Erstklassig – die Kolumne über den Syntainics MBC Warum der Marketing-Coup des MBC mit Charlie Sheen fragwürdig ist

US-Serien-Star Charlie Sheen wirbt für den Bundesligisten aus Weißenfels! Wahnsinn! Nein, einfach günstig eingekauft! Wie simpel der MBC große Aufmerksamkeit im Internet gewonnen, aber seinen Fans dabei nicht die ganze Wahrheit gesagt hat.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Daniel George neben dem MBC-Logo
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig/Syntainics MBC

Was kosten deutschlandweite Schlagzeilen im Internet? Bei BILD, RTL oder FAZ? Und noch dazu eine Erwähnung im Radio? Ein Fernsehbeitrag oben drauf? Sie werden überrascht sein: gerade einmal einen niedrigen vierstelligen Betrag, auf keinen Fall mehr als 2.300 Euro. Günstig, oder?

Zumindest für den Mitteldeutschen Basketball Club (MBC). Denn der hat einen Marketing-Coup gelandet. Die Art und Weise ist allerdings fragwürdig, wenn auch beispielhaft dafür, wie Online-Werbung heutzutage funktioniert.

Was das Sheen-Video gekostet hat

Charlie Sheen auf der Video-Wand der Stadthalle Weißenfels! Darüber staunten die Zuschauer am Sonntagnachmittag am Rande des Heimspiels gegen Bamberg. Der 54 Jahre alte Serienstar aus "Two and a Half Men" machte in einem 50-sekündigen Clip Werbung für das Spiel am 24. November gegen den Deutschen Meister Bayern München. Auch in den sozialen Netzwerken sorgte die prominente Grußbotschaft für Begeisterung und Verwunderung.

Die große Frage: Wie hat der Syntainics MBC das nur geschafft? Die simple Antwort: mit Geld.

Über den Dienst Cameo kann sich jeder solch ein Video von US-Promis schicken lassen. 15.000 mehr oder weniger in die Jahre gekommene Stars sind dort registriert, unter anderem Schauspieler Wesley Snipes oder Rapper Ice-T. Für sie ist es ein netter Nebenverdienst. Pro Video zahlen Kunden auf Cameo zwischen einem und 2.500 US-Dollar.

Das Sheen-Video hat laut MBC-Marketingleiter Stefan Schedler einen niedrigen vierstelligen Betrag gekostet. Schedler zeichnet mit seiner Leipziger Marketingagentur für die Aktion verantwortlich. Sie hätten Sheen ausgewählt, weil der eben eine schillernde und polarisierende Figur ist – und nicht nur bei Basketball-Fans bekannt. Der Plan hat funktioniert.

Marketing-Coup für den Syntainics MBC

Der Bundesligist hatte also nie Kontakt zu Sheen oder seinem Management. Jeder Fan, der am Sonntag auf den Rängen saß, könnte sich auch so eine Grußbotschaft bei ihm bestellen. Genau wie bei namhaften Basketballern wie Dennis Rodman oder Kareem Abdul-Jabbar. Auch sie sind bei Cameo vertreten.

Der vermeintliche Coup ist also gar keiner? Doch! Denn der Syntainics MBC hat deutschlandweit Menschen erreicht. Er ist in den Schlagzeilen – und zwar den positiven. Ziel erreicht – und wie!

Ein Marketing-Coup ist die Aktion allemal. Zumal sie zeigt, wie simpel mit der richtigen Strategie im Internet doch Aufmerksamkeit generiert werden kann. Die Marketing-Profis des MBC haben das wie aus dem Lehrbuch vorgeführt. Und sie hoffen tatsächlich, dass Sheen durch öffentlichen Druck, durch das große Medienecho zum Heimspiel gegen Bayern München getrieben wird – auch wenn sie wissen, wie unwahrscheinlich das ist.

"Eine große Verarsche!"

Doch: Die Aufmerksamkeit wurde nur möglich aufgrund fehlender Transparenz. Und das ist ein Problem. Denn viele Fans des MBC haben sich Hoffnungen gemacht, Sheen würde tatsächlich zum Spiel gegen Bayern erscheinen. Das hat der Klub auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken so zwar nie erklärt, der Interpretationsspielraum ließ diese Hoffnung allerdings zu – und gaukelte den Anhängern eine nicht vorhandene Nähe zum Schauspieler vor.

"Jetzt, wo ich den Hintergrund kenne, finde ich, das ist eine große Verarsche!", schrieb mir ein MBC-Fan. Für öffentliche Auftritte verlangt Charlie Sheen nämlich gerne mal sechsstellige Gagen. Nicht zu stemmen für den MBC. Komplett illusorisch, dass Sheen zum Bayern-Spiel erscheint. Und zumindest äußerst fragwürdig, dass er weiß, wen genau er da überhaupt gegrüßt hat.

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George ist zwar zwei Meter lang. Zum Basketball-Profi hat es trotzdem nicht gereicht. Dafür für eine stabile Karriere beim TSV Niederndodeleben, dem besten Dorfverein der Welt.

Weil das eigene sportliche Talent überschaubar war, konzentrierte sich der 26-Jährige früh auf das journalistische Handwerk. Der gebürtige Magdeburger berichtete bereits über zahlreiche Klubs aus Sachsen-Anhalt: die BSW Sixers, die Aschersleben Tigers, den BBC Magdeburg oder den BC Anhalt aus Dessau.

In seiner Kolumne "Erstklassig" schreibt er für MDR SACHSEN-ANHALT regelmäßig über den Mitteldeutschen BC.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 11:49 Uhr

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