ESL Meisterschaft in Magdeburg eSport-Führung für Eltern: Wenn Mama und Papa die Ego-Shooter kennenlernen

Das Kind spielt Ego-Shooter – und nun? Sogenannte "Ballerspiele" sorgen bei vielen Eltern für Unsicherheit. Die Welt des eSport ist ihnen fremd. Durch eine besondere Aktion bei der ESL Meisterschaft in Magdeburg soll sich das ändern.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

ESL Pro League-finalerne i CS:GO Counterstrike
Die Electronic Sports League ist Veranstalter verschiedener nationaler und internationaler eSport-Turniere. Bildrechte: imago images/Ritzau Scanpix

"Hilfe, mein Kind spielt Ballerspiele!" – so oder so ähnlich schießen die Gedanken bei vielen Eltern durch den Kopf. Wenn das eigene Kind begeistert Ego-Shooter spielt, ist die Unsicherheit oft groß. Doch: "Diese Ängste wollen wir ihnen nehmen", sagt Christoph Kohlhass. "Wir wollen mit Vorurteilen aufräumen."

Kohlhass ist verantwortlich für die ESL Meisterschaft. Die Winterrunde der höchsten eSports-Spielklasse im deutschsprachigen Raum wird am Sonnabend und Sonntag erstmals in Magdeburg ausgetragen – und für die Familien der jungen Zocker gibt es eine ganz besondere Aktion: Kostenlos können sie sich für die Aktion "Eltern willkommen!" anmelden und an einer Führung teilnehmen. Sie erhalten einen Blick hinter die Kulissen. Und: "Sie können ihr Kind so besser verstehen", sagt Christoph Kohlhaas.

#MDRklärt Darum hat Magdeburg das Zeug zur eSport-Hauptstadt

Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
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Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
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Viele Menschen in einer ausgeleuchteten Halle.
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Im März fand im polnischen Kattowitz die elfte Saison der (Intel Extreme Masters) E-Sport Turniere statt.
Bildrechte: Electronic Sports League/Helena Kristiansson
Im März fand im polnischen Kattowitz die elfte Saison der (Intel Extreme Masters) E-Sport Turniere statt.
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Im März fand im polnischen Kattowitz die elfte Saison der (Intel Extreme Masters) E-Sport Turniere statt.
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Texttafel: "Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert"
Mehr Erklärgrafiken und -videos auf Instagram @mdrklaert Bildrechte: MDR/Max Schörm
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Magdeburg eSports lobt: "Eine großartige Aktion"

Ego-Shootern eilt ein fragwürdiger Ruf voraus. Bei dieser Art des Computerspiels bewegt sich der Spieler aus der Egoperspektive heraus und bekämpft seine Gegner mit Schusswaffen. Besteht ein Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt? Machen solche Spiele aggressiv? Diese Fragen stellen sich viele Eltern. Am Sonnabend wird Counter Strike, der bekannteste Ego-Shooter, in den Magdeburger Messehallen gespielt.

"Deswegen ist diese Aktion bei der ESL Meisterschaft auch so großartig", sagt Martin Müller, der Vorsitzende von Magdeburg eSports, dem mitgliederstärksten eSport-Verein Deutschlands. "Es ist wichtig, dass die Generation, die nicht mit eSport aufgewachsen ist, diese Faszination sieht und versteht, was es bedeutet, wenn das Kind spielt." Dabei geht es keineswegs nur um Ego-Shooter. In Magdeburg werden am Sonntag zum Beispiel die Wettkämpfe im Strategiespiel "League of Legends" ausgetragen.

Christoph Kohlhaas, Verantwortlicher für die ESL Meisterschaft
Bildrechte: MDR/Helena Kristiansson/ESL

Viele denken, dass bei uns alles laienhaft sei und sind dann überrascht, wie professionell wir alles aufziehen.

Christoph Kohlhaas, Verantwortlicher für die ESL Meisterschaft

Bereits zum vierten Mal findet "Eltern willkommen!" im Rahmen einer ESL Meisterschaft statt. Christoph Kohlhaas berichtet von den Erfahrungen mit der Aktion: "Der Zuspruch war bislang relativ groß – und das Staunen bei den Eltern ebenfalls. Viele Eltern hatten sich vorher gar nicht so richtig damit auseinandergesetzt. Umso schöner war es dann zu sehen, dass sie durch die Führung erkannt haben, dass die ESL Meisterschaft nicht viel anders ist als jede andere Sportveranstaltung auch."

eSport: Mehr als blasse Jungs mit Pickeln im Gesicht

Ob eSports nun als Sportart anerkannt werden sollte oder nicht, darüber wird seit Jahren diskutiert. Doch fernab dieser Debatte versuchen die Veranstalter, ein besseres Verständnis für eSport zu schaffen: "Viele denken, dass bei uns alles laienhaft sei und sind dann überrascht, wie professionell wir alles aufziehen", sagt Kohlhaas. Ein Blick in die Regie bei der ESL Meisterschaft genüge da meist schon. Die Wettkämpfe werden live im Internet übertragen. Mit Kommentatoren und allem, was dazugehört. "Das ähnelt vom Aufwand und der technischen Ausstattung einer Übertragung des ZDF-Fernsehgartens", sagt Kohlhaas.

Das zweite Vorurteil, mit dem die ESL-Verantwortlichen oft konfrontiert werden: "Der typische Gamer trägt Karohemd, ist blass im Gesicht, hat Pickel und sitzt den ganzen Tag nur vorm PC – das denken viele", sagt Kohlhaas. Doch: "Wenn sie dann sehen, wer bei der ESL Meisterschaft alles so unterwegs ist, wenn sie mit Spielern sprechen, hat sich diese Vorstellung schnell erledigt."

Martin Müller Magdeburg eSports
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Es ist wichtig, dass die Generation, die nicht mit eSport aufgewachsen ist, diese Faszination sieht und versteht, was es bedeutet, wenn das Kind spielt.

Martin Müller, Vorsitzender von Magdeburg eSports

Auch aus Magdeburg gibt es reichlich Gegenbeispiele: Marius Lauer zählt zu den gefragtesten eSport-Kommentatoren in ganz Deutschland. Lucas Reich verdient seinen Lebensunterhalt als eSport-Spieler. Martin Müller ist Vizepräsident des eSport-Bund Deutschland (ESBD). Blass sieht keiner der drei Macher aus. Alle drei betreiben auch ursprünglichen Sport. Nur ob sie ein Karohemd besitzen, ist nicht bekannt.

Computerspiel-Fans aus ganz Deutschland in Magdeburg

Ein weiterer Gedanke, mit dem Eltern oft zu den Führungen erscheinen würden: "Bei diesen Ballerspielen geht es nur um das Töten, denken viele", sagt Christoph Kohlhaas. Aber: "Das ist eben nicht so. Da geht es ganz viel um Strategie. Es geht um Teamplay. Das ist ein Wettkampf."

Von diesem können sich die Mütter und Väter am Wochenende in Magdeburg selbst ein Bild machen. Sie können alles fragen, was sie schon immer über eSport wissen wollten. Etwa 30 Anmeldungen gab es laut Veranstalter für "Eltern willkommen!" bereits. 1.500 bis 2.000 Computerspiel-Fans aus ganz Deutschland werden an beiden Tagen insgesamt in den Messehallen erwartet.

"Wir wollen den Leuten zeigen, was wir überhaupt machen, was bei einer ESL Meisterschaft passiert, wie junge Menschen das zu ihrem Beruf machen können und was die eSport-Szene für eine Gemeinschaft ist", sagt Christoph Kohlhaas. "Mit der Aktion betreiben wir klassische Aufklärungsarbeit." Und bieten Eltern eine Hilfestellung, die sich fragen: "Mein Kind spielt Ballerspiele – was nun?"

Was ist die ESL Meisterschaft?

Die Electronic Sports League fungiert als Veranstalter verschiedener nationaler sowie internationaler eSport-Turniere und -Ligen in über 50 Spielen. Bei der ESL Meisterschaft handelt es sich um die höchste Klasse im deutschsprachigen Raum. Es gibt sie bereits seit 17 Jahren. Die Finalspiele der Wintermeisterschaft in den Videospielen "Counter-Strike: Global Offensive" und "League of Legends" werden am 14. und 15. Dezember in Magdeburg ausgetragen und an hunderttausende Fans im Internet ausgestrahlt. Die Teams werden vor Ort um ein Preisgeld von insgesamt mehr als 67.000 Euro spielen.

Blick in die Veranstaltungshalle mit Fans
So frenetisch wie hier in diesem Jahr in New York geht es bei ESL-Veranstaltungen mitunter zu. Bildrechte: imago images / Chris Emil Janßen
Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 13. Dezember 2019 | 12:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. Dezember 2019, 15:42 Uhr

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