Robert Weber (Rechtsaußen SC Magdeburg)
Robert Weber war jahrelang der beste Werfer beim SC Magdeburg. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Vertrag endet SCM-Star Robert Weber: "Ein Titel zum Abschied wäre ein Traum"

Im Sommer endet für Robert Weber die Zeit beim SC Magdeburg. Zehn Jahre lang hat er die Mannschaft mitgeprägt. Nach einem stürmischen Herbst ist er mittlerweile mit sich im Reinen. Im Interview spricht er über seinen Lieblingsort in Magdeburg, veränderte Voraussetzungen beim SCM und seinen großen Wunsch zum Abschied.

Robert Weber (Rechtsaußen SC Magdeburg)
Robert Weber war jahrelang der beste Werfer beim SC Magdeburg. Bildrechte: imago/Jan Huebner

MDR SACHSEN-ANHALT: Robert Weber, wir wollen heute über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sprechen. Beginnen wir mit der Gegenwart: Der SCM ist mit vier Siegen aus vier Spielen ins Jahr 2019 gestartet. Ein gelungener Start, oder?

Robert Weber: So kann man das sagen. Es war ein perfekter Start für uns in 2019. Überraschend war sicher der Sieg in Kiel. Da hat keiner mit gerechnet.  Aber auch beim Bergischen HC war es ein sehr schweres Auswärtsspiel für uns. Das ist einer der stärksten Aufsteiger in den vergangenen Jahren und hat auch schon öfter überrascht. Aber wir wussten, dass da ein schweres Brett auf uns zu kommt und haben das souverän gelöst.

Was wäre Ihnen wichtiger zum Saisonende – nochmal den DHB-Pokal zu gewinnen oder unter die Top 3 der Handball-Bundesliga zu kommen?

Am liebsten wäre es mir, wenn wir 2019 alle Spiele gewinnen. Ich verlasse den Verein, aber ich wünsche dem SCM nur das Beste. Deswegen würde ich dem Verein einen Champions-League-Platz gönnen. Dafür möchte ich auch alles tun, damit wir in Schlagdistanz bleiben. Aber mich mit einem Titel zu verabschieden, wäre ein großer Traum von mir.

Manche behaupten, der SCM hat das leichteste Restprogramm. Flensburg und die Rhein-Neckar Löwen kommen noch nach Magdeburg. Wenn man alle Spiele gewinnt, kommt man ja um Platz 2 oder 3 gar nicht herum, oder?

Ziel ist es natürlich, jedes Spiel zu gewinnen. Aber auch wenn es eine blöde Floskel ist: Wir denken von Spiel zu Spiel. In gut einem Monat ist DHB-Pokal. Das wird das nächste Etappenziel, dort auf den Punkt bereit zu sein. Bis dahin versuchen wir einfach, im Rhythmus zu bleiben und jedes Spiel zu gewinnen.

Nun stehen wir hier im Magdeburger Rotehornpark am Elbufer – ein besonderer Ort für Sie?

Definitiv. Als wir vor zehn Jahren nach Magdeburg gekommen sind, haben wir den Hund angeschafft. Egal wo wir gelebt haben, sind wir immer hier raus in die Natur gefahren. Meine Frau und ich sind sehr naturverbunden, und mein Sohn jetzt auch. Es gibt einem die Möglichkeit abzuschalten. Hier hat man eigentlich immer Ruhe und wird nicht belästigt. Viele, die hier rauskommen, haben selbst Hunde. Das tut unserer Seele gut, und auch der Hundeseele.

Aber das ist sicher nicht das Einzige, was Sie ab Sommer vermissen werden?

Da gibt es schon einiges. Zehn Jahre vergisst man nicht so schnell. Es gibt viele Orte und Momente, die wir wahrscheinlich ewig in Erinnerung behalten werden.

Nachdem klar war, dass Ihr Vertrag beim SC Magdeburg nicht verlängert wird, war der Herbst ziemlich stürmisch. Haben sich die Wogen inzwischen geglättet?

Zu Beginn war es für mich sehr schwierig. Ich habe mich selber sehr unter Druck gesetzt und wollte unbedingt gleich einen neuen Verein präsentieren. Auch von Vereinsseite war es nicht einfach, was ich jetzt im Nachhinein besser verstehe. Daniel Pettersson und ich spielen zu zweit auf dieser Position. Weil Daniel noch bleibt, war auch klar, dass er Spielpraxis bekommen muss. Da habe ich ein bisschen Zeit gebraucht, um das zu verstehen. In der Phase hätte man sicher ein paar Dinge anders machen können.

Aber ich bereue trotzdem nichts. Mittlerweile bin ich glücklich mit der Entscheidung. Für mich hat sich im November oder Dezember ein Schalter umgelegt. Da habe ich gemerkt, dass es nichts bringt, sich selber verrückt zu machen. Ich wollte einfach wieder den Spaß am Handball haben. Ich denke, das habe ich auch in Trainings- und Spielleistungen gezeigt und so das Vertrauen von Bennet Wiegert wieder bekommen.

Wenn es gut läuft, haben Sie am Ende nach zehn Jahren beim SC Magdeburg zweimal den DHB-Pokal gewonnen. Hätte man Sie am Anfang gefragt, was sie sich beim SCM erhoffen, wären zwei Titel doch sicher etwas wenig gewesen?

Als Leistungssportler spielen wir, um Titel zu gewinnen. Doch als ich hier ankam, war es eine ganz andere Situation. Da hatte man nicht das Personal dafür und auch wirtschaftlich hatte der Verein Probleme zu jener Zeit.

Mittlerweile hat sich vieles positiv verändert. Deswegen glaube ich, dass man in Zukunft häufiger um die Champions-League-Plätze mitspielen wird, vielleicht sogar um die Deutsche Meisterschaft. In der Vergangenheit war das so nicht möglich. Im Großen und Ganzen haben wir über die zehn Jahre das Maximale rausgeholt. Zu Beginn sind wir ein paar Mal Achter oder Neunter geworden. Seit ein paar Jahren sind wir nun regelmäßig bei den Top-Teams dabei. Es fehlt nicht viel. Und die Verantwortlichen treiben die Personalentwicklung so voran, dass der SCM in diesem Bereich bleiben wird, oder vielleicht sogar noch einen Schritt weiter kommt.

Wir sind auch seit fünf Jahren regelmäßig beim DHB-Pokal-Final-Four dabei. Diese Konstanz ist ganz wichtig. Klar, wenn ich irgendwann meine Karriere beende, und da steht nur ein Titel, kann man denken, das ist zu wenig. Andererseits gibt es auf dieser Welt nicht viele Spieler, die so einen Pokal gewonnen haben. Und vielleicht gewinne ich ihn ja auch noch ein zweites Mal.

Bennet Wiegert, Nemanja Zelenovic, Robert Weber, Marko Bezjak am Spielfeldrand.
Das Verhältnis von Robert Weber (Nummer 28) und Trainer Bennet Wiegert war nicht immer ganz einfach. Bildrechte: imago/Beautiful Sports

Haben Sie den Schritt nach Magdeburg je bereut?

Auf keinen Fall. Das sind zehn Jahre, die ich nicht missen möchte. Da sind viele schöne Sachen passiert. Ich habe einen richtigen Magdeburger Jungen bekommen. Mein Sohn wird auch das schönste sein, was ich aus Magdeburg mitnehme. Jetzt kommt so langsam die Zeit, wo man ein bisschen sentimental wird. Für mich war es nicht absehbar, dass ich nach zehn Jahren schon gehe. Eigentlich war es geplant, noch etwas zu bleiben – vielleicht sogar für immer.

Jetzt ist es anders gekommen. Aber wir als Familie denken immer: Wenn eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Und jetzt freuen wir uns auf den nächsten Schritt in unserem Leben.

Lassen Sie uns noch etwas in die Zukunft schauen. Wo geht die Reise im Sommer hin?

Ich habe etwas in Aussicht, aber es ist noch nichts unterschrieben. Mal gucken, was die nächsten Wochen so bringen.

Die Fragen stellte MDR-SACHSEN-ANHALT-Reporter Jens Keller.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 08. März 2019, 17:16 Uhr

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1 Kommentar

08.03.2019 19:02 gerd 1

Danke Robert für zehn tolle Jahre bist und bleibst ein Machteburjer Jung.