Bjoern Jopek und Marvin Wanitzek
Bjoern Jopek (HFC) und Marvin Wanitzek (KSC) im Zweikampf Bildrechte: imago/Eibner

Niederlage im Spitzenspiel Was dem HFC noch nach ganz oben fehlt

Im Spitzenspiel gegen den Karlsruher SC kassiert der Hallesche FC eine 0:3-Niederlage. Die Badener demonstrieren, was ein Topteam der 3. Liga ausmacht – und was dem HFC noch fehlt.

Oliver Leiste
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von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Bjoern Jopek und Marvin Wanitzek
Bjoern Jopek (HFC) und Marvin Wanitzek (KSC) im Zweikampf Bildrechte: imago/Eibner

Torsten Ziegner muss eine Vorahnung gehabt haben. Immer wieder wurde der HFC-Trainer in den vergangenen Wochen gefragt, ob seine Mannschaft denn ein Spitzenteam sei. Nach dem Erfolg in Braunschweig vor einer Woche erklärte er dann: "Die richtigen Spitzenmannschaften schießen ihre Gegner auch mal ab. Wir müssen dagegen meist bis zum Schluss zittern."

Prompt demonstrierte der Karlsruher SC diese Spitzenteam-Qualitäten und krönte sich mit dem 3:0-Erfolg in Halle zum Herbstmeister der 3. Liga. Wobei man dem HFC Unrecht tun würde, wenn man ihm attestiert, er hätte sich abschießen lassen – auch wenn das Ergebnis etwas anderes suggeriert. Denn das Spiel hätte auch 6:3 für Halle ausgehen können. Und womöglich wäre der HFC sogar als Tabellenführer in die nächste Woche beginnende Winterpause gegangen, hätten Sebastian Mai oder Moritz Heyer nach einer Ecke in der 3. Minute die frühe Führung erzielt.

Elfmeter bringt Führung für Karlsruhe

Anton Fink trifft zum 1:0 für Karlsruhe
Anton Fink erzielte die Führung für die Gäste. Bildrechte: imago/Eibner

Doch es kam anders. Während die Rot-Weißen gleich zu Beginn einige gute Möglichkeiten liegen ließen, legte Karlsruhe jene Effizienz an den Tag, die ein wirkliches Topteam ausmacht. Nach einem Konter foulte Heyer in der 20. Minute Kyoung Rok Choi im Strafraum. Anton Fink, Rekordtorschütze der 3. Liga, traf sicher. In der Folge kam der HFC dann zu weiteren guten Möglichkeiten, hatte bei Umschaltsituationen der Gäste aber auch immer wieder Probleme. Dabei war man eigentlich genau darauf vorbereitet, erzählt Björn Jopek: "Vor dem Spiel haben wir besprochen, dass Karlsruhe viele lange Bälle auf Pourie und Fink spielt. Das haben wir nicht gut wegverteidigt."

Ebenfalls auffällig: Braydon Manu rannte sich auf der rechten Seite immer wieder fest und verlor oft den Ball. Nach etwa 35 Minuten wechselten er und Marvin Ajani die Seiten. Ein Wechsel, der sich bezahlt machen sollte – sorgten doch fortan beide Außenspieler für mehr Gefahr.

Viele Chancen, keine Tore

In der zweiten Hälfte das gleiche Bild. Halle erspielte sich Chance um Chance, Karlsruhe aber traf. Wieder war es Fink, der zunächst Niklas Landgraf schlecht aussehen ließ, und dann unbedrängt einschob. Drei Chancen, zwei Tore, so lautete die nüchterne KSC-Ausbeute nach der 64. Minuten. Dem standen auf HFC-Seite mindestens doppelt so viele Möglichkeiten, aber kein Treffer gegenüber. Dass Marvin Pourie sogar noch das dritte Tor für die Gäste folgen ließ, war dann beinah schon nebensächlich.

"Es war nicht nur Coolness"

Mehr Erfahrung, Abgezocktheit und Coolness attestierten viele Beobachter anschließend dem KSC. "Stimmt nicht", widerspricht HFC-Trainer Ziegner und lenkt den Fokus auf seine Mannschaft: "Es wäre zu einfach, es auf die Coolness zu schieben. Fest steht, dass Karlsruhe eine Menge Erfahrung mitbringt, in Spitzenspielen zu agieren. Wir hatten aber schon Spiele dabei, wo der Gegner genauso gut wie Karlsruhe war, wo wir aber weniger Fehler gemacht haben."

Diese Aussetzer begünstigten zweifellos den KSC-Sieg. Doch es war eben auch die Konsequenz vor dem Tor, die am Samstag den Unterschied zwischen einem guten HFC und dem KSC als Spitzenmannschaft ausmachte. Und das war es auch, was Torsten Ziegner schon eine Woche zuvor meinte.

Kommt im Winter ein Stürmer?

Die fahrlässige Chancenverwertung zieht sich beim HFC wie ein roter Faden durch die Hinrunde. Zwischendurch traf Mathias Fetsch zwar in fünf Spielen sechs Mal, aktuell scheint ihm die Selbstverständlichkeit vor dem Tor jedoch wieder abhanden gekommen zu sein. Weil auch Pascal Sohm zu selten trifft und Kilian Pagliuca noch gar nicht zum Zug kommt, ist es nicht auszuschließen, dass sich der HFC im Winter um einen weiteren Stürmer bemühen wird. Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach kündigte zumindest an, dass sich die Hallenser vor der Rückrunde noch verstärken wollen.

Mathias Fetsch, Hallescher FC
Mathias Fetsch vergab gegen Karlsruhe einige gute Möglichkeiten. Bildrechte: imago/Karina Hessland

Die Niederlage gegen Karlsruhe ist ein Dämpfer im Aufstiegskampf, mehr nicht. In Halle wollen sie alles versuchen, um den Anschluss an die Spitzengruppe zu halten. Björn Jopek hat recht, wenn er sagt: "Wir haben noch viele Spiele. Karlsruhe ist momentan ein Stück besser. Aber wir spielen noch mal gegen Karlsruhe." Eine Kampfansage. Denn am letzten Spieltag könnte der Hallesche FC beweisen, dass auch er eine Spitzenmannschaft ist.  

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen - und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Dezember 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Dezember 2018, 08:41 Uhr

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8 Kommentare

17.12.2018 16:42 sportfrei 8

Die Frage ist doch auch: Ist das Glas halbvoll oder halbleer.
Ich bin am Samstag nicht mit schlechter Laune nach Hause gefahren, weil ich gesehen habe, dass da ein Team auf dem Platz stand, was alles versucht hat. Und am Ende mehr an sich selbst als am Gegner gescheitert ist. Aber es macht weiter Spass, den Jungs zu zu schauen. Auch, wenn nicht alles klappt. Man verzeiht Fehler leichter.
Wenn die Mannschaft grösstenteils zusammenbleibt und punktuell verstärkt wird, könnten wir irgendwann man ein Topteam in der Liga werden. Mithalten können wir mit allen, die meisten Mannschaften wurden spielerisch beherrscht. Der Ertrag ist vergleichsweise gering. Das haben uns Teams wie der Gegner am Samstag noch voraus. Das ist ein Lernprozess, der gerade erst beginnt.

17.12.2018 11:56 Ken 7

Ja du hast auch recht, doch ich glaube nicht, dass irgendwer fehlt.
Ich glaube, dass das Potential noch nicht ausgeschöpft wurde. Man muss dieser jungen Mannschaft einfach mal Zeit geben.

Letzte Saison hat niemand erwartet, dass der HFC überhaupt eine Chance hat, da oben anzugreifen und nun, da Halle plötzlich in so kurzer Zeit eine enorm erfreuliche Entwicklung gezeigt hat, kritisiert man lieber, anstatt anzuerkennen, dass der HFC seinen Fans endlich mal was bieten kann und sich nicht verstecken muss.

Glaubt ihr etwa, dass diese Beiträge spurlos an der Mannschaft vorbeigehen?

17.12.2018 10:22 pickering 6

Ich denke schon, dass die Überschrift genau passt. Weil es eben genau diese angesprochene Unfähigkeit, vor dem gegnerischen Tor in aussichtsreicher Position zu knipsen, gibt. Gäbe es die nicht, hätten wir z.B. Braunschweig "vom Platz gefegt" und am Samstag gegen den KSC 3 Punkte eingefahren und würden wohl ganz weit oben stehen.
Und nicht nur die Überschrift sondern auch der gesamte Kommentar trifft so ziemlich ins Schwarze.
Dafür von mir an dieser Stelle mal ein großes Lob.
RWG aus BBG
:D