Das Los einer kleinen Sportart "Wir brauchen jeden, der den Basketball in Sachsen-Anhalt liebt"

Der Basketball-Verband Sachsen-Anhalt kämpft den Kampf aller Sportarten in Sachsen-Anhalt: Er muss in einem traditionellen Handball-Land neben König Fußball bestehen – und setzt deshalb immer wieder auf neue Ideen.

Daniel George
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von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Logo des Basketball-Verbandes Sachsen-Anhalt
Der Basketball-Verband Sachsen-Anhalt stellt sich für die Zukunft auf. Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener

Aschersleben, Ballhaus, Anfang März: Während auf dem Parkett die Gegenwart spielt, gestaltet sich in den Tagungsräumen die Zukunft. Der Basketball-Verband Sachsen-Anhalt (BVSA) nutzt das Final-Four-Turnier im Landespokal für den Dialog mit seinen Vereinsvertretern. Was läuft gut? Was muss besser werden? Und vor allem: Wie kann sich der Basketball in Sachsen-Anhalt behaupten? Einem Land, dass dem Handball seit Jahrzehnten verfallen ist und in dem König Fußball wie sonst auch überall regiert.

"Wir müssen innovativ sein", sagt Thomas Schaarschmidt, der Vorsitzende des BVSA, über die Herausforderung, der zahlreiche kleinere Sportarten und -verbände gegenüberstehen. Und: "Wir müssen begreifen, dass es nur gemeinsam geht. Das sportliche Gegeneinander ist toll, davon lebt der Basketball. Aber abseits des Parketts müssen wir alle zusammenhalten."

Sachsen-Anhalt hat Einfluss auf Basketball-Deutschland

Deshalb der Zukunftsdialog im Ballhaus Aschersleben. Einen Tag lang wurde in verschiedenen Gruppen zwischen Funktionären, Vereinsvertretern oder Schiedsrichtern diskutiert – angeleitet von Mediatoren. Auch Henning Pape, Experte für Verbandsentwicklung aus Niedersachsen, war dabei. Sein Fazit: "Die Vereine wünschen sich, noch systematischer und strategischer vorzugehen. Da ist als Ansprechpartner vor allem der Landessportbund gefragt." Pape sagt: "Der BVSA ist aber schon jetzt richtig gut aufgestellt für einen Verband seiner Größe – sowohl was die Kompetenzen im Vorstand, als auch die Ideen angeht."

54 Vereine in Sachsen-Anhalt verfügen über Basketballabteilungen. 2.200 aktive Spieler gibt es, 110 lizenzierte Trainer und 100 aktive Schiedsrichter. In den vergangenen fünf Jahren ist die Mitgliederzahl des BVSA um zehn Prozent auf 2.180 Mitglieder gewachsen – trotz großer Konkurrenz und Abwanderung. Woran das liegt? "Bei uns", sagt Thomas Schaarschmidt, "hat das Gestalten eine größere Bedeutung als anderswo." Getreu dem Motto: "Einfach mal machen! Wir trauen uns, Ideen auszuprobieren."

So können sich Vereine für Förderungen bewerben. Oder auch für Projekte wie Colourful Balling, das mit einem Aktionstag beim jeweiligen Klub die Integration durch Basketball fördern soll.

Thomas Schaarschmidt, Vorsitzender des Basketballverbandes Sachsen-Anhalt
Bildrechte: MDR/Hartmut Bösener

Bei uns können die Vereine mitgestalten – sie sollen und müssen sogar. Wir trauen uns, Ideen auszuprobieren.

Thomas Schaarschmidt, Vorsitzender des BVSA

Schaarschmidt arbeitet hauptberuflich als Geschäftsführer der Ralf-Rangnick-Stiftung in Leipzig. Für den BVSA ist der 43-Jährige aus Dessau-Roßlau wie jeder seiner Vorstandskollegen ehrenamtlich tätig. Zwei Vollzeitstellen stellt der BVSA, zwei Teilzeitstellen und einen FSJler (Freiwilliges Soziales Jahr). Mit Carsten Straube gehört einer der besten Schiedsrichter Deutschlands zum Vorstand des Verbandes. Straube zählt außerdem zur Sportkommission des Deutschen Basketball Bundes (DBB). Vorstandsmitglied Karsten Stier sitzt in der Finanzkommission des DBB, Geschäftsführer Florian König in der Freizeit- und Breitensportkommission. Sachsen-Anhalt hat Einfluss im deutschen Basketball – trotz vergleichsweise geringer Mitgliederzahl.

Sachsen-Anhalts beste Basketball-Teams Der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) aus Weißenfels ist das Aushängeschild unter Sachsen-Anhalts Basketballvereinen. Die Wölfe spielen in der ersten Bundesliga und kämpfen dort derzeit um den Klassenerhalt.

Die BSW Sixers aus Bitterfeld, Sandersdorf und Wolfen treten in der Pro B an, der dritthöchsten Spielklasse, an. In der 1. Regionalliga Nord, der vierten Liga, sind außerdem die Aschersleben Tigers und die Baskets Wolmirstedt vertreten.

Die Basketball-Damen des SV Halle spielen in der zweiten Bundesliga.

Lob vom DBB-Präsidenten

"Ich halte den BVSA für einen sehr gut aufgestellten, leistungsstarken Landesverband mit kompetenten Mitstreiterinnen und Mitstreitern", sagt DBB-Präsident Ingo Weiss. "In seiner Geschäftsstelle in Dessau-Roßlau ist schon so mancher sehr positiver Impuls für den deutschen Basketball entstanden." So hat der BVSA in den vergangenen Jahren beispielhafte Projekte auf den Weg gebracht: Die Schul-Ligen zum Beispiel, in denen die Kleinsten das Spiel mit dem orangefarbenen Leder lieben lernen. Dazu wurde eine eigene Liga mit fünf Staffeln, eigener Struktur und Förderung aufgebaut. Ein anderes Beispiel: die Mitteldeutsche Basketball Academy, ein Pilotprojekt in Kooperation mit dem Erstligisten Mitteldeutscher Basketball Club (MBC) aus Weißenfels, durch das Talente für die Jugendnationalmannschaften ausgebildet werden sollen.

"Das sind beste Beispiele für die Kreativität und Leistungsfähigkeit im BVSA", sagt Ingo Weiss. "Dem Vorsitzenden Thomas Schaarschmidt, seinen Kolleginnen und Kollegen im Vorstand und den hunderten engagierten Ehrenamtlichen im gesamten Verband gebührt unser aller großer Respekt für ihr Engagement."

Ingo Weiss, Präsident Deutscher Basketballbund
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In der Geschäftsstelle des BVSA in Dessau-Roßlau ist schon so manch sehr positiver Impuls für den deutschen Basketball entstanden.

Ingo Weiss, Präsident des Deutschen Basketball-Bundes

Generationenmodell fehlt noch

Und doch steht eben die Frage im Raum: Wie soll die Zukunft aussehen? Am 25. Mai wird auf dem Verbandstag in Magdeburg ein neuer Vorstand gewählt. Der Verband will seine Vereine auch in die Pflicht nehmen bei der Zukunftsgestaltung, sie zugleich unterstützen, ihnen Chancen geben zum Beispiel durch Förderung für neue Schiedsrichter.

"Wo will ich in drei Jahren stehen? Diese Frage können vielleicht 50 Prozent der Vereine beantworten – aber 100 Prozent müssen sie beantworten, um voranzukommen", sagt Thomas Schaarschmidt. "Es gibt noch zu viele weiße Flecken auf Sachsen-Anhalts Basketball-Landkarte. Orte, in denen gar kein Verein angesiedelt ist." Warum? "Uns fehlt eben dieses Generationenmodell wie es der Handball in Sachsen-Anhalt hat, dass die Sportart von Generation zu Generation weitergegeben wird. Handball ist in Sachsen-Anhalt noch verwurzelter, Fußball sowie sehr beliebt", sagt Schaarschmidt. Aber: "Wir arbeiten daran, dass sich auch der Basketball dauerhaft etabliert." Und: "Dafür brauchen wir jeden, der den Basketball in Sachsen-Anhalt liebt."

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport-, Social-Media- und Politik-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 03. März 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. März 2019, 17:30 Uhr

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2 Kommentare

11.03.2019 18:34 Felix Fiedler 2

Das fängt ja prima an, wenn bei den besten Teams das Vorzeigeteam der Damen gleich vergessen wird.

Anmerkung MDR SACHSEN-ANHALT:
Danke für den Hinweis, wir haben die Mannschaft des SV Halle in unserem Artikel ergänzt.

10.03.2019 16:31 lummox 1

genauso sollten SNOOKER oder andere Billardarten aus ihrem nischendasein befreit werden. hier ist der öffentliche rund- und fernsehfunk gefragt mit seinen enormen einnahmen. anstatt diese nur einseitig für fußball zu verplempern oder für sinnfreie ratesendungen oder tausendfach wiederholte arztsendungen etc.