Handball-Bundesliga SCM-Torwart Green: "Der einzige mit langen Haaren"

Jannick Green ist Torhüter des SC Magdeburg und seit Jahren ein sicherer Rückhalt für die grün-roten Handballer. Mit der dänischen Nationalmannschaft wurde er 2016 Olympiasieger. Bei der Handball-WM, die vor wenigen Wochen in Deutschland und Dänemark ausgetragen wurde, gewann Green in seiner Heimat den Titel. Im Interview spricht der Torhüter über seine dänische Heimat, große Siege und Ziele mit dem SCM.

MDR SACHSEN-ANHALT: Jannick Green, Sie kommen aus Dänemark und sind in einem kleinen Dorf groß geworden. Wie war die Kindheit dort?

Jannick Green: Es waren eigentlich fünf Häuser, die zusammen liegen. In einem Kilometer Entfernung sind noch mal fünf Häuser. Da bin ich in der Natur aufgewachsen – Wald und Meer waren in der Nähe. Es war eine schöne Kindheit. Aber irgendwann musste ich für die Ausbildung umziehen.

Welche Möglichkeiten hatten Sie dort?

Angeln, schwimmen, viel Handball und Fußball. Es waren zum Glück viele Kinder da, auch in meinem Alter. In meiner Erinnerung haben wir nur gespielt und hatten die ganze Zeit Spaß.

Nun sind Sie vor kurzem Weltmeister geworden. Die Menschen haben die dänische Mannschaft in den Hallen und auf der Straße gefeiert. Dabei lief auch ständig das Lied 'for evigt' von Volbeat. Was bedeutet es?

Das bedeutet sinngemäß, wir wollen für immer den gleichen Weg gehen.

Die Menschen in Dänemark haben sich für Ihre Mannschaft begeistert. Es gab rauschende Partys und Empfänge nachdem Sie den Titel geholt haben. Wie haben Sie das erlebt?

Die Zuschauerquote im Fernsehen lag bei 2,5 Millionen. Und wir sind ja nicht so viele in Dänemark, 5,8 Millionen oder so. Jeder hat über Handball gesprochen. Das hat wahnsinnig Spaß gemacht. Nachdem wir gewonnen haben, waren wir in Herning auf dem Rathausbalkon. Da waren ein paar Tausend Leute. Das war unglaublich.

Am nächsten Tag ging es dann nach Kopenhagen auf den Rathausbalkon. Da waren dann noch viel mehr. Keine Ahnung, wie viele Menschen das waren. Das war sehr beeindruckend. Dieses Erlebnis war großartig und bleibt hoffentlich für immer in meinem Kopf.

Dänische Herrenhandballmannschaft feiert auf dem Kopenhagener Raadhusplads
Weltmeister-Party auf dem Rathausbalkon in Kopenhagen – ein besonderer Moment für Jannick Green (Mitte). Bildrechte: imago/Ritzau Scanpix

Sind Sie jetzt Legenden in Dänemark?

Legenden vielleicht nicht. Aber natürlich ist Handball gerade sehr populär. Wir versuchen, viel zur Verfügung zu stehen. Die Kinder können in der Halle unser Training beobachten. Wir versuchen, so viel wie möglich mit allen Leuten zu reden, denn wir wollen dieses große Interesse gerne aufrechterhalten.

Das wird auch in Deutschland versucht. Sie sind eines der Gesichter des SC Magdeburg. Was ist das Besondere an Ihnen?

Ich bin der einzige mit langen Haaren. So kann man mich erkennen. (lacht)

Neben Ihren Haaren fallen Sie ja vor allem durch gute Leistungen auf. Nach dem Weltmeistertitel habt ihr beim SCM einen Superstart nach der Winterpause hingelegt und nun auch gegen Kiel gewonnen. Sie haben mit 14 Paraden zum Sieg beigetragen. Was bespricht man nach so einem Erfolg in der Kabine?

Bei dem Spiel gab es unglaublich viele geile Sachen. Aber dort zu gewinnen, gegen 10.000 Zuschauer, das war großartig. Wir haben unglaublich gut gespielt – vorne und hinten. Jeder hat seinen Teil dazu beigetragen. Das war schon besonders.

Handballspieler jubeln und beglückwünschen sich nach dem Spiel.
Zum zweiten Mal überhaupt gewann der SCM in Kiel. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

War Ihnen klar, dass Generationen von SCM-Handballern sich an einem Sieg in Kiel die Zähne ausgebissen haben? Der bisher einzige Sieg gelang schließlich 2003.

Der Trainer hatte uns vorher gesagt, dass Magdeburg sehr lange nicht in Kiel gewonnen hat. Und danach haben wir natürlich gesehen, wie sehr sich die Fans gefreut haben. Die Fans haben uns dann draußen am Bus empfangen. Das war Wahnsinn.

Aber ich muss auch sagen, wir waren in den letzten Jahren schon nah dran. Und diesmal haben wir verdient gewonnen.

Haben Sie eigentlich mal gemessen, mit welcher Geschwindigkeit Ihre Gegenspieler Ihnen die Bälle um die Ohren hauen?

Die Besten schaffen 120 Kilometer pro Stunde. Aber zum Glück werfen nicht alle so hart. Das wäre ein Problem. Es ist etwas Besonderes, da zu stehen. Manchmal kommen sie im Konter und du stehst da alleine. Aber das Schönste ist es, eine Parade zu machen, und dann das Gesicht des Gegners zu sehen.

Torwart Jannick Green Krejberg (Magdeburg), Aleksander Svitlica (Minden) Minden
Seit 2014 hütet Green das SCM-Tor. Bildrechte: IMAGO

Als Torwart haben Sie eine wahnsinnige Reaktionsschnelligkeit. Hatten Sie die schon immer? Und wie kann man die trainieren?

Es gibt tausende Übungen, die man da machen kann. Aber bei Torhütern kommt es nicht nur auf Reaktionen an. Einige leben sehr von ihrer Reaktionsfähigkeit. Andere haben ein gutes Positionsspiel, andere sind einfach sehr groß. Deswegen muss nicht jeder sonderlich schnell sein. Auch ich arbeite da nicht jeden Tag daran, auch wenn ich natürlich versuche, schnell zu bleiben.

Lassen Sie sich im Alltag auch von Ihren Kindern testen?

Wenn ich zuhause bin, versuche ich mich nicht auf Handball zu konzentrieren. Das ist nicht immer einfach, denn vor allem mein Sohn ist unglaublich handballinteressiert und will immer spielen. Aber wir versuchen schon auch andere Dinge zu machen.

Am Wochenende spielt der SCM gegen Stuttgart. Wie ernst nehmen Sie diesen Gegner, nachdem Sie gegen Melsungen und Kiel gewonnen haben?

Gerade das kann gefährlich sein nach diesen beiden Erfolgen. Aber wenn wir gegen Stuttgart verlieren, haben wir gar nichts gewonnen. Dann sind die anderen beiden Siege egal. Wir wollen gewinnen, aber es ist ein unangenehmer Gegner. Deshalb müssen wir sie sehr ernst nehmen.

Der SCM ist aktuell Vierter. Was ist das Ziel für die restliche Saison?

Das Ziel bleibt das gleiche. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Dann werden wir sehen, wohin uns das bringt. Bisher haben wir eine gute Saison gespielt. Leider hatten wir einen schlechten Dezember. Das können wir noch korrigieren. Aber dafür brauchen wir in fast jedem Spiel einen Sieg. Dann kann es noch ein paar Plätze nach oben gehen.

Die Fragen stellte Wolfram Engel

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 20. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 21. Februar 2019, 18:54 Uhr

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