Florian Wellbrock jubelt nach seinem Rekordlauf über über 1500 Meter.
Während der Magdeburger Schwimmstandort sich über den Status als Bundesstützpunkt freut (im Bild: Florian Wellbrock), verliert das Schwimmleistungszentrum in Halle den Status. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Leistungssport Sechs Bundesstützpunkte für Sachsen-Anhalt

Lange wurde gebangt, nun ist klar: Sachsen-Anhalt bleibt ein wichtiger Standort für den Spitzensport. Das Bundesinnenministerium hat entschieden, dass es ab Januar 2019 sechs Bundesstützpunkte im Land geben wird. Bei aller Freude darüber ist vor allem in Halle die Enttäuschung groß.

Florian Wellbrock jubelt nach seinem Rekordlauf über über 1500 Meter.
Während der Magdeburger Schwimmstandort sich über den Status als Bundesstützpunkt freut (im Bild: Florian Wellbrock), verliert das Schwimmleistungszentrum in Halle den Status. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalt gibt es künftig sechs Bundesstützpunkte für den Spitzensport. Das hat das Bundesministerium des Inneren (BMI) beschlossen. Ab 1. Januar 2019 erhält Sachsen-Anhalt demnach folgende Bundesstützpunkte:

  • Leichtathletik (Magdeburg)
  • Leichtathletik (Halle)
  • Rudern (Magdeburg)
  • Kanu-Rennsport (Magdeburg)
  • Schwimmen (Magdeburg)
  • Wasserspringen (Halle)

Die drei bisherigen Leistungszentren Rudern, Turnen und Schwimmen in Halle verlieren damit vorerst ihren Status als Bundesstützpunkt. Besonders enttäuscht sind nach eigenen Angaben der Landessportbund (LSB) und der Olympiastützpunkt (OSP) Sachsen-Anhalt über die Entscheidung in der Sportart Schwimmen. Beide hatten gemeinsam mit dem Landesschwimmverband für einen Doppelstützpunkt Sachsen-Anhalt in Magdeburg und Halle geworben. Nun ist klar, dass nur Magdeburg weiter als Bundesstützpunkt anerkannt wird.

Erneute Entscheidung in zwei Jahren

Bis auf Kanu werden die Stützpunkte in zwei Jahren vom BMI erneut überprüft und über ihr Bestehen entschieden. Kanu wurde bis 2024 bestätigt, alle anderen Stützpunkte bis 2020. Bundesstützpunkte werden finanziell besonders gefördert. Dass es bundesweit weniger Bundesstützpunkte gibt, geht auf die Leistungssportreform aus dem Jahr 2016 zurück.

Neben Magdeburg sind auch die Standorte in Essen, Hamburg, Heidelberg (alle bis 2024), Berlin und Potsdam (beide bis 2020) als Bundesstützpunkte im Beckenschwimmen anerkannt worden. In Würzburg gibt es den einzigen Bundesstützpunkt im Freiwasser (bis 2024).

Bernd Berkhahn, 2015
Bernd Berkhahn, Schwimmtrainer des SCM Bildrechte: dpa

Bernd Berkhahn, Schwimmtrainer beim SCM, sagte MDR SACHSEN-ANHALT, er freue sich über die Anerkennung als Bundesstützpunkt für Beckenschwimmen. Man dürfe sich aber nicht darauf ausruhen, weil der Standort in Magdeburg nur bis Ende 2020 als Stützpunkt anerkannt worden sei. "Wir müssen weiter abliefern und das werden wir wie bisher auch weiter machen – in der Hoffnung, dass der Status bis 2024 verlängert wird."

Andreas Silbersack
Andreas Silbersack, Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt Bildrechte: IMAGO/Christian Schroedter

Für "überraschend" hält die Befristung bis 2020 auch der Präsident des Landessportbundes Sachsen-Anhalt, Andreas Silbersack. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Freitag, Sachsen-Anhalt sei vor allem im Schwimmen eines der leistungsstärksten Bundesländer überhaupt. Dazu müsse man allein auf Florian Wellbrock aus Magdeburg blicken – laut Silbersack "ein Heroe" des Schwimmsports in Deutschland.

"Imageverlust" für Halle

Grundsätzlich nehme er die Entscheidung mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf, sagte Silbersack weiter. Es sei gut, dass die Leistungszentren im Kanu-Rennsport und im Rudern Bundesstützpunkt blieben. "Ich hätte mir aber gewünscht, dass der Spitzensportverband sich beim Schwimmen stärker für Halle einsetzt." Der Standort Halle punkte mit langer Tradition und vielen Erfolgen im Schwimmen. "Wir werden nicht nachlassen", sagte Silbersack. Halle sei als Schwimmstandort bundesweit in der Spitzenklasse.

Dass Halle seinen Status als Bundesstützpunkt verliere, habe außerhalb eines "Imageverlustes" für den Sportstandort aber keine weiteren Folgen. Dank der finanziellen Förderung durch das Land Sachsen-Anhalt falle Halle "nicht ins Bodenlose."

Das sind Bundesstützpunkte An Bundesstützpunkten finden Leistungssportler optimale Trainingsbedingungen vor – das beginnt beim Trainerpersonal und endet bei der Infrastruktur. In Bundesstützpunkten soll der Spitzensport gefördert werden. Bundesweit gibt es nach Angaben des Bundesministeriums für Inneres und Sport 204 solcher Bundesstützpunkte. Sie werden vom Bundesinnenministerium mit rund 32 Millionen Euro jährlich unterstützt. Hinzu kommt eine Förderung von Ländern, Kommunen und Partnern aus der Wirtschaft.

Träger der Bundesstützpunkte sind die Bundessportverbände, gemeinsam mit Sportvereinen oder Landessportverbänden.

Quelle: MDR/pat,ld

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. Oktober 2018 | 17:20 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2018, 08:23 Uhr

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5 Kommentare

28.10.2018 10:54 Schamane 5

Innenminister Seehofer weiß Bescheid ... wer Lobbyarbeit unterschätzt und hetzt vllt. auch

27.10.2018 18:02 Keine Tomaten auf den Augen 4

Gut das hier nicht die Landesregierung oder der Landessportbund entschieden haben. Sonst hätte doch Halle wieder den Zuschlag bekommen. Aber so wurde neutral und richtig für Magdeburg entschieden.

27.10.2018 15:52 Tom 3

Da hat man richtig entschieden. Magdeburg ist eindeutig die bessere Schwimmer-Stadt, wie die jüngsten Erfolge beweisen. Die Gegebenheiten sind besser und die gesamte Infrastruktur ist sehr gut ausgebaut. Da hat man einmal Vernunft walten lassen.