Heimpleite gegen Ingolstadt Warum solche Rückschläge zum Weg des FCM gehören

Der 1. FC Magdeburg verliert gegen Ingolstadt – und sieht, was ihm noch zur Spitzenmannschaft fehlt. Das Duell der Zweitliga-Absteiger verdeutlicht die unterschiedlichen Herangehensweisen auf dem Weg zurück in die zweite Bundesliga.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Dominik Ernst und Peter Kurzweg
Der FCM, hier in Person von Dominik Ernst (l.), stolperte gegen den FC Ingolstadt. Bildrechte: imago images/Jan Huebner

Die Anhänger des 1. FC Magdeburg singen gerne. Das dürfte sich in den vergangenen Jahren deutschlandweit herumgesprochen haben. Vor dem Heimspiel gegen den FC Ingolstadt am Samstagnachmittag war es wieder soweit: Die Fans stimmten sich und die Mannschaft lautstark ein – und sangen unter anderem: "FCM du bist mein Leben! Ich würde alles für dich geben – bis du wieder oben stehst."

Zwar nicht ganz oben im Klassement, aber zumindest in der Spitzengruppe hätte der 1. FC Magdeburg nach einem Heimsieg gegen Ingolstadt stehen können. Doch daraus wurde nichts. Die Gastgeber verloren das Duell der Zweitliga-Absteiger vor 16.598 Zuschauern in der MDCC-Arena mit 0:2. "Die Niederlage ist verdient", sagte FCM-Cheftrainer Stefan Krämer. Denn: "Unser Wille hat gestimmt. Aber wir müssen unsere Effektivität verbessern, um ganz oben dran zu sein."

FCM-Trainer Krämer: "Das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus"

Mit 26 Punkten aus 18 Partien belegt der FCM in der Tabelle den sechsten Platz. Fünf Punkte beträgt der Rückstand zum dritten Rang und damit zur Aufstiegsrelegation. Die Pleite gegen Ingolstadt, den neuen Zweiten im Ligavergleich, war ein Rückschlag – doch sie wirft den 1. FC Magdeburg nach zuletzt zwei Siegen in Folge keineswegs um.

Weil sich der FCM keineswegs unterirdisch präsentierte, über weite Strecken das Spiel gestaltete, nur eben seine Möglichkeiten nicht nutzte oder gar nicht erst wirklich zwingend vor das gegnerische Tor kam. Ingolstadt dagegen unheimlich effektiv: Kaum Chancen, zwei Tore – so lässt sich der Auftritt der Gäste beschreiben. Der FCI stand defensiv sicher und netzte vorne durch Maximilian Beister (21. Minute) sowie Dennis Eckert Ayensa (81.) eiskalt ein.

"Das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus, dass sie die Chancen nutzt. Wir haben aus unseren Möglichkeiten heute kein Tor gemacht. Von daher ist die Niederlage verdient", sagte FCM-Trainer Krämer. "Wir haben für unseren Aufwand zu wenig Ertrag." Zumindest noch. Denn der 1. FC Magdeburg befindet sich auf einem ganz klaren Weg – und Ergebnisse einzelner Partien haben da wenig Aussagekraft.

Trainer Stefan Krämer, 1. FC Magdeburg
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Unser Wille hat gestimmt. Aber wir müssen unsere Effektivität verbessern, um ganz oben dran zu sein.

FCM-Cheftrainer Stefan Krämer

Warum der SC Freiburg das Vorbild des FCM ist

Der FCM will innerhalb der nächsten drei Jahre zurück in die zweite Bundesliga. Das ist seit dem Zweitliga-Abstieg im vergangenen Sommer das erklärte Ziel. "Umso eher uns das gelingt, desto besser ist es", stellte FCM-Manager Mario Kallnik im Podcast "Neues vom Krügel-Platz" von MDR SACHSEN-ANHALT kürzlich klar. "Dieser Weg dahin kann uns stark machen auf der deutschen Fußballlandkarte." Denn: "Wir müssen uns so aufstellen, dass wir konkurrenzfähig sind, wenn wir wieder in die zweite Bundesliga aufsteigen. Wenn wir dahin zurückkehren, werden wir anders auftreten als in der vergangenen Saison – und wir werden die Klasse halten."

Doch bis dahin muss sich der FCM eben noch entwickeln – und lernen. Zum Beispiel aus solchen Partien wie der gegen Ingolstadt. Noch 2017 spielten die Gäste in der ersten Bundesliga. Nach zwei Abstiegen in Folge wollen sie nun mit aller Macht zurück in Liga zwei. Was auch das Ziel zahlreicher anderer Drittligisten ist: Duisburg, Braunschweig oder Uerdingen zum Beispiel. "Es gibt viel mehr Vereine in der Liga, die aufsteigen wollen, die das als erklärtes Ziel ausgegeben haben, als noch vor zwei Jahren", so Manager Kallnik.

Mario Kallnik
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Wenn wir wieder nach oben kommen wollen, können wir es nur über diesen Weg schaffen.

FCM-Manager Mario Kallnik

Anstatt wie zahlreiche Konkurrenten viel zu viel Geld für ehemalige Zweitliga-Spieler auszugeben und finanziell das große Risiko einzugehen, um sofort wieder in die zweite Liga zurückzukehren, gehen sie beim FCM einen anderen Weg. Die Mannschaft wurde im Sommer neu zusammengestellt, vor allem auf den Teamgeist geachtet. Und der stimmt: "Wir sind eine geile Truppe", sagte FCM-Offensivmann Sören Bertram nach der Ingolstadt-Niederlage.

"Das Vorbild ist für mich immer der SC Freiburg", erklärt Mario Kallnik. "Ein absolut ruhig geführter Verein, aber immer ehrgeizig, immer zielstrebig. Bei denen ging es auch mal auf und ab. Aber jetzt spielen sie in der ersten Bundesliga. Sie kämpfen da jedes Jahr um das Überleben, mit hoher Moral und hoher Leidenschaft. Wenn wir wieder nach oben kommen wollen, können wir es nur über diesen Weg schaffen."

FCM-Profi Gjasula: "Die Entwicklung ist positiv"

Zum Weg des FCM gehören Rückschläge dazu. Aber: "Davon lassen wir uns nicht beirren", sagte Mittelfeldspieler Rico Preißinger nach der vierten Saisonniederlage. "Wir müssen daraus lernen." Und auch sein Nebenmann Jürgen Gjasula erklärte: "Wir sollten nicht so sehr auf den Tabellenplatz achten, sondern auf unsere Entwicklung – und die ist auf jeden Fall positiv. Für die nächsten zwei Spiele müssen wir jetzt nochmal unsere Kräfte bündeln und das Maximum rausholen."

Für den 1. FC Magdeburg geht es 2019 noch nach Münster, dann nach Braunschweig. Zwei Siege und der FCM wäre wohl wieder oben dran. Rico Preißinger sagte: "Wir müssen einfach weiter hart arbeiten, damit wir wieder diese Chance haben, da oben ranzukommen." Um das zu erreichen, was sich alle wünschen – und wofür die Fans vor und in jedem Spiel singen.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 07. Dezember 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 07. Dezember 2019, 18:29 Uhr

5 Kommentare

flaeming_der_alte vor 6 Wochen

Mich beschäftigt eine Frage viel mehr. Warum hat unser FCM eine so desolate Zweitligasaison hingelegt. Wir hätten diesen Weg nicht so beschreiten müssen. Osnabrück zeigt es uns dieses Jahr das man mit weitaus weniger Möglichkeiten viel mehr erreichen kann. Solange unsere Scoutingabteilung so uneffizient arbeitet, um so länger werden wir nur träumen dürfen. BWG

Altlehrer vor 6 Wochen

Leider sind mehrjährige Aufstiegspläne fast immer nur Makulatur. Vor allem, wenn man die Saison über mit Leistungsschwankungen im Mittelfeld rumdümpelt. Die Folge ist dann, dass die Besten den Verein nach der Saison verlassen ( Bülter... ) und junge Spieler mit Potential sich lieber andere Vereine suchen. Man bleibt dann zwangsläufig im Mittelmaß stecken.

Mara vor 6 Wochen

Heute habe ich das erstemal das Stadion früher verlassen, da ich einfach nur enttäuscht war.....Ich weiß man kann nicht jedes Spiel gewinnen...
Wie sooft die ersten 15 -20 Minuten alles Top,wie aus dem nicht's kam die erste Chance für die Ingolstädter, die Sie auch genutzt hatten..
Die Niederlage war deshalb nicht unverdient, vorne harmlos und keine Ideen, zahlreiche Ecken die leider nicht genutzt wurden.
Was soll's weiter nach vorne Schauen, die Chancen die liegen gelassen werden,einfach mal besser nutzen dann wird es was.

Allen Blau Weißen Wünsche ich einen schönen 2.Advent

Liebe Grüße an Derbysieger MD

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