Analyse Was das Remis gegen Union Berlin für den FCM bedeutet

Der 1. FC Magdeburg verpasst zwar erneut den ersten Heimsieg der Saison, doch gegen eine Topmannschaft aus Berlin zeigt der Zweitliga-Aufsteiger eine zeitweise dominante Vorstellung. Die Entwicklung unter Neu-Trainer Michael Oenning lässt hoffen.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Christian Beck (Magdeburg, 11) erzielt das Tor zum eins zu null für den 1. FC Magdeburg.
FCM-Stürmer Christian Beck schiebt zur Führung ein. Bildrechte: imago/Jan Huebner

Die beiden Männer mittleren Alters wanderten zwischen Optimismus und Galgenhumor. "Naja, war ja schon ein gutes Spiel, vor allem in der ersten Halbzeit", sagte der eine Fan des 1. FC Magdeburg am Sonntagnachmittag zum anderen. "Irgendwann", antwortete der andere lächelnd, als sie nach dem 1:1 gegen Union Berlin im Nieselregen vor der MDCC-Arena standen, "wird alles wieder gut – 2045 oder so."

So lange werden die Anhänger des FCM ziemlich sicher nicht auf den ersten Zweitliga-Erfolg im heimischen Stadion warten müssen. Ein überzeugendes Plädoyer für die richtige Einordnung dieses neuerlichen Punktgewinns kam von Urs Fischer, dem Trainer des Gegners: "Wenn ich mir die letzten beiden Spiele und das heute anschaue, hätte Magdeburg mehr Punkte verdient gehabt", sagte der Fußballlehrer des 1. FC Union und forderte: "Man sollte nicht immer nur auf die Resultate, sondern vor allem auch auf die Leistungen schauen. Sonst täuscht der Eindruck manchmal."

"Ein Gentleman genießt und schweigt"

Die bloßen Zahlen enttäuschen bislang. Noch wartet Michael Oenning auf seinen ersten Sieg als Trainer des 1. FC Magdeburg. Erst eine 2:3-Niederlage in Fürth, dann ein torloses Unentschieden daheim gegen Bochum, nun das 1:1 gegen Berlin im letzten Heimspiel des Kalenderjahres. Wieder kein Sieg – und das trotz Führung. "Das spiegelt die bisherige Saison wieder", sagte FCM-Profi Marius Bülter. "Wieder fühlt es sich so an, als hätten wir zwei Punkte verloren. Wieder haben wir über weite Strecken ein super Spiel gemacht und uns am Ende leider nicht belohnt."

Fußball | 2. Bundesliga 1. FC Magdeburg gegen Union Berlin in Bildern

Michael Oenning
Für Michael Oenning stand das dritte Spiel als Cheftrainer des 1. FC Magdeburg an. Vorher hatte es eine Niederlage und ein Remis gegeben. Bildrechte: imago/Contrast
Michael Oenning
Für Michael Oenning stand das dritte Spiel als Cheftrainer des 1. FC Magdeburg an. Vorher hatte es eine Niederlage und ein Remis gegeben. Bildrechte: imago/Contrast
Urs Fischer, Trainer
Sein Berliner Pendant Urs Fischer steht sein dem Sommer an der Seitenlinie und hat eine deutlich bessere Bilanz. Als einziges Zweitliga-Team ist Union noch ungeschlagen. Bildrechte: imago/Contrast
Philip Türpitz und Felix Kroos im Zweikampf
Unions Weltmeister-Bruder Felix Kroos (re.) im Zweikampf mit Magdeburgs Philip Türpitz. Bildrechte: imago/Contrast
Transparent im Fanblock von Union Berlin - ''Endlich werden Montagsspiele abgeschafft... Fehlen noch Englische Wochen! Und der FCM!''.
Die Union-Fans mit einem klaren Statement nicht nur gegen Montagsspiele ... Bildrechte: imago/Matthias Koch
Christian Beck (Magdeburg, 11) erzielt das Tor zum eins zu null für den 1. FC Magdeburg.
FCM-Torjäger Christian Beck erzielte seinen achten Saisontreffer... Bildrechte: imago/Jan Huebner
v.l. Felix Lohkemper (Magdeburg, 7), Christian Beck (Magdeburg, 11) jubelt über das Tor.
... und jubelte danach mit Felix Lohkemper (li.). Bildrechte: imago/Jan Huebner
Christian Beck (Magdeburg, 11) erzielt das Tor zum eins zu null für den 1. FC Magdeburg.
In der zweiten Hälfte zünden die Magdeburger Fans Pyrotechnik. Bildrechte: imago/Contrast
Akaki Gogia (Union, 11) schießt Tor
Unions Akaki Gogia trifft in der 65. Minute zum 1:1. Bildrechte: imago/Matthias Koch
Jubel nach dem Tor zum 1:1, Akaki Gogia (Nr. 11, 1. FC Union Berlin), Robert Zulj (Nr. 32, 1. FC Union Berlin)
Und jubelt hier mit Robert Zulj (re.). Bildrechte: imago/Matthias Koch
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Vor 23.149 Zuschauern in der MDCC-Arena dominierte der FCM den Aufstiegsaspiranten zunächst und belohnte sich durch die Führung. Torjäger Christian Beck traf mit seinem achten Saisontreffer nach 39 Minuten zur verdienten Führung. Ein zweiter Treffer wäre drin gewesen. "Machen wir das zweite Tor, holen wir hier vielleicht den ersten Heimsieg", musste FCM-Coach Michael Oenning im Konjunktiv sprechen. "Wir haben sofort den Respekt vor Union abgelegt. Da hätte ich mir gewünscht, dass wir das dann auch zu Ende bringen."

Doch nach dem Seitenwechsel kamen die Gäste besser ins Spiel. Der eingewechselte Akaki Gogia erzielte nach einem hervorragenden Angriff in der 65. Minute schließlich den Ausgleichstreffer. Ob ihm dieser als Ex-Spieler des Halleschen FC, dem Magdeburger Rivalen in Sachsen-Anhalt, besonders gut geschmeckt hat? Der 26 Jahre alte Feinfuß lächelte nur, legte den Finger auf den Mund und meinte: "Pssst! Ein Gentleman genießt und schweigt."

Die nächste große Hürde wartet

Beim FCM waren sie nach dem Schlusspfiff um die richtige Einordnung des Unentschiedens bemüht – trotz aller Enttäuschung über den verpassten Sieg. "Wir haben gesehen, dass wir gegen eine Topmannschaft mithalten können", sagte Marius Bülter. Union ist Tabellendritter, noch ungeschlagen. "Keine Laufkundschaft", wie auch Christian Beck bemerkte. "Die wollen ganz klar aufsteigen, das dürfen wir nicht vergessen", sagte Felix Lohkemper, der im FCM-Angriff wieder einmal sehr agil war, allerdings auch eine Großchance liegen ließ. "Wir können uns keinen Vorwurf machen. Wir haben wieder alles rausgehauen. Bei uns hat keiner mehr Reserven", meinte er.

Michael Oenning
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Wir sind jetzt bereit, auch gegen Gegner solchen Kalibers befreit aufzuspielen.

FCM-Trainer Michael Oenning

Denn anstatt sich nach dem Gegentor hinten reinzustellen, drückte der FCM am Ende noch einmal – und war dem 2:1 näher als Union. "Ich bin stolz auf meine Jungs, dass sie sich nach dem 1:1 wieder gefangen haben", sagte Trainer Oenning. "Das ist ein Punkt geworden, den wir uns erspielt haben. Und das ist eine sehr positive Erkenntnis: Wir sind jetzt bereit, auch gegen Gegner solchen Kalibers befreit aufzuspielen."

Trifft sich gut. Am nächsten Spieltag geht es für den FCM nämlich zum Tabellenzweiten nach Köln – neben dem Hamburger SV der zweite große Aufstiegskandidat. Und: "Da", meinte Michael Oenning, "können wir völlig befreit aufspielen, haben nichts zu verlieren." Denn ein Remis gegen den Bundesliga-Absteiger wäre für Magdeburg wieder ein Punktgewinn – genau wie gegen Union Berlin.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine wunderschöne Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 09. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 09. Dezember 2018, 18:03 Uhr

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11 Kommentare

11.12.2018 10:25 MLink-Berlin 11

Ja das Remis bedeutet wieder nur 1 Punkt. Egal wie der Gegner heißt, Ziel sollten immer 3 Punkte sein, sonst wird die Rückrunde für eine geniale Aufholaktion nicht ausreichen!
Der einzige Lichtblick sind die 5 Teams, die mit uns da unten stehen.
Die Hoffnung stirbt zuletzt!!!

BWG aus der Mudderstadt

10.12.2018 16:22 Nur der FCM 10

Richtig Atze,nur 2 Punkte! Aber die Neuausrichtung der Offensive sollte Mut machen zum Vorgänger Jens!!! Hinten die Null kann man spielen lassen,aber sicherlich erreicht man in Liga 2 dafür eben nichts verwertbares...und warum muss man sicherlich nicht weiter hinterfragen,zu viel unzufriedene Spieler ist auf Dauer Gift in jeder Mannschaft dieser Welt! Da kannste Härtel heissen oder Sandhowe,da stehste irgendwann nun mal alleine da!

10.12.2018 14:10 61 9

@7)

Von wegen Union hatte einen schlechten Tag erwischt!!!
Man kann sich alles auch schön Reden!!!

Die Magdeburger haben garnicht so schlecht gespielt, wie von einigen hier so dargestellt wird...

Die erste Halbzeit ging an Magdeburg, schade nur das die Magdeburger ihre Chancen nicht genutzt hatten, ansonsten hätte es zur Halbzeit Pause 2:0 für den FCM gestanden...

Hätte wenn und aber........das Unentschieden geht voll in Ordnung, auch wenn es die Nörgler anders sehen...