Was Eishockeyspieler im Sommer machen Kai Schmitz: Der späte Wandel zum Vorbild

Kai Schmitz ist das bekannteste Gesicht der Saale Bulls, Sachsen-Anhalts einziger Eishockeymannschaft. Obwohl die Saison erst Ende September beginnt, bereitet er sich schon jetzt intensiv vor. Zu seinem Image passt das nur bedingt.

Stephan Michme und Kai Schmitz
MDR SACHSEN-ANHALT-Moderator Stephan Michme und Kai Schmitz (r.) beim Wasserspringen in Halle. Bildrechte: IMAGO

Wie er die Sommerpause verbringe - Kai Schmitz muss lachen, als er die Frage am Telefon hört. "Na da sind Sie ja an den Richtigen geraten." Heißt im Klartext: Der Eishockeyspieler der Saale Bulls ist keiner, der rund um die Uhr trainiert. Sondern jemand, der das Leben genießt. Mit Kumpels oder beim Motorradfahren etwa. Oder beim Wassersprung-Event "Der Sprung meines Lebens", wo er gemeinsam mit MDR SACHSEN-ANHALT-Moderator Stephan Michme an den Start ging.

Stephan Michme und Kai Schmitz beim Sportevent Sprung meines Lebens im Nordbad.
Olympiareif fliegen Schmitz und Michme vorm Sprungturm. Bildrechte: IMAGO

Trotzdem verabreden wir uns am darauffolgenden Tag im Fitness-Studio. "Ich trainiere sicherlich nicht am meisten in unserer Mannschaft", gibt Schmitz unumwunden zu. "Aber wenn man es richtig macht, ist die Anzahl der Einheiten nicht entscheidend. Sondern die Qualität." Der Verteidiger war in der vergangenen Saison einer der fittesten Spieler der Saale Bulls. Zudem war er einer der schnellsten auf dem Eis – sowohl in der Vorwärtsbewegung, als auch beim Rückwärtslaufen. Und das obwohl er auch da schon nicht mehr der Jüngste war.

Hilfe von Ex-Coach Kimstatsch

Mittlerweile ist Schmitz 32 und so früh ins Training eingestiegen, wie noch nie. "Letztes Jahr ging es erst Anfang Juli richtig los. Diesmal wollte ich mein Level in der Sommerpause aber einigermaßen halten und habe schon im April, drei oder vier Wochen nach dem Saisonende, wieder angefangen." Bei der Vorbereitung hilft ihm, wie schon im vergangenen Jahr, Georgi Kimstatsch.

Der 42-Jährige war bis Ende Februar Cheftrainer der Saale Bulls. Seit seinem Rauswurf konzentriert er sich wieder mehr auf seine Versicherungsagentur in Halle. Außerdem steht sein Kurs für die B-Lizenz als Trainer im Eishockey kurz vor dem Abschluss. Vom Kufensport hat Kimstatsch, der auch viele Jahre lang in Halle spielte, dennoch erstmal genug. Stattdessen will er demnächst ein Studium zum Heilpraktiker beginnen. Zu guter Letzt hat er aber auch eine Ausbildung als Personal Coach und verbringt deshalb im Sommer viel Zeit mit Kai Schmitz im Fitnessraum. 

50 Minuten Qualen

Zu Beginn der Einheit hat Schmitz noch gut lachen. Er plaudert locker und lässt den einen oder anderen derben Spruch los. So wie man ihn kennt. Doch als er den Kraftkreis mit gut zehn Stationen sieht, wird er schnell still. Gnadenlos treibt ihn Kimstatsch durch die einzelnen Stationen. Zum Ende des Trainings, das gerade mal 50 Minuten dauert, kann sich Schmitz kaum noch auf den Beinen halten.

Georgi Kimstatsch erklärt das Ziel der Übung: "Eishockey ist eine extrem bewegliche und schnelle Sportart, die jedoch auf kurze Belastungszeiträume begrenzt ist. Das versuchen wir hier im Zirkeltraining mit vielen Bewegungen und Gewichten zu simulieren." Training auf dem Eis können die Trockenübungen dennoch nur bedingt ersetzen. "Du kannst trainieren wie du willst, aber wenn du dann das erste Mal auf’s Eis kommst, haut es dich trotzdem um", weiß Schmitz aus zahlreichen Vorbereitungen.

So fokussiert hat man Kai Schmitz nicht immer erlebt. Oft war das Gegenteil der Fall. Seit 2005 spielt er, mit zwei Unterbrechungen, in Halle und war dabei lange der unumstrittene Strafenkönig. Laut Saale-Bulls-Statistiker Mario Schoppa saß er in 345 Pflichtspielen über 1.200 Minuten auf der Strafbank. Die Fans gaben ihm liebevoll den Spitznamen "Hooligan". Auch seine Ausflüge ins Nachtleben waren legendär und rund um die Eishalle gern erzählte Geschichten.

Karriereende naht

In den letzten beiden Spielzeiten präsentierte sich Schmitz disziplinierter, kassierte weniger Strafen und nahm nicht mehr jede Einladung zu einer Schlägerei auf dem Eis an. Dass er sich nun so gut vorbereitet, wie vielleicht noch nie, hat Gründe. Der Verteidiger weiß, dass er nicht mehr ewig spielen wird. In einer Oberliga, die immer stärker wird, muss er mehr tun, um auf dem Eis Leistung zeigen zu können. Obwohl er sich als Kölner zu 100 Prozent mit Halle identifiziert, fühlte er sich in den vergangenen beiden Jahren nicht komplett wohl. Was zum Teil an ihm, zum Teil aber auch an überzogenen Erwartungen des Umfelds an die Mannschaft und an ihn selbst lag. Und sicher auch am schwachen Abschneiden der Saale Bulls in der vergangenen Saison. Deshalb will er es nun noch mal wissen.

Folgt eine überragende Serie, kann sich Schmitz vorstellen, noch eine Weile zu spielen. "Andernfalls ist nach der Saison Schluss", stellt er klar. Und dann? Es gibt lose Absprachen über eine Weiterbeschäftigung im Verein, wirklich spruchreif ist aber noch nichts. Doch bis dahin ist auch noch mindestens ein Dreivierteljahr Zeit. Ab Mitte Juli will Schmitz die Trainingsintensität dann noch mal steigern, Ende August beginnt die eigentliche Saisonvorbereitung mit der Mannschaft. Jetzt geht es aber erstmal mit den Kumpels nach Mallorca. So wie früher, feiern bis zum Umfallen also? "Nee, meine Frau kommt auch mit", beschwichtigt Kai Schmitz. "Es wird also nicht ganz so wild." Und zehn Minuten nach dem Training ist er da schon wieder ziemlich gut gelaunt.

Eishockeyspieler Kai Schmitz beim Training
Am Ende der Trainingseinheit ist Kai Schmitz völlig fertig. Bildrechte: MDR/ Oliver Leiste

Quelle: mdr/olei

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