3. Liga Wie FCM-Fans den Job des DFB "erledigen"

Daniel George
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Im Streit um die Zukunft der dritten Liga fordert DFB-Vizepräsident Rainer Koch immer wieder Lösungen. Ein Fanclub des 1. FC Magdeburg hilft dem größten Fußballverband der Welt – und schlägt vor, wie es weitergehen könnte.

Rainer Koch (DFB-Vizepräsident)
FCM-Fans haben DFB-Vizepräsident Rainer Koch einen Spielplan-Entwurf für die kommende Saison gesendet. Bildrechte: imago images / Sven Simon

Rainer Koch mag Facebook. Beinahe täglich teilt der Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) dort seine Meinung – und die findet dann deutschlandweit den Weg in die Medien. Selbst auf Nachrichtenanfragen von Fans reagiert der 61-Jährige. "Die Zeit nimmt er sich tatsächlich. Dafür respektiere ich ihn", sagt Diana Falke, Anhängerin des 1. FC Magdeburg.

Die beiden schrieben in dieser Woche auf dem sozialen Netzwerk miteinander – und so kam es, dass FCM-Fans plötzlich den Job des DFB erledigten.

FCM-Fanclub erstellt Spielplan für 3. Liga

Alles begann mit einer Frage zum Feierabend, wie Koch sie nannte: "Kann ein Drittligist heute für den Abbruch der 3. Liga und gegen Geisterspiele sein, aber im August ohne Zuschauer und mit aufwändigen Corona-Tests wieder spielen wollen?" Für den Funktionär ist die Antwort klar: Koch setzt sich seit Wochen vehement für eine Fortsetzung der Drittliga-Saison ein – im Gegensatz zum 1. FC Magdeburg.

"Ich wollte ihm die Frage gerne beantworten und meine Fan-Sicht darlegen", erzählt Diana Falke. Ihre Nachricht beinhaltete den Vorschlag, die Saison so spät wie möglich zu beginnen. Kochs Antwort ließ nicht lange auf sich warten. Er zählte auf, wie viele Spieltermine (55) in wie viele Wochen (30 bis 32) gelegt werden müssten und fragte schlussendlich, wie das möglich sein solle.

FCM-Anhängerin Diana Falke, Fan
Bildrechte: MDR/Diana Falke

Eine Chancengleichheit gibt es nicht mehr, da in jedem Bundesland andere Verordnungen gelten und damit auch ungleiche Trainingsbedingungen. Dies sollte der DFB einsehen und die aktuelle Saison für beendet erklären.

Diana Falke, Anhängerin des FCM

"Die Frage fand ich interessant. Deshalb haben wir sie in unserem Fanclub besprochen und an einem Spielplan für die neue Saison gebastelt", erzählt Falke. Mit den anderen 15 Mitgliedern der "Sektion Twitter" erstellte die 36-Jährige so einen Rahmenterminkalender für die Spielzeit 2020/2021 – und erledigte innerhalb eines Tages die Aufgabe des DFB. Dabei orientierten sie sich an den Vorschlägen von FCM-Geschäftsführer Mario Kallnik und planten unter anderem mit 25 Teams.

Fans würden Preiserhöhung akzeptieren

Kochs Kritikpunkte: In Europapokal-Wochen dürfe generellt nicht unter der Woche gespielt werden und in FIFA-Abstellungsperioden müssten die Nationalspieler zu den Nationalmannschaften. Beides Hindernisse, die zwar theoretisch durch Ausnahmegenehmigungen überwunden werden könnten. Aber Englische Wochen seien ja gerade bei Fans nicht gerne gesehen.

Diana Falke und die Sektion Twitter ließen sich auch darauf Antworten einfallen: Die Entfernung bei Auswärtsspielen unter der Woche könnte bewusst gering gehalten werden. Warum im August ohne Zuschauer gespielt werden soll aber jetzt nicht? "Im August hätte man nach unserem Spielplan lediglich fünf Spieltage anstatt nun elf", sagt Falke. "Diese fehlenden Einnahmen könnte man über das Ticketing der restlichen Spiele kompensieren." Sprich: Die Fans würden sogar eine Erhöhung der Kartenpreise akzeptieren. Ein weiteres Zeichen der Solidarität.

Hier gibt es den Spielplanentwurf der FCM-Fans für 2020 und 2021 im Überblick.

Nun muss festgehalten werden, dass sich auch der DFB natürlich (hoffentlich) längst mit einem modifizierten Spielplan für die nächste Saison beschäftigt – und das bei diesen Überlegungen unzählige bürokratische wie sportpolitische Fragen eine Rolle spielen. Nur bekräftigt diese kleine Episode den Eindruck der vergangenen Tage: Die einen arbeiten an Lösungen, die anderen wollen ihre Idee durchsetzen um jeden Preis.

DFB vs. Vereine: Streit eskaliert

Der Streit um die Fortsetzung der Drittligasaison ist längst eskaliert. Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff warf dem DFB zuletzt Erpressung vor, weil Präsident Fritz Keller in einem Telefongespräch mit Lizenzentzug für den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC gedroht haben soll. Der DFB bestreitet diese Vorwürfe.

Der FCM hatte sich am Donnerstag in einem offenen Brief an den DFB gewandt und Fairplay sowie Respekt gefordert. Der DFB hatte in einem Schreiben die Abbruch-Befürworter eines unwürdigen und unerträglichen Schauspiels bezichtigt. Für die Magdeburger überschreite das die Grenze eines demokratischen und gesellschaftlichen Miteinanders.

Sachsen

FCM-Geschäftsführer Kallnik im Interview 22 min
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Sa 09.05.2020 15:51Uhr 21:58 min

https://www.mdr.de/sport/sport-im-osten/video-407980.html

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Video

Der Hallesche FC wies daraufhin, dass – anders als vom DFB dargestellt – längst konkrete Vorschläge für den Fall eines Saisonabbruchs unterbreitet worden seien. Diese hatte Vizepräsident Rainer Koch in dieser Woche gefordert. Bereits vor einem Monat hatten die Abbruch-Befürworter ihre Lösungsvorschläge jedoch in einem Papier niedergeschrieben und auch dem DFB übersendet.

Diana Falke sagt: "Eine Chancengleichheit gibt es nicht mehr, da in jedem Bundesland andere Verordnungen gelten und damit auch ungleiche Trainingsbedingungen. Dies sollte der DFB einsehen und die aktuelle Saison für beendet erklären. So könnte man sich auf die neue Saison vorbereiten." Einen Spielplanentwurf gibt es ja nun bereits.

Daniel George
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Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 15. Mai 2020 | 19:00 Uhr

5 Kommentare

Norbert B. vor 27 Wochen

Mal ganz ohne Vereinsbrille (meine wäre dann übrigens rot bzw. rot-weiß):
Respekt an die Fans aus dem Norden (kann selbst kaum glauben daß ich das gerade schreibe). Sicher waren in vielen Foren und Kommentarspalten Vorschläge zum weiteren Ablauf nach einem Saisonabbruch zu lesen. Aber als Fanclub innerhalb eines Tages die Arbeit der "Profis" vom Verband zu erledigen, was dieser nicht hinbekam weil man ja damit beschäftigt war den Druck auf die nicht "linientreuen" Vereine und sogar die Politik kontinuierlich zu erhöhen, und das Ergebnis dann via Fratzenbuch an den Verbandsvize zu übermitteln ist schon eine starke Leistung. Eigentlich müßte sich die gesamte Verbandsspitze jetzt erst mal in Demut auf die "stille Treppe" zurückziehen und mal in Ruhe darüber nachdenken was sie so in den letzten Wochen (nicht)geleistet haben! In meinen Augen eine verdiente Vorführung der DFB-Bosse.
Danke dafür, auch wenn die Urheber die falschen Farben tragen. ;-)

Mike.... vor 27 Wochen

25 Vereine?
Hat schon mal jemand daran gedacht. Das zum Herbst Winter die Fallzahlen noch einmal steigen könnten? Warscheinlich nicht. Dann gibt es zum Mai hin genug Diskussionen, wie bekommen wir die Saison zu Ende gespielt.
Also entweder kleinere Ligen oder die Verträge jetzt schon so formulieren das sie bis zum Ende der Saison gelten und die ist nach dem letzten Spieltag zu Ende. Entgegen kommt die WM 2022. Also die neue Saison bis Anfang November 2021 laufen lassen. Die neue beginnt im Februar. Die WM Starter werden sich Freuen, 3 Wochen Urlaub nach einer WM und trotzdem die Vorbereitung, mitmachen.
Damit wäre man auch bei dem was man wegen der vielen spielabsagen eh mal umgehen wollte. Tiefgefrorene Rasen. Durchgeweichte spielflächen. Da bleiben im Sommer sogar 2 Wochen Sommerpause. Aber 25 Vereine? Nur wenn nach dem Juni noch gespielt wird.

hettstedt vor 27 Wochen

Das ist nun wahrlich kein Alleinstellungsmerkmal der fcm Fans.
So kann man in diversen Foren nachlesen wie nahezu alle relevanten Fanszenen Vorschläge gebracht haben wie es weitergehen könnte.
Mal die blau-weiße Brille absetzen!
Es geht nicht um den fcm, sondern um alle Vereine, inklusive der Amateure.
Dies hier erweckt den Eindruck, dass einzig die Fcm Fans in der Lage wären, eine vernünftige Lösung für die Fortsetzung bzw das weitere Vorgehen zu finden.

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