Hallentotale der Arena Leipzig beim Spiel Mitteldeutscher BC (MBC Weissenfels) vs FC Bayern Muenchen
Das "Event-Game" in der Arena Leipzig gegen den FC Bayern München sahen am vergangenen Spieltag 5.180 Zuschauer – Saisonrekord für den MBC. Bildrechte: IMAGO

Zwischen Show und Sport So geht der MBC seine Zukunft an

Im Schatten von König Fußball kämpft der Mitteldeutsche Basketball Club um seine Weiterentwicklung – sportlich und vor allem finanziell. Der traditionsreiche Bundesligist aus Weißenfels will Fans und Sponsoren mehr bieten als nur ein Spiel und geht dabei neue Wege.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Hallentotale der Arena Leipzig beim Spiel Mitteldeutscher BC (MBC Weissenfels) vs FC Bayern Muenchen
Das "Event-Game" in der Arena Leipzig gegen den FC Bayern München sahen am vergangenen Spieltag 5.180 Zuschauer – Saisonrekord für den MBC. Bildrechte: IMAGO

Der Gegner: namhaft. Die Kulisse: überragend. Der Grund: ernst. Das 77:95 gegen den FC Bayern München am vergangenen Sonntag war für den Mitteldeutschen Basketball Club (MBC) mehr als nur ein weiterer Bundesligaspieltag. Tituliert wurde das Spiel als "Event-Game" – und das schauten sich 5.180 Zuschauer in der Arena Leipzig an. Dorthin war der Aufsteiger aus Weißenfels für die Partie gegen den Tabellenführer aus München umgezogen. Denn: "Wir brauchen neue Märkte. Wir brauchen neue Kontakte. Wir brauchen mehr Zuschauer", sagt Martin Geissler, der Manager des Klubs. "Ansonsten werden wir in der ersten Liga dauerhaft nicht bestehen können."

Der MBC kämpft in dieser Saison sportlich um den Klassenerhalt und steht nach der ersten Saisonhälfte mit fünf Siegen prima da im Klassement. Beinahe schwieriger gestaltet sich der Kampf an der Wirtschaftsfront: Der Aufsteiger bewegt sich bei seinem Etat knapp unter zwei Millionen Euro. In der kommenden BBL-Saison müsste er laut Regularien die Zwei-Millionen-Grenze knacken. Das wird wohl auch klappen. Doch: "Künftig müssen wir die 2,5 und drei Millionen angehen, sonst haben wir in der BBL keine Zukunft", sagt Geissler gegenüber MDR SACHSEN-ANHALT.

Verkauf der Namensrechte?

Der Basketball-Klub aus Weißenfels muss größer werden – was die mediale Wahrnehmung angeht, die Zuschauerzahlen, vor allem aber die Unterstützung der Sponsoren. Deshalb kündigten die Bosse bereits im August an, sich auch neuen Wegen nicht zu verschließen. Selbst der Vereinsname läge bei Sponsorenverhandlungen mit auf dem Tisch, erklärte Beiratssprecher Jörg Hexel. Die Namensrechte gehören zu den wertvollsten Vermarktungsmöglichkeiten. Zahlreiche BBL-Konkurrenten tragen bereits den Beinamen eines Unterstützers. Prominentes Beispiel: Alba Berlin, seit Jahrzehnten benannt nach einem Unternehmen aus der Entsorgungs- und Recyclingbranche.

Wir brauchen neue Märkte. Wir brauchen neue Kontakte. Wir brauchen mehr Zuschauer. Ansonsten haben wir in der BBL keine Zukunft.

Martin Geissler, Manager des MBC

Mit mehr als 130 Partnern verfügt der MBC über eine breite Sponsorenbasis. Doch: "Die Kaufkraft betreffend gehört unsere Region, der Burgenlandkreis, zu den schwächsten in Deutschland", weiß Martin Geissler. Auch deshalb wandert der Traditionsverein – Weißenfels war nach der politischen Wende der erste Basketballerstligist aus den neuen Bundesländern – bereits seit 2002 für ein oder zwei Partien pro Saison regelmäßig nach Leipzig. Geissler meint: "Das Projekt MBC ist länderübergreifend. Wir kommen aus Sachsen-Anhalt, stehen aber auch für Sachsen. Das gehört zu unserer DNA." Lediglich knapp 50 Kilometer liegen zwischen Leipzig und Weißenfels.

Ähnliche Zielgruppe wie RB Leipzig

Der MBC spielt in der kleinste Halle der Liga: In die Stadthalle Weißenfels, von den Anhängern nur "Wolfsbau" genannt, passen 3.000 Menschen. In der Arena Leipzig fanden sich gegen den FC Bayern München 5.180 Zuschauer ein – Saisonrekord für den MBC. Leipzig bietet so gesehen eine Chance für Weißenfels – aber auch eine Gefahr. Und die heißt: RB. "Ja", gibt Geissler zu, "wenn so ein neuer großer Player plötzlich Premium-Sportveranstaltungen anbietet, dann spüren wir das doch auch schon."

Die Mär: Der gemeine Fußballfan geht nicht zum Basketball. Die Wahrheit: MBC und RB überschneiden sich bei ihren Zielgruppen sehr wohl. Was die Sponsoren und was die Zuschauer angeht, denn: "Genau wie wir bietet auch RB eine friedliche Atmosphäre, Unterhaltung für die ganze Familie", sagt Geissler. "Da überlegen sich die Leute schon, ob sie sich Bundesliga-Fußball in Leipzig oder Bundesliga-Basketball in Weißenfels anschauen." Beides leisten sich die wenigsten.

Sergio Kerusch 7 vom Mitteldeutscher BC beim Einlauf waehrend des Easy Credit Bundesliga-Spiels zwischen Mitteldeutscher BC und MHP Riesen Ludwigsburg in Stadthalle Weissenfels
Die MBC-Spieler, hier Sergio Kerusch, laufen seit dieser Saison zu neuer Lichtershow in die Stadthalle Weißenfels ein. Bildrechte: IMAGO

Die Basketball-Konkurrenz in der Bundesliga sieht der Manager des MBC gelassen. Erstmals treten mit Jena, Weißenfels und den Rockets aus Erfurt und Gotha in dieser Spielzeit drei Teams aus Mitteldeutschland in der BBL an. "Wir freuen uns über die Derbys gegen diese Teams", sagt Geissler. "Das sind Riesenspektakel, die es uns leichter machen, Menschen für den Basketballsport zu begeistern."

Instagram-Sternchen und Dunking-Show

Der MBC will Anreize für den Hallenbesuch schaffen. Seit dieser Saison gibt es beim Einlauf der Spieler in der Stadthalle eine neue Licht- und Nebelshow. Außerdem organisiert die Marketing-Abteilung regelmäßig ein umfassendes Rahmenprogramm und will dabei auch die jüngere Zielgruppe ansprechen. So war das Instagram-Sternchen "Typisch Kassii", stolze 289.000 Fans folgen ihr in dem sozialen Netzwerk, im Oktober beim Heimspiel gegen Alba Berlin im Wolfsbau zu Gast. Beim Event-Game gegen Bayern München staunten die Zuschauer während der Halbzeitpause über eine spektakuläre Dunking-Show. Auf den Rängen saß Sportprominenz wie RB-Stürmer und Fußball-Nationalspieler Timo Werner oder sein Teamkollege Naby Keita.

"Wir wollen den Zuschauern auch neben dem Sport etwas bieten", sagt Geissler. Das US-Sport-affine Publikum liebt die Show drumherum ohnehin. Den Sponsoren wird so folglich eine größtmögliche Bühne zur Selbstdarstellung geboten. Der MBC gilt bei ihnen als Premiumprodukt, spielt schließlich in der höchsten deutschen Spielklasse. Und am Ende geht es doch vor allem darum, diese Erstklassigkeit zu sichern – auf dem Parkett und finanziell.

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Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 11.01.2018 | 19:00 Uhr

Quelle: MDR/dg

Zuletzt aktualisiert: 11. Januar 2018, 16:55 Uhr

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