Deutsche Meisterschaften Schachgipfel in Magdeburg

Die deutsche Schach-Elite trifft sich am Wochenende in Magdeburg, um die Deutschen Meisterschaften auszuspielen. Besonders im Blickpunkt steht die 19-jährige Lokalmatadorin Fiona Sieber.

von Thomas Pasold, MDR SACHSEN-ANHALT

Plakat Schachmeisterschaft Magdeburg vor Festung Mark
Deutschlands Schachelite trifft sich am Wochenende in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Holger Pakendorf

Das "Who is Who" der deutschen Schachszene gibt sich vom 25. Mai bis 1. Juni in Magdeburg die Ehre. Beim Meisterschaftsgipfel des Deutschen Schachbundes (DSB) in der Festung Mark ermitteln die besten deutschen Profis und Amateure ihre Meister. Erstmals finden die Titelkämpfe gebündelt an einem Ort statt.

Zweitgrößter Schachverein Deutschlands

Die Ottostadt ist schon seit längerer Zeit eine Schachhochburg. Hier fanden bereits viele nationale und internationale Meisterschaften statt. Und mit den "Schachzwergen Magdeburg", die sich 2009 gründeten, verfügt Magdeburg über den zweitgrößten Schachverein Deutschlands. "Es wird ein richtiges Schachfest", freut sich DSB-Präsident Ullrich Krause. Mehr als 500 Schachspielerinnen und -spieler werden zum großen Gipfeltreffen des deutschen Schachs erwartet.

Menschen sitzen an Tischen und spielen Schach
Austragungsort für den Schachgipfel ist die Festung Mark. Bildrechte: MDR/Thomas Pasold

Gesucht werden die Sieger bei den German Masters (offen/Frauen), den Deutschen Einzelmeisterschaften (offen/Frauen), den Deutschen Blitz-Einzelmeisterschaften (offen/Frauen), der Pokal-Einzelmeisterschaft und dem Finale der Deutschen Schach-Amateurmeisterschaft. Der Eintritt zu allen Turnieren ist frei. Für die Zuschauer werden die Partien von Großmeistern kommentiert und analysiert.

Zusätzlich wird zeitgleich beim Bundeskongress des DSB in der Landeshauptstadt unter anderem ein neues Präsidium gewählt. In Deutschland gibt es 2.400 Schachvereine. Der DSB hat bundesweit 90.000 Mitglieder.

Lokalmatadorin will Titel verteidigen

U16-Europameisterin Fiona Sieber will in Magdeburg ihren German-Master-Titel vor heimischem Publikum verteidigen, den sie im vergangenen Jahr überraschend gewonnen hatte. Die 19-Jährige ist mit ihrem Verein Aufbau Elbe Magdeburg gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen. Sie studiert Physik an der Otto-von-Guericke-Universität in der Elbestadt.

Eine junge Frau steht vor einem Schachbrett.
Schachspielerin Fiona Sieber trainiert mehrere Stunden täglich. Bildrechte: MDR/Thomas Pasold

Mit sieben Jahren erlernte Sieber von ihrem Vater das Schachspielen. Bereits nach zwei Tagen kannte sie die Regeln. Ihr Vater meldete sie daraufhin in ihrer Heimatstadt Göttingen in einem Verein an. Mit 13 Jahren gewinnt Sieber in ihrer Altersklasse erstmals die Deutsche Meisterschaft.

Schach gehört mittlerweile zu ihrem Alltag. Bis zu fünf Stunden trainiert sie täglich. Sie rechnet Stellungen aus, sucht nach taktischen Lösungen. Vor allem Eröffnungen spielt Sieber dabei immer wieder durch. "Bei Eröffnungen kann es wichtig sein, die ersten Züge auswendig zu können", sagt sie. Ihre Gegnerinnen studiert sie mithilfe einer großen Schachdatenbank. Zum Ausgleich hat die Physik-Studentin früher Fußball gespielt. Jetzt nutzt sie dafür Sportkurse an der Universität.

Ihren German-Master-Titel muss die 19-jährige Lokalmatadorin gegen sieben Konkurrentinnen verteidigen. Ihre ärgste Widersacherin ist wohl die amtierende Weltmeisterin in der Altersklasse U16, Annemarie Mütsch. Gespielt wird dabei im Modus "Jeder gegen Jeden".

14-Jährige Nachwuchshoffnung will für Aufsehen sorgen

In der Herren-Konkurrenz werden die Augen vor allem auf die deutsche Nachwuchshoffnung Vincent Keymer gerichtet sein. Der 14-Jährige will bei den German Masters der deutschen Schach-Elite die Stirn bieten. Mit Liviu Dieter Nisipeanu und Daniel Fridman bekommt er es dabei mit den beiden besten Spielern im DSB-Kader zu tun. Nisipeanu wurde 2005 Europameister, Fridman triumphierte beim diesjährigen Grenke-Chess-Open. Dass Schachtalent Keymer mit den besten Spielern der Welt mithalten kann, wurde zuletzt bei den Grenke-Chess-Classics in Karlsruhe deutlich.

Der amtierende Weltmeister und Schach-Superstar Magnus Carlsen brauchte über sechs Stunden und sein ganzes Können, um den 14-Jährigen niederzuringen.

Schach ist Hochleistungssport

Schachbrett mit Figuren
Schach dient nicht nur der Konzentration, sondern gilt auch als gute Alzheimer-Prävention. Bildrechte: MDR/Thomas Pasold

Wer regelmäßig Schach spielt, steigert Konzentration und Selbstbewusstsein. Das analytische, logische, strukturierte und strategische Denken wird dabei gefördert. Auch wenn man sich beim Schach kaum bewegt, ist es Hochleistungssport. Albert Einstein meinte einmal: "Schach ist das schnellste Spiel der Welt, weil man in jeder Sekunde Tausende von Gedanken ordnen muss." Das Gehirn bleibt – genau wie jeder Muskel – nur fit, wenn man es trainiert. Deswegen gilt Schach auch als gute Alzheimer-Prävention, vor allem im Alter.

Allerdings kann Schach auch schon in jungen Jahren in der Entwicklung helfen. Laut einer Studie der Universität Trier werden neben logischem Denken und Konzentration auch Kreativität und Fantasie gefördert. Kinderschach wurde vielerorts in Kitas und Grundschulen getestet. Die kleinen Denksportler trainieren spielerisch. Vernetztes Denken wird dabei ebenso geübt, wie soziales Lernen. Die Kinder lernen Regeln einzuhalten und auch zu ihren Entscheidungen zu stehen. Denn wenn sie einen Zug gemacht haben, können sie den nicht mehr zurücknehmen.

Blitzmeisterschaft eröffnet den Schachgipfel

Eröffnet wird der Schachgipfel in Magdeburg durch die Deutsche Blitzmeisterschaft. Bei der schnellsten Schach-Variante haben die Teilnehmer ganze drei Minuten Zeit für eine Partie. "Da kann es aus Zeitgründen schon mal dazu kommen, dass die Figuren nur so vom Tisch fliegen", meint Michael Zeuner, einer der Meisterschaftsmitorganisatoren von den Schachzwergen Magdeburg.

Gespannt sein darf man dabei auf den Auftritt von Jan Gustafsson. Der mehrmalige Sekundant vom norwegischen Weltmeister Magnus Carlsen wird sich mit den besten deutschen Blitzschach-Spielern messen. Gustafsson wird dann auch gegen Robert Stein von der Schachgemeinschaft Löberitz antreten. Stein gewann Anfang des Jahres die Landesmeisterschaft in Sachsen-Anhalt und ist, gerade was das schnelle Spiel mit den schwarzen und weißen Figuren anbelangt, ein Könner der Szene.

Sekundant

Sekundanten stehen den Spielern als Berater zur Seite. Beide können sich in bestimmten Phasen eines Schachturniers über das weitere Vorgehen abstimmen.

In der Frauen-Konkurrenz wird dann auch Fiona Sieber erstmals mit am Tisch sitzen. Sieber ist nach eigener Aussage keine so gute Blitzschach-Spielerin. Trotzdem wird sie versuchen, es den Spezialistinnen so schwer wie möglich zu machen, den Titel einzuheimsen. Zudem kann Magdeburgs Lokalmatadorin dann vor dem Start der German-Masters schon mal ausprobieren, wie es sich so spielt mit dem berühmten Heimvorteil.

Eine junge Frau setzt eine Schachfigur.
Fiona Sieber will auch beim Blitzschach überzeugen. Bildrechte: MDR/Thomas Pasold

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Versuch namens "Schimpansen-Schach" 4 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR FERNSEHEN Do 22.11.2012 14:19Uhr 03:54 min

https://www.mdr.de/elefanttigerundco/leckerlis/video90982.html

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 27. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 25. Mai 2019, 17:44 Uhr

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