Prokop, Musche, Michelmann und Co. So viel Sachsen-Anhalt steckt in der Handball-WM

Der Bundestrainer stammt aus Köthen, der Verbandspräsident aus Aschersleben, ein Nationalspieler und ein Schiedsrichtergespann aus Magdeburg – welche Rolle das Handball-Land Sachsen-Anhalt bei der Heim-Weltmeisterschaft spielt.

Matthias Musche
Für Matthias Musche vom SCM wird mit seiner WM-Teilnahme ein Traum wahr. Bildrechte: imago/foto2press

Wenn die deutsche Handball-Nationalmannschaft am Donnerstag (18.15 Uhr) gegen Korea das Parkett betritt, dann beginnt auch eine Weltmeisterschaft mit großem Sachsen-Anhalt-Faktor. Bei der bislang letzten Heim-WM 2007 sicherte sich Deutschland am Ende den Titel. Diesmal findet das Turnier in Deutschland und Dänemark statt. Und an einem neuerlichen Erfolg hätte auch Sachsen-Anhalt einen großen Anteil. Warum?

Deshalb:       

Der Bundestrainer

Der gebürtige Köthener Christian Prokop soll die Nationalmannschaft bei der Heim-WM zum Erfolg führen. Trotz verkorkster Europameisterschaft im vergangenen Jahr sprachen ihm die Granden des Deutschen Handballbundes (DHB) das Vertrauen aus. "Ich habe zu viel versucht, mein Konzept aus dem Vereinstrainerleben auf die Nationalmannschaft zu übernehmen, das war zu viel Brechstange, keine gute pädagogische Art. Ich habe die Spieler zu wenig mitgenommen", sagt der 39 Jahre alte Ex-Coach des SC DhfK Leipzig, als Spieler früher unter anderem für den Dessau-Roßlauer HV, die HG 85 Köthen und den SV Anhalt Bernburg aktiv, im Blick zurück.

Doch seine Krisenzeit als Bundestrainer ist abgehakt, die Fehler sind sauber analysiert. "Er hat eine Menge gearbeitet, das Klima zwischen Trainer und Mannschaft ist ein ganz anderes", bestätigt DHB-Präsident Andreas Michelmann. "Deshalb bin ich guter Dinge, dass wir im Team das richtige Klima für eine erfolgreiche WM haben."

Christian Prokop, dessen Vater Heinz eine Trainerlegende in Handball-Sachsen-Anhalt ist, sagt: "Wir gehen mit Respekt und Demut an die Aufgaben heran, aber wir wollen auf jeden Fall ins Halbfinale kommen. Und ich möchte etwas beweisen. Es ist mir eine Ehre, Bundestrainer zu sein." Er will Erfolg zurückzahlen.    

Der Präsident

Seit drei Jahren ist Andreas Michelmann der starke Mann an der Spitze des DHB. Als Präsident hofft der 58-Jährige auf eine erfolgreiche Heim-WM: "Wir wollen über die Vorrunde und die Unterstützung in Köln bis ins Halbfinale nach Hamburg kommen und dann sehen, wohin es noch gehen kann", sagt Michelmann, Oberbürgermeister der Stadt Aschersleben. Das zweite, mit dem sportlichen Erfolg damit einhergehende Ziel: "Über volle Hallen wollen wir volle Kassen haben. Wir wollen einen Überschuss erwirtschaften, um das Geld dann in entsprechende Projekte zu stecken, vor allem zur Nachwuchsförderung."  

Dass Sachsen-Anhalt bei der Heim-WM stark vertreten ist, freut den Ascherslebener: "Sachsen-Anhalt war schon immer und ist noch immer ein Handballland", sagt Michelmann. "Als Präsident des DHB bin ich zwar für die Gesamtentwicklung des Handballs in Deutschland zuständig, aber ein klein wenig darf mein Herz für Sachsen-Anhalt und Mitteldeutschland schlagen. Ich bin stolz, dass wir so gut vertreten sind." 

Der Nationalspieler

Matthias Musche ist der Publikumsliebling beim SC Magdeburg – und will nun auch in der Nationalmannschaft für Furore sorgen. "In so einem Turnier kann immer viel passieren", sagt der Linksaußen des SCM. "Wenn ich reinkomme, vielleicht schon im ersten Spiel, muss ich voll da sein und meine Leistung bringen." Eine Verletzung am linken Fuß, die Musche kurz vor Weihnachten um das WM-Ticket zittern ließ, ist auskuriert. Der 26-Jährige brennt auf die große Aufgabe.

Handball Länderspiel Deutschland gegen Tschechien - Matthias Musche.
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Jetzt wird dieser Traum wahr. Einfach schön.

Matthias Musche vom SC Magdeburg über seine WM-Teilnahme

"Als Deutschland 2007 Weltmeister wurde, war ich 14 Jahre alt, ich habe mit meinen Eltern und meiner Schwester vor dem Fernseher alles verfolgt und die Daumen gedrückt. Ich weiß noch genau, wie wir in der Vorrunde gegen Polen verloren und dann aber gegen Polen das Finale gewonnen haben", erinnerte sich Musche kürzlich gegenüber der Volksstimme. "Damals war ich schon auf dem Sportgymnasium. Und diese WM hat mich zusätzlich motiviert, selbst mal Handballprofi zu werden und von einer WM im eigenen Land zu träumen. Jetzt wird dieser Traum wahr. Einfach schön."  

Die Schiedsrichter

16 Schiedsrichtergespanne von vier Kontinenten – und sie sind mittendrin. Robert Schulze und Tobias Tönnies aus Magdeburg werden Deutschland bei der Heim-WM vertreten. "Wir kennen uns seit 25 Jahren, sind beste Freunde", erzählt Schulze. "Wir wissen, dass wir da unten nie alleine sind, auch wenn wir mal einen Fehler machen." Doch "im besten Fall sind wir nach den Spielen gar kein Thema", so Tönnies, denn: "Dann haben wir wahrscheinlich vieles richtig gemacht."

An ihr erstes gemeinsames Spiel erinnern sich die Unparteiischen noch ganz genau. Die Paarung damals: Haldensleben gegen Halle, Oberliga, weibliche B-Jugend. Jetzt die ganz große Bühne. "So eine WM ist etwas Besonderes mit ganz eigenem Flair", sagt Tönnies. Das Schicksal des Gespanns: Sollte die deutsche Nationalmannschaft weit kommen, wäre das Turnier für sie früh beendet. Aber: "Für ein erfolgreiches DHB-Team", sagt Schulze, "verzichten wir gerne auf Spiele. Wir wünschen der Nationalmannschaft alles erdenklich Gute."

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MDR aktuell 17:45 Uhr Mi 09.01.2019 17:45Uhr 01:01 min

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Januar 2019, 16:58 Uhr

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