Florian Wellbrock
Florian Wellbrock ist Europameister über 1.500 Meter Freistil. Bildrechte: IMAGO

Gold und Bronze bei der Schwimm-EM in Glasgow Florian Wellbrock zieht das große Los

Täglich muss Florian Wellbrück ein enormes Pensum absolvieren. Doch mit Fleiß und einiger Unterstützung aus Magdeburg ist er zum besten Langstreckenschwimmer Europas geworden.

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Florian Wellbrock
Florian Wellbrock ist Europameister über 1.500 Meter Freistil. Bildrechte: IMAGO

Die Worte von Florian Wellbrocks Vater waren eindeutig: "Mach was draus, Junge", gab er seinem Sohn 2014 mit auf den Weg. Der Schwimmer wechselte damals von Bremen ins Sportinternat nach Magdeburg. Und nun, vier Jahre später, kann man sagen: Wellbrock hat die Worte seine Vaters beherzigt. Denn am Montag krönte sich Wellbrock in Glasgow zum Europameister über 1.500 Meter Freistil. Am Mittwoch gewann er zudem Bronze über 800 Meter Freistil und ist derzeit das Aushängeschild des deutschen Schwimmsports. Dass er diese Erfolge im Beisein seiner Eltern und seiner Freundin feiern konnte, macht den Sportler vom SC Magdeburg besonders stolz: "Es ist mit Abstand der größte Erfolg, den ich bisher hatte. Ich habe mich tierisch auf die Hymne gefreut. Es ist ein atemberaubender Moment", jubelte er.

Wellbrock jagt Rekorde

Schon im April sorgte Wellbrock für Aufsehen, als er den 27 Jahre alten Deutschen Rekord über 1.500 Meter pulverisierte. Seine Zeit von 14:40 Minuten war zehn Sekunden schneller als der bisherige Rekord. Bei der EM verbesserte er seinen eigenen Spitzenwert noch einmal auf 14:36 Minuten. In der ewigen Bestenliste waren über 1.500 Meter weltweit nur drei Schwimmer schneller als er – der Chinese Sun Yang, Gregorio Paltrinieri aus Italien und der Australier Grant Hackett.

In den vergangenen Jahren hat Florian Wellbrock eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Ende 2015 brauchte er noch 15:40 Minuten für die 1.500 Meter. Seitdem hat er sich kontinuierlich gesteigert und ist mittlerweile in der Weltspitze angekommen. Zu verdanken ist das vor allem harter Trainingsarbeit. "Mit dem Wechsel nach Magdeburg habe ich das Trainingspensum verdoppelt", erklärt er. Mittlerweile schwimmt Wellbrock 70 bis 80 Kilometer pro Woche und ist dafür bis zu 25 Stunden im Wasser. Im Höhentrainingslager, das der Schwimmer drei bis vier Mal pro Jahr absolviert, legt er noch deutlich größere Distanzen zurück.

Vom Schwimmbecken ins Büro – und zurück

Nun mag es nicht überraschen, dass ein Sportler viel trainieren muss, um erfolgreich zu sein. Wenn man aber bedenkt, dass Florian Wellbrock nebenbei auch noch eine Ausbildung absolviert, sind seine Leistungen durchaus erstaunlich. Bei der Magdeburger Wohngenossenschaft MWG lässt er sich zum Immobilienkaufman ausbilden. Die Vermietung und Verwaltung von Wohnungen gehört da genauso zu seinen Aufgaben, wie die Betreuung von Mietern. Um Sport und Arbeit zu bewältigen, steht er täglich 5:30 Uhr auf. Nach einem kleinen Frühstück beginnt er eine Stunde später mit dem Training. 9:30 Uhr geht es dann ins Büro, für fünf Stunden. Anschließend folgt bis 19 Uhr eine weitere Trainingseinheit.

Ein enormes Pensum, das sich nur bewältigen lässt, weil das Unternehmen Wellbrock enorm unterstützt. Der Schwimmer ist dafür sehr dankbar: "Es ist nicht selbstverständlich, dass ein Arbeitgeber damit einverstanden ist, wenn ein Sportler täglich nur fünf Stunden da ist. Da muss man schon ein gutes Los ziehen." Auch die Sportbegeisterung seiner Kollegen hilft Wellbrock, den Stress zu bewältigen. Der noch verstärkt wird durch den Umstand, dass Wellbrock seine Ausbildung unbedingt in der regulären Zeit von drei Jahren beenden möchte.

Florian Wellbrock
Bis zu 25 Stunden verbringt Florian Wellbrock wöchentlich im Wasser. Bildrechte: IMAGO

Schneller lernen für das große Ziel

Weil andere dafür aber täglich acht – und nicht wie er fünf – Stunden Zeit haben, muss der Schwimmer schneller lernen. Dabei sieht ihn sein Ausbildungsleiter Matthias Altrichter auf einem guten Weg. "Er bekommt die Informationen in geballter Form. Wir besprechen ständig, ob es noch irgendwo Nachholbedarf gibt." Auch mit dem SC Magdeburg tauscht er sich regelmäßig aus, "um Florian das Schwimmpensum, das er für seine Leistungen braucht, zu ermöglichen", erklärt Altrichter.

Doch warum lässt es Wellbrock bei der Ausbildung nicht etwas ruhiger angehen? Weil er ein großes Ziel hat: Olympia 2020 in Tokio. "Davor möchte ich etwas mehr Ruhe haben", erklärt er seinen Arbeitseifer. Denn in Tokio möchte er sich einen Traum erfüllen und eine Medaille gewinnen. Diesem Ziel wird alles untergeordnet. Kann Wellbrock sein momentanes Leistungsniveau halten, gehört auf der Langstrecke auf jeden Fall zu Favoriten. Im Idealfall hat er in zwei Jahren als 23-Jähriger seine Ausbildung abgeschlossen und ist Olympiasieger. Oder um es in den Worten seines Vaters zu sagen: "Dann hat der Junge was draus gemacht."

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

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Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 08. August 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. August 2018, 18:54 Uhr

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