Streit um Polizei-Kosten bei Fußballspielen Wer soll das bezahlen?

Bei brisanten Fußballspielen sind regelmäßig Hunderte Polizeikräfte im Einsatz. Das kostet den Steuerzahler viel Geld. In einem Rechtsstreit wird weiterhin geklärt, ob sich die Liga beteiligen muss – und so auch die Vereine? Sachsen-Anhalts Fußball-Szene meint: nein.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

FCM Fans Polizei
Die Polizei ist bei Risikospielen mit einem Großaufgebot vertreten. Bildrechte: MDR/Collage/Imago/Sven Simon

Wer soll für Polizeikosten bei Fußballspielen aufkommen? Bislang der Steuerzahler. Doch in Zukunft könnte sich auch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) beteiligen müssen – und bald vielleicht auch die Vereine.

Das Bundesverwaltungsgericht hat am Freitag in Leipzig noch keine Entscheidung gefällt. Der Fall wurde zurückgewiesen an das Oberverwaltungsgericht Bremen. Betont wurde jedoch, dass die DFL grundsätzlich an den Kosten beteiligt werden könnte. Konkret geht es um ein Spiel aus dem Jahr 2015, für das die Stadt Bremen der DFL 425.000 Euro in Rechnung stellen will. Wie steht Sachsen-Anhalts Fußballszene dazu?

Was ist ein Hochsicherheitsspiel? Hochsicherheits- oder auch Risikospiele bezeichnet im Fußball Partien mit erhöhtem Sicherheitsrisiko. Die vermutete Gefahrenlage erfordert einen hohen Einsatz von Polizei- und Sicherheitskräften.

Welche Partie als Risikospiel eingestuft wird, entscheidet sich in der Sicherheitsberatung im Vorfeld. Vereinsvertreter und Sicherheitsbehörden nehmen daran teil.

In Sachsen-Anhalt gelten zum Beispiel die Partien zwischen dem 1. FC Magdeburg und dem Halleschen FC als Risikospiele.

FCM zahlt eine Million Euro für Sicherheit

Zweitligist 1. FC Magdeburg lehnt eine Beteiligung an den Polizeikosten bei Hochrisikospielen konsequent ab – "sei es bei Partien mit erhöhtem Risiko oder sämtlichen weiteren Partien ganz unabhängig von der Ligenzugehörigkeit", wie Pressesprecher Norman Seidler auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT erklärt.

"Der 1. FC Magdeburg besitzt sein Konzessionsgebiet im Rahmen der Heimspiele innerhalb der MDCC-Arena", so Seidler. Deshalb könne "der Verein für den Zu- und Abfluss von Heim- und Gästefans außerhalb dieses Bereiches nicht in die Verantwortung genommen werden". Außerdem stelle eine Kostenbeteiligung oder -übernahme von Polizeieinsatzkosten "keine adäquate Lösung zu einem möglichen Ausgleich von Polizeiüberstunden dar".

Mario Kallnik
Bildrechte: IMAGO

In der laufenden Spielzeit 2018/2019 werden sich die Kosten für den Bereich Sicherheit im Rahmen unserer Heimspiele auf rund eine Million Euro belaufen. Das stellt für einen Zweitligisten sehr hohe Kosten dar.

FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik

Zur Absicherung der Partien in der MDCC-Arena zahlt der Zweitligist unter anderem für einen Sicherheitsdienst. FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik sagte MDR SACHSEN-ANHALT: "In der laufenden Spielzeit 2018/2019 werden sich die Kosten für den Bereich Sicherheit im Rahmen unserer Heimspiele auf rund eine Million Euro belaufen. Das stellt für einen Zweitligisten sehr hohe Kosten dar." Zum Vergleich: Der Saison-Etat des FCM liegt bei 16,5 Millionen Euro.

Auch HFC lehnt Kostenbeteiligung ab

Auch Drittligist Hallescher FC spricht sich gegen eine Beteiligung der Vereine oder Ligen aus. "Ordnung und Sicherheit im öffentlichen Raum ist hoheitliche Aufgabe der Polizei, nur sie kann diese gewährleisten und entwickelt dafür entsprechende Strategien und Einsatzpläne", erklärt HFC-Vorstandsmitglied Oliver Kühr auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT.

"Wir als Fußballclub sind lediglich für die Sicherheit innerhalb des Stadionareals zuständig, stellen uns dieser Verantwortung und investieren in dieses Segment, wie die Zertifizierung unseres Sicherheitskonzepts dokumentiert", so Kühr. "Da Vereine keine Ermittlungsbehörden sind und außerhalb der Sportstätte keinerlei diesbezügliche Befugnisse haben, ist die Finanzierung von polizeilichen Maßnahmen ähnlich wie bei Demonstrationen, Konzerten oder anderen Veranstaltungen mit Publikumsrelevanz zurecht staatlich organisiert."

Ein mann sitzt mit Ball in der Hand in einem Fußballstadion
Bildrechte: MDR/ Oliver Kühr

Wir als Fußballclub sind lediglich für die Sicherheit innerhalb des Stadionareals zuständig, stellen uns dieser Verantwortung und investieren in dieses Segment, wie die Zertifizierung unseres Sicherheitskonzepts dokumentiert.

HFC-Vorstandsmitglied Oliver Kühr

Wie hoch die Kosten für den Bereich Sicherheit in der laufenden Spielzeit sein werden und wie hoch sie pro Partie sind, will der HFC auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT nicht mitteilen. Solche Angaben seien unüblich und würden im schlimmsten Fall dazu führen, die Gesamtkosten auf einzelne Ordner und deren Salär herunterzubrechen, erklärt Pressesprecher Lars Töffling.

FSA-Präsident deutlich: "Auf keinen Fall!"

Sollen sich Vereine, Ligen oder Verbände an den Polizei-Kosten bei Fußballspielen beteiligen? "Auf keinen Fall", sagt Frank Hering, Präsident des Fußballverbandes Sachsen-Anhalt (FSA). "Die Vereine sind zuständig für den Innenraum der Stadien. Den Rest muss der Staat übernehmen."

Hering sagte MDR SACHSEN-ANHALT, auch auf der Präsidiumssitzung des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV) am Freitag werde das Thema noch einmal diskutiert. "Wir werden uns nach dem Urteil positionieren", kündigte Hering an. Doch der allgemeine Tenor sei klar: gegen eine Kostenbeteiligung.

Wer zahlt in anderen Ländern? In der englischen Premier League zahlen die Klubs nur für Polizeieinsätze im Stadion.

In der italienischen Serie A gehen ein bis drei Prozent der Ticketeinnahmen an die Polizei.

In Frankreich gibt es einen festen Stundensatz von 20 Euro pro Polizeistunde, der zum Beispiel auch bei der Tour de France oder Großdemonstrationen erhoben wird.

In Spanien beteiligen sich die Klubs wie in Deutschland nicht an den Polizeikosten.

Innenministerium will "Urteil abwarten"

Das Innenministerium positionierte sich Anfang der Woche auf Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT nicht zu dem Thema. Stattdessen hieß es mit Bezug auf den Prozess vor dem Bundesverwaltungsgericht: "Den Ausgang des Rechtsstreits gilt es abzuwarten." Zu den Einsatzkosten für Einsätze bei Hochrisikospielen oder regulären Partien macht das Innenministerium keine Angaben.

Auf Anfrage der Landtagsabgeordneten Eva von Angern (Linke) kalkulierte das Ministerium die Kosten für eine Partie im vergangenen Jahr wie folgt: Der dreistündige Einsatz von Hubschraubern, drei Wasserwerfern und 440 Beamten wurde auf 162.292,77 Euro beziffert. Schätzungsweise gab auch Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren pro Saison einen stattlichen Millionenbetrag für die Einsätze bei Fußballspielen aus.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Mehr zum Thema

Polizisten bei einem Hochrisiko Spiel 2 min
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

MDR aktuell 17:45 Uhr Di 26.03.2019 17:45Uhr 01:32 min

Rechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Video

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 26. März 2019 | 17:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. März 2019, 16:13 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

35 Kommentare

29.03.2019 14:42 Henry 35

Solch ein Gejammer, logisch daß die Fußballmillionere von Mannschaften besonders 1 Bundesliga und teilweise 2 Bundesliga zählen müssen. Gibt doch genug Fernsehgelder. Wenn Kein Geld da ist Gehälter kürzen.

29.03.2019 12:25 Heinrich 34

Der Fußball soll die Polizeieinsätze bezahlen,nicht der Steuer Zahler ! DFB hat genug Geld im Tresor sollen dafür aufkommen Basta !

29.03.2019 09:21 Sr.Raul 33

Danke für den sachdienlichen Hinweis, @30 (Krause...)! Werde ich dann kommenden Mittwoch wohl doch meine AK47 vorsichtshalber mit in's Bürgerkriegsgebiet mitnehmen. Das "Gemetzel" in der Arena wird an dem Tag übrigens live von der ARD übertragen. *Satire aus! Reise und Übertragung finden aber statt.

Mehr Sport aus Sachsen-Anhalt