitiert er vor allem in der Schnellvariante Biltzschach.

Blitzschach Beim Blitzschach hat jeder Spieler nur drei Minuten Bedenkzeit für die gesamte Partie. Für jeden Zug werden zudem zwei Sekunden gutgeschrieben. Gespielt wird buchstäblich blitzschnell, wobei eine gute Eröffnung enorm wichtig ist.

Zielstrebigkeit und Konzentration

Bei den Blitzschachwettkämpfen am Wochenende belegten beide vordere Platzierungen. Stein und Sieber zeigen, es lohnt sich, früh mit dem Schachspielen zu beginnen und dran zu bleiben. Im Land gibt es in vielen Schulen und Kitas Schach-AGs. Deren vordergründiges Anliegen ist es jedoch nicht, kommende Deutsche Meister auszubilden. Viel mehr dient das Spiel als Konzentrationsübung, erklärt Sigrun Mösenthin, die die Kita "Knirpsenland" in Jeetze leitet: "Die Kinder sind konzentriert und zielstrebig. Sie müssen beim Spielen Strategien entwickeln, komplex denken. Ich habe den Eindruck, das spiegelt sich dann auch im Verhalten wieder."

Der Magdeburger Gedächtnisforscher Wenzel Glanz bestätigt diese Beobachtungen: "Das Kind kann sich besser konzentrieren. Das ist in der heutigen Zeit häufig schwierig. In der schnelllebigen Zeit heute sind auch Kindergartenkinder schon dabei, am Handy zu daddeln. Da ist es gut, dass Kinder über so ein strategisches Brettspiel lernen, sich über längere Zeit zu konzentrieren.

Schachmuseum bewahrt Tradition

Die Aufmerksamkeitsspanne im Kindergarten- und Grundschulalter ist begrenzt – maximal eine halbe Stunde, dann lässt die Konzentration nach. Hier setzen die Schachkurse an. Auch Fiona Sieber, die in Magdeburg Physik studiert, unterrichtet Schach in einer Kita. Im Schachmuseum in Löberitz, der Heimat von Robert Stein, oder im Schachdorf Ströbeck wird versucht, die Schachtraditionen des Landes zu bewahren und die Bedeutung des Spiels in verschiedenen Facetten aufzuzeigen.

Nachwuchs fehlt

Denn Schachvereinen im Land mangelt es dennoch an Nachwuchs. "Schach ist eher eine Randsportart", weiß Robert Stein. Jugendliche haben eher keinen Antrieb, sich länger mit einer Sache zu beschäftigen. Man muss sich erstmal darauf einstellen, so lange am Brett zu sitzen und sich so lange zu konzentrieren."

Durchaus schade, glaubt der 18-Jährige. Schließlich sei es auch in anderen Bereichen abseits des Schachbretts hilfreich, wenn man sich gut konzentrieren könne. Nicht nur er hofft deshalb, dass möglichst viele Kinder den Weg in die Schach-AGs finden. Schließlich kann man dort nicht nur ein spannendes Brettspiel, sondern etwas für das Leben lernen.

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MDR aktuell 17:45 Uhr Mo 27.05.2019 17:45Uhr 01:30 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 29. Mai 2019, 21:00 Uhr

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1 Kommentar

29.05.2019 14:11 Frank 1

Schachspielen fördert die Konzentrationsfähigkeit von Kindern. Konzentriert und zielstrebig eigene Strategien entwickeln und komplex denken. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Man kann eigentlich nur hoffen, dass sich in Zukunft noch viel mehr Kinder für diese Art von Spielen begeistern können. Denn es gibt ja nicht nur Schach als Brettspiel, sondern viele, viele andere, die ebenfalls komplexes Denken erfordern, Spaß machen und die Konzentration fördern können. Ein heute sehr wichtiger Aspekt, um später auch in Schule, Beruf oder Studium bestehen zu können. Und Schach-AGs sind dabei ein erster, aber sehr hilfreicher Schritt.

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