Spieler des HFC vor der Fankurve, Jubel nach dem Abpfiff.
Mit dem Sieg gegen Jena wurde eine grandiose HFC-Hinrunde eingeläutet. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Euphorie in Halle Wie der HFC-Aufstiegstraum wahr werden kann

Nach einer überzeugenden Halbserie träumen viele HFC-Fans vom Aufstieg in die 2. Bundesliga. Dass dieser wirklich gelingt, erwartet eigentlich kaum jemand. Doch genau deshalb könnte der Traum für Halle wahr werden.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Spieler des HFC vor der Fankurve, Jubel nach dem Abpfiff.
Mit dem Sieg gegen Jena wurde eine grandiose HFC-Hinrunde eingeläutet. Bildrechte: imago/Matthias Koch

Irgendwann ließ sich das Thema dann auch in der HFC-Kabine nicht mehr vermeiden. Normalerweise wird dort von Spiel zu Spiel gedacht. Alles nach dem nächsten Gegner liegt in weiter Ferne. Aber: "Wir haben festgestellt, dass uns tatsächlich der Aufstieg droht, wenn wir so weiter machen", sagt Jan Washausen grinsend.

Man merkt dem HFC-Kapitän an, dass er das selbst nicht so recht glauben kann. Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach kündigte vor Weihnachten an, mit der Mannschaft über eine Aufstiegsprämie verhandeln zu wollen. "An das Thema müssen wir ran", findet auch Jan Washausen. Eine Entwicklung, die so vor wenigen Monaten nicht abzusehen war.

Ursprüngliches Saisonziel: Abstiegskampf vermeiden

Denn nach den finanziellen Schwierigkeiten zu Beginn des Jahres 2018 war der Hallesche FC im Sommer mit dem Ziel in die Saison gestartet, nichts mit dem Abstiegskampf zu tun zu haben. Trainer Torsten Ziegner versprach, rasanten Fußball spielen zu lassen. Gemeinsam wollten sie beim HFC die Fans wieder begeistern.

All das hat dermaßen gut funktioniert, dass der Hallesche FC nach 20 Spielen auf Platz 4 steht – mit nur drei Punkten Rückstand auf Platz zwei. So wurde der Aufstieg in die 2. Bundesliga doch ein Thema.

"Viele Spieler verbessert"

Fragt man Sportdirektor Ralf Heskamp nach den Gründen für die gute Hinrunde, muss er nicht lange überlegen: "Das liegt vor allem am Charakter der Mannschaft, am Zusammenhalt." Außerdem hätten sich viele Spieler verbessert, lobt er die Arbeit von Trainer Torsten Ziegner. "Die Leute haben Spaß an der Art, wie wir spielen", hat der Sportdirektor beobachtet.

Wir wollen die Euphorie nicht bremsen. Aber wir sind mit unseren Voraussetzungen eben nicht der Topfavorit.

Sportdirektor Ralf Heskamp

Zudem tue der Verein sehr viel, damit sich die Spieler wohlfühlten, so Heskamp. Dazu gehöre auch eine gute medizinische Versorgung, um langwierigen Verletzungen vorzubeugen. Eine Lehre aus dem Vorjahr, als der HFC mit zahlreichen Verletzungen große Probleme hatte. "Und weil wir sehr viele junge Spieler haben, sind wir mit unserer Entwicklung noch nicht am Ende", blickt Heskamp positiv in die Zukunft.

Sportdirektor Ralf Heskampf und Trainer Torsten Ziegner (Hallescher FC)
Sportdirektor Ralf Heskampf und Trainer Torsten Ziegner (r.) arbeiten gut zusammen. Bildrechte: IMAGO

Besonderer Zusammenhalt

Immer wieder fällt das Wort Zusammenhalt, wenn die Beteiligten versuchen, den Erfolg des HFC in den zurückliegenden Monaten zu erklären. Es ist eine besondere Stimmung, die zwischen den Spielern herrscht. Auch außerhalb des Stadions verbringen sie viel Zeit zusammen. Diese Harmonie findet man auch auf dem Platz wieder.

Ralf Heskamp kann sich während eines Telefonats nur an eine Situation erinnern, in der er einen vergleichbaren Zusammenhalt erlebte. "1984/85 war das. Damals war ich noch Spieler beim VfL Osnabrück. Wir waren von den Einzelspielern her sicher nicht die Besten, aber wir hatten ein tolles Team. Und am Ende der Saison sind wir auch aufgestiegen." Dann stutzt Heskamp kurz und lacht. "Das 'auch' streichen wir." Denn noch sei der HFC ja längst nicht aufgestiegen.

Bescheidenheit und Demut

Bescheidenheit und Demut gehören in diesen Tagen ebenfalls zu den Stärken des HFC. Spieler und Verantwortliche wissen, dass noch ein langer Weg vor ihnen liegt, bevor der Aufstiegstraum vielleicht wahr werden kann. "Wir wollen die Euphorie nicht bremsen", sagt Heskamp. "Aber wir sind mit unseren Voraussetzungen eben nicht der Top-Favorit." In den bisherigen Partien habe man aber auch gesehen, dass die anderen Spitzenteams nicht besser seien als der HFC, gibt sich Heskamp dennoch selbstbewusst.

Kein großer Änderungsbedarf

Deswegen sieht er auch keinen Bedarf, den Kader im Winter großartig zu verändern. "Wir werden nicht drei oder vier Spieler holen. Wenn überhaupt, dann vielleicht einen", so der Sportdirektor. Gesucht wird ein Offensivspieler. "Entweder jemand für die Außenbahn oder ein Mittelstürmer", sagt Heskamp. Denn die Chancenverwertung war in der Hinrunde das größte Manko. Einen Angreifer mit Torgarantie wird sich der HFC aber wohl kaum leisten können. "Wir bekommen keinen, der sofort 12 bis 18 Tore macht", ist er sich sicher. "Wenn überhaupt, bekommen wir einen, den wir dahin entwickeln können."

Es ist nicht so wichtig, diese Prämien zu verhandeln. Viel wichtiger wäre es, wenn der Verein sie im Sommer tatsächlich bezahlen muss.

Jan Washausen

Bleibt noch die Sorge der Fans. Vor zwei Jahren stand der HFC im Winter ähnlich gut da. In der Rückrunde brach die Mannschaft von Trainer Rico Schmitt ein und holte nur noch 18 Punkte. Droht nun eine Wiederholung? "Das ist bei dieser Truppe kaum vorstellbar", ist sich Ralph Heskamp sicher. "Wenn wir von Verletzungen verschont bleiben, wird das nicht passieren. Der Charakter der Mannschaft schließt einen solchen Einbruch aus."

 Jan Washausen (Halle) gegen Stefan Wannenwetsch (Rostock)
Hier ist Rostocks Wannenwetsch vor HFC-Kapitän Jan Washausen am Ball. In der Tabelle steht der HFC deutlich vor dem selbsternannten Aufstiegsanwärter. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

Vorbereitung auf Rückrunde beginnt

Zusammenhalt, Bescheidenheit und Spielfreude haben den Halleschen FC ins Spitzenfeld der 3. Liga gebracht. Wenn sich die Mannschaft diese Eigenschaften bewahrt und sie nicht zu hohe Erwartungen an eine mögliche Endplatzierung entwickelt, kann die Rückrunde eine besondere werden. Die Vorbereitung dafür beginnt am Donnerstag. Einen Tag später geht es für den HFC ins Trainingslager in die Türkei.

Irgendwann in den nächsten Tagen werden dann auch die von Jens Rauschenbach angekündigten Prämienverhandlungen stattfinden. Doch Jan Washausen hat recht, wenn er lachend erklärt: "Es ist nicht so wichtig, diese Prämien zu verhandeln. Viel wichtiger wäre es, wenn der Verein sie im Sommer tatsächlich bezahlen muss."

Dabei hängt das Glück des HFC-Kapitäns nicht von ein paar Tausend Euro mehr oder weniger auf dem Konto ab. Vielmehr spürt man bei ihm und seinen Mitspielern, dass sie Lust haben, gemeinsam etwas zu Großes zu erreichen. Und deshalb könnte der Traum von der 2. Bundesliga am Saisonende für den HFC tatsächlich wahr werden.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen – und noch lange nicht genug davon.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. Januar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 03. Januar 2019, 10:55 Uhr

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15 Kommentare

05.01.2019 01:28 abc 15

Schon ganz witzig wie immer dieselben Leute unter JEDEM HFC Artikel denselben Rotz schreiben. Jaja, der Absturz. Er kommt nach dem 5. ST, dem 12., dem 16. ST usw. usf. Scheint einige ja richtig oft zu beschäftigen. Grün vor Neid und rot vor Wut, es gibt nichts Schöneres :)
Was gibt es denn Besseres als eine Mannschaft, die trotz Etats im unteren Drittel fast durchgehend im oberen Drittel mitspielt.

04.01.2019 17:16 Cardoso 14

Immer ruhig bleiben. Wie ich die Mannschaft so einschätze, wird der Einbruch nicht lange auf sich warten lassen. Halle ist für mich die Eintracht aus Frankfurt in der 3. Liga. Hinrunde spielen sie immer über ihren Möglichkeiten und in der Rückrunde kommt der Absturz. Aber ich will mal den Teufel nicht an die Wand malen. :)

04.01.2019 16:49 Versteher 13

ich würde es besser finden, wenn sie noch ein Jahr in der 3.Liga bleiben und die Mannschaft bleiben die sie sind. Besser jedenfalls als aufzusteigen und dann jedes Spiel zu verlieren. Sonst müsste ich dann auch Kommentare bei erfolgreicheren Mannschaften lesen und Unsinn kommentieren :-)

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