GETEC Arena
Wohin steuert der SC Magdeburg in Zukunft? Bildrechte: imago images / Hartmut Bösener

Handball Wie der SC Magdeburg an der Zukunft baut

Während der SC Magdeburg aktuell in der Bundesliga versucht, wieder in die Erfolgsspur zu kommen, laufen im Hintergrund längst die Planungen für die Zukunft. Größte Baustelle dabei ist die Arena der Grün-Roten.

GETEC Arena
Wohin steuert der SC Magdeburg in Zukunft? Bildrechte: imago images / Hartmut Bösener

Viel größer hätte der Stimmungsumschwung nicht sein können. Nach vier Siegen zu Saisonbeginn, darunter einem begeisternden Spiel gegen Kiel, stand der SC Magdeburg an der Spitze der Handball-Bundesliga. Der SCM erschien manchem auf dem direkten Weg zur ersehnten Meisterschaft zu sein. Es folgten drei Pleiten in der Liga und das Aus im DHB-Pokal. Innerhalb von drei Wochen ging es stimmungsmäßig vom Dachgeschoss tief in den Keller. Und es gab einige, die sofort alles in Frage stellen wollten. Die Mannschaft, den Trainer, die Vereinsführung.

SCM-Geschäftsführer Marc-Henrik Schmedt schwankt zwischen Kopfschütteln und Schmunzeln, als er davon berichtet. "Wenn wir hier nach ein paar Niederlagen direkt alles über den Haufen werfen würden, wären wir nie so weit gekommen. Wir können nicht alle vier Wochen das Konzept ändern." Was er meint? Der SCM hat sich in den vergangenen Jahren von einer Mittelfeldmannschaft zu einem Spitzenteam entwickelt.  Die Plätze 3 und 4 zuletzt in der Bundesliga belegen dass genauso, wie regelmäßige Teilnahmen bei Pokal-Finalturnieren.

Kontinuität als Erfolgsfaktor

Der sportliche Erfolg in Magdeburg hängt auch eng mit der personellen Kontinuität auf den Führungspositionen zusammen. Bennet Wiegert ist seit vier Jahren Trainer und für den sportlichen Bereich verantwortlich, Schmedt kümmert sich seit mehr als neun Jahren um die wirtschaftliche Entwicklung der Handballprofis. Und ist dabei durchaus erfolgreich. So hat der SCM in den vergangenen Jahren den finanziellen Abstand zu den Spitzenteams Kiel, Flensburg, den Rhein-Neckar Löwen sowie zu Melsungen verkürzt, erklärt Schmedt.

Beständigkeit soll auch in Zukunft das Bild des SCM prägen. "Wir wollen am Wachstumsgedanken festhalten", sagt Schmedt, "und uns sportlich und finanziell Schritt für Schritt entwickeln." Damit das gelingt, arbeitet er, gemeinsam mit Wiegert an der Zukunft.

Sportlich sind die Weichen dabei schon jetzt gestellt. Der Kader wird sich in den nächsten beiden Jahren nur geringfügig verändern. Für die kommende Saison ist aktuell nur noch ein Kaderplatz vakant. Wobei eine Vertragsverlängerung mit Kreisläufer Erik Schmidt, der diese Position aktuell besetzt, durchaus möglich ist.

Schwierige Baustellen im Hintergrund

Weitaus schwieriger sind die Baustellen, die im Hintergrund zu bewältigen sind. Eine davon ist finanzielle Ausstattung der Handballer. Geschätzt acht Millionen Euro beträgt der Etat in dieser Saison. In der Bundesliga liegen die Magdeburger damit auf Platz 5 oder 6, glaubt Schmedt. Deshalb soll künftig möglichst noch mehr Geld zur Verfügung stehen, um die ehrgeizigen Ziele des Vereins zu erreichen. 2020 endet zunächst die Partnerschaft mit Hauptsponsor Getec, Schmedt sieht sich hier aber in guten Gesprächen für eine Verlängerung.

Und Schmedt sieht den SCM, was Sponsoren angeht, generell gut aufgestellt. "Wir haben mehr als 400 Wirtschaftspartner. Diese breite Unterstützung ist das Fundament sowohl Sponsorenabgänge als auch ein schwächelnde Konjunktur zu begegnen." Die Sponsorenerlöse machen etwa zwei Drittel der Gesamteinnahmen aus. Hinzukommen Zuschauereinnahmen, Fernsehgeld und der Verkauf von Fanartikeln. Steigerungspotential sieht er vor allem in der TV-Vermarktung, gerade weil der SCM was das Interesse der Fernsehzuschauer angeht, längst auf Champions-League-Niveau unterwegs ist.

Geschäftsführer Marc Henrik Schmedt (SC Magdeburg)
Marc-Henrik Schmedt baut an der Zukunft des SCM. Bildrechte: imago images / Christian Schroedter

Arena ist in die Jahre gekommen

Wenig titelreif ist dagegen die Getec-Arena, das Wohnzimmer des SCM. 22 Jahre nach ihrer Eröffnung ist die Halle in die Jahre gekommen. Dass bei Stürmen mehrfach das Dach beschädigt wurde, ist dabei fast vernachlässigbar. Schwerer wiegt für Marc Schmedt der fehlende Komfort: "In vielen Städten gibt es mittlerweile Hallen, die deutlich moderner sind. Deswegen müssen wir zusehen, dass wir konkurrenzfähig bleiben."

Dabei denkt der 49-Jährige jedoch nicht in erster Linie an eine Erhöhung der Zuschauerkapazität. Eine solche war 2006 im Magdeburger Stadtrat beschlossen, aber nie umgesetzt worden. " Wir müssen in erster Linie für mehr Qualität und Komfort sorgen. Gastronomie, Sanitäreinrichtungen, Bestuhlung und eine ausreichende Onlineanbindung" ist ein Wunsch von Schmedt. "Wir konkurrieren beim Publikum eben auch mit anderen Freizeiteinrichtungen wie Spaßbad, Zoo und z.B. den Elbauenpark. Handball-Bundesliga ist Identifikation für die Fans, aber auch ein Event für die ganze Familie."

Ständiger Umbau kostet viel Geld

Am meisten Kosten verursachen die fehlenden festen VIP-Räume in der Halle. An den Kopfenden der Arena gibt es entsprechende Räumlichkeiten, die jedoch auch als Sporthallen oder Lagerräume dienen. "Vor jedem Spiel müssen wir die Turngeräte abbauen und den VIP-Bereich einrichten. Nach dem Spiel wird dann alles wieder zurückgebaut. Allein dadurch entstehen uns jährlich Kosten im sechsstelligen Bereich", so Schmedt

Mithilfe von Anbauten könnte das Problem gelöst werden. Die ersten Pläne dazu existieren bereits seit 2008. Auch mit der Stadt Magdeburg haben die SCM-Verantwortlichen schon darüber gesprochen. Eine Anfrage von MDR SACHSEN-ANHALT, wie die Stadt zu den Plänen steht, blieb bislang unbeantwortet.

Die Getec-Arena in Magdeburg.
Die 1997 als Bördelandhalle eröffnete Arena ist inzwischen in die Jahre gekommen. Bildrechte: dpa

Hallen-Umbauten wichtig für die Zukunft

Überhaupt ist die Zukunft der Getec-Arena nicht ganz klar. 2022 endet die bisherige Nutzungsfestlegung. Diese schreibt fest, dass die 1997 eröffnete Bördelandhalle vorrangig als Sporthalle zu nutzen ist. In drei Jahren könnten also auch andere Veranstaltungen mehr Gewicht im Belegungsplan bekommen – zu Lasten des Sports. Dass das tatsächlich passiert, glaubt Schmedt nicht. Schließlich sei das Verhältnis zur Stadt sehr gut. Und er hofft auf eine ähnliche Unterstützung, wie sie die Fußballer nebenan derzeit beim Umbau des Heinz-Krügel-Stadions erfahren. "Wir könnten so vieles von dem umsetzen, was wir vorhaben", erklärt der SCM-Geschäftsführer.

Die Umbauten könnten dazu beitragen, die Halle fit für Zukunft zu machen und wären zugleich ein wichtiger Baustein für die Entwicklung des SC Magdeburg. Denn die soll langfristig weiter nach oben gehen – allen ergebnisbedingten Stimmungsschwankungen zum Trotz.

Mehr zum Thema

Oliver Leiste vor einer Fantribüne mit grün-rotem Hintergrund + Video
Bildrechte: MDR/ imago images / Christian Schroedter

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 10. Oktober 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 11. Oktober 2019, 14:15 Uhr

0 Kommentare

Mehr Sport aus Sachsen-Anhalt