Lukas Mertens
Lukas Mertens will bald wieder beim SC Magdeburg jubeln. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Nach Kreuzbandriss "Endlich wieder Handballfotos" von SCM-Spieler Lukas Mertens

Nach neun Monaten Verletzungspause hofft Lukas Mertens beim SC Magdeburg auf sein Bundesliga-Comeback. Doch während sich der 22-Jährige bereit fühlt, hat Trainer Wiegert noch Bedenken. MDR SACHSEN-ANHALT begleitet Mertens in einer losen Serie durch die Saison. Im zweiten Teil geht es um Dankbarkeit, neue Freundschaften und die unerwartete Hilfe alter SCM-Helden.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Lukas Mertens
Lukas Mertens will bald wieder beim SC Magdeburg jubeln. Bildrechte: imago/Christian Schroedter

Auf dem Instagram-Account von Lukas Mertens herrschte lange Stille. Normalerweise postet der Linksaußen vom SC Magdeburg dort regelmäßig Handball- und Jubelfotos. Doch in den vergangenen Monaten: schweigen. Der bis dato letzte Eintrag datiert aus dem August. Zu sehen ist Mertens bei einer Stabilisierungsübung im Reha-Zentrum.

Wirklich Lust, seinen Account zu pflegen, hatte Mertens in den vergangenen Monaten einfach nicht. Denn im Mai hatte er sich beim Auswärtsspiel gegen die Rhein-Neckar Löwen das Kreuzband gerissen. Im Sommer begann dann der lange Weg zurück.

"Positive Seite der Verletzung"

Einem Reha-Aufenthalt in Donaustauf – dem Expertenzentrum für Kreuzbandpatienten in Deutschland  - folgten quälend lange Wochen Einzeltraining in Magdeburg. Anschließend ging es erneut nach Donaustauf. Die beiden Aufenthalte dort hat Lukas Mertens genossen, auch wenn sie sehr anstrengend waren. Schließlich trainieren die verletzten Sportler dort bis zu acht Stunden täglich. Trotzdem bleibt noch genug Zeit, sich mit den anderen Patienten auszutauschen.

Bei seinem ersten Aufenthalt lernte Mertens Brandon Borello vom SC Freiburg kennen. Beim zweiten Mal traf er Rennrodler Toni Eggert. Der Austausch half, mit der eigenen Situation besser klarzukommen. "Dass man solche Leute trifft, ist das Positive an so einer Verletzung", sagt Mertens. Den auch nach dem Ende der Reha-Maßnahme blieb er mit ihnen in Kontakt. Vor allem Eggert hat ihn beeindruckt. Der kam wegen eines Mittelfußbrauchs auf Krücken ins Reha-Zentrum. Zwei Wochen später saß er schon wieder auf dem Schlitten.

Während der Verletzungszeit konnte Lukas Mertens voll auf die Unterstützung des SC Magdeburg und seiner Familie bauen. Zudem suchte er Rat bei einer Sportpsychologin. Sie half ihm, in schlechten Phasen nach dem Kreuzbandriss motiviert zu bleiben. "Es ist wahrscheinlich normal in so einer langen Verletzungsphase, dass man sich auch mal nicht so gut fühlt. Aber jetzt bin ich auf dem aufsteigenden Ast und fühle mich gut", sagt Mertens.

Alte SCM-Helden helfen

Noch beim SC Magdeburg: Fabian van Olphen
Fabian van Olphen war zehn Jahre lang SCM-Kapitän. Bildrechte: MDR/ Mandy Ganske-Zapf

Doch Hilfe kam auch von unerwarteter Seite. Bei Vereinen ist oft von einer Familie die Rede – im Falle des SCM zum Beispiel von der grün-roten. Oft genug ist diese Formulierung nur eine Phrase. Beim SCM wird sie dagegen tatsächlich gelebt. Auch von Spielern, die den Verein längst verlassen haben. Denn Lukas Mertens holte sich Rat von Andreas Rojewski und Fabian van Olphen.

Beide waren lange Jahre Leistungsträger in Magdeburg. Doch mit Mertens haben sie nie zusammen gespielt. Trotzdem standen sie dem jungen Linksaußen zur Seite: "Ich habe sehr viel mit "Roje" und "Tulpe" (van Olphen – d. Red) gesprochen und telefoniert. Beide hatten ja auch schon Kreuzbandrisse," sagt Mertens.

Der frühere SCM-Kapitän van Olphen organisierte sogar den Operationstermin für ihn. Bei einem Vorbereitungsturnier in Dessau vor wenigen Wochen erkundigten sich sowohl van Olphen als auch Rojewski nach Mertens Befinden. "Das rechne ich beiden hoch an", ist Mertens dankbar und ergänzt. "Das sind dann schon auch Vorbilder."

Keine Angst, kein Aberglauben

Wenige Wochen nach der zweiten Rückkehr aus Donaustauf stieg Mertens dann wieder ins Mannschaftstraining ein. Zunächst noch dosiert und ohne Zweikämpfe. Nach und nach wurde die Belastung dann gesteigert. Eine Woche vor dem Trainingsauftakt der Bundesligamannschaft am 16. Januar trainierte er schon bei den Youngsters mit – "um mit einem guten Gefühl in den Bundesliga-Alltag zu kommen", erklärt er.

Mittlerweile trainiert er wieder voll. Die Angst vor einer erneuten Verletzung hat Lukas Mertens inzwischen überwunden. Und auch von Aberglauben hält er nichts: "Ich werde alles so lassen, wie es vorher war. Ich werde auch mit denselben Schuhen weiterspielen. Jahrelang hat mir das geholfen und mich dahin gebracht, wo ich bin. Deswegen mache ich alles so wie bisher" stellt er klar.

Lukas Mertens und Robert Weber
Die Leidenszeit ist für Lukas Mertens (Mitte) vorbei. Bildrechte: IMAGO

"Kleines" Comeback in Wilhelmshaven

Vergangenen Sonnabend trat der SCM zum Testspiel beim Wilhemshavener HV an. Auch Lukas Mertens kam dabei zum Einsatz – in seiner Heimatstadt und zum ersten Mal seit seiner Verletzung im Mai. Ein wichtiger Moment für den 22-Jährigen: "Das war ein schönes Gefühl. Irgendwie sollte es auch in Wilhelmshaven sein, bei meinem alten Verein."

Seine beiden Tore wurden sogar von den Heimfans bejubelt. Eine Geste, die im Handball nicht alltäglich ist und die Mertens dankbar wahrnahm. Denn es zeigt, dass die WHV-Fans seinen Einsatz für ihren Verein nicht vergessen haben.

Der Freude über die Spielzeit zum Trotz sieht Lukas Mertens in seinem Einsatz im Testspiel nur ein "kleines Comeback". Das große soll bald in der Bundesliga folgen. Doch SCM-Trainer Bennet Wiegert hat da noch Bedenken. Natürlich freut er sich über die Fortschritte seines Schützlings und sagt: "Ich will Lukas nicht bremsen". Trotzdem scheut sich Wiegert noch, Mertens tatsächlich in der Bundesliga einzusetzen. "Irgendwie habe ich da kein gutes Gefühl" gibt der Trainer zu, auch wenn Mertens alle Belastungstests mit Bravour bestanden habe.

Account reaktiviert

Der Linksaußen weiß das und gibt sich geduldig: "Ich hoffe, dass ich schon Sonntag gegen Melsungen zum Einsatz komme. Wenn nicht in dieser Woche, dann ist es nächste oder übernächste Woche soweit. Es wird auf jeden Fall im Februar passieren", ist er sich sicher.

Deshalb hat er auch seinen Instagram-Account reaktiviert. Positive Rückmeldungen folgten prompt. So sendete etwa Patrick Groetzki Glückwünsche. Der Nationalspieler von den Rhein-Neckar Löwen, der auch bei der WM vor wenigen Wochen im deutschen Aufgebot stand, hatte Mertens schon nach der Verletzung Mut zugesprochen.

Mit Christoph Theuerkauf meldete sich auch ein weiterer SCM-Spieler vergangener Tage: "Endlich wieder Handballfotos", freute er sich. Und wenn es nach Lukas Mertens geht, sollen in den kommenden Monaten noch viele Spiel- und Jubelfotos folgen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 08. Februar 2019 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. Februar 2019, 11:00 Uhr

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