Torsten Ziegner
HFC-Trainer Torsten Ziegner ist zufrieden mit der Entwicklung seiner Mannschaft. Bildrechte: imago/Eibner

Nach Rekordsaison Wo der HFC noch besser werden kann

Der HFC hat die beste Saison in seiner Drittligageschichte gespielt. Am Ende fehlten Kleinigkeiten zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Mit ein paar Verbesserungen könnte dieser Traum nächstes Jahr wahr werden.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

von Oliver Leiste, MDR SACHSEN-ANHALT

Torsten Ziegner
HFC-Trainer Torsten Ziegner ist zufrieden mit der Entwicklung seiner Mannschaft. Bildrechte: imago/Eibner

Der Hallesche FC hat die erfolgreichste Saison seit 25 Jahren gespielt. 66 Punkte in der 3. Liga holte der Club noch nie, am Ende reichte diese Ausbeute für Platz vier. Zudem stellte das Team von Trainer Torsten Ziegner eine der besten Abwehrreihen der Liga. Torwart Kai Eisele blieb in fast jedem zweiten Spiel ohne Gegentor. Zum Abschluss gab es einen 3:2-Erfolg für die Hallenser bei Aufsteiger Karlsruhe. Kommende Woche kann die Mannschaft die Spielzeit mit dem Sieg im Landespokalfinale gegen Halberstadt krönen.

Am Ende fehlte nicht viel zum Aufstieg in die 2. Bundesliga. Trotz einiger Rückschläge platzte der Traum erst am vorletzten Spieltag. Wenn sich der HFC in einigen Bereichen noch etwas steigert, könnte der Traum im kommenden Jahr wahr werden.

Mehr Mut in großen Spielen

Solange die Saison noch offen war, gelang dem HFC kein Sieg gegen eines der drei Spitzenteams Osnabrück, Karlsruhe und Wiesbaden. Ein Unentschieden und vier, zum Teil krachende Niederlagen lautet die niederschmetternde Bilanz. Erst am letzten Spieltag konnten die Rot-Weißen dieses Bild etwas gerade rücken und beim KSC gewinnen.

"Es ist kein physisches Problem und liegt auch nicht an der Einstellung", erklärte Trainer Ziegner nach der Heimniederlage gegen Wiesbaden." Es war eher ein blasses Gesicht vor dem Spiel. Die Jungs waren extrem aufgeregt." Will heißen: Die junge Mannschaft hatte Angst davor, ein wichtiges Spiel zu verlieren. Ähnliches beobachtete der Trainer auch vor anderen entscheidenden Partien. 

Vor der Saison waren noch nicht viele Spieler beim HFC in Situationen gewesen, wo sie um etwas Großes gespielt haben. Entsprechend nachvollziehbar ist die Nervosität in manchen Momenten. Doch diese Erfahrungen werden dem HFC in Zukunft helfen. Denn wenn im kommenden Jahr wieder große Spiele anstehen, wird sich die Mannschaft an diese Momente erinnern – und dann womöglich anders auftreten.  

Entlastung durch Ballbesitz

Die großen Stärken des HFC in dieser Saison waren Pressing und das Umkehrspiel. Mit enormem Tempo setzten die Saalestädter ihre Gegner unter Druck, erzwangen Fehler und kamen zu Chancen. Im Spiel mit dem Ball haperte es jedoch mitunter. Vor allem auch bei eigener Führung. Dadurch fehlte die Entlastung.

Hat auch Kapitän Jan Washausen beobachtet: "Bei uns ist es so, dass wir extrem hoch pressen, was sehr viel Kraft kostet. Im Laufe des Spiels bist du dann kaputt, wenn du den Ball hast. Trotzdem versuchen wir, sofort wieder nach vorne zu spielen, um den Umschaltmoment zu nutzen." Die Folge: Irgendwann fehlen die Kräfte, um die Konter sauber zu Ende zu spielen.

Eine mögliche Lösung hat Washausen in der aktuellen Champions-League-Saison bei Ajax Amsterdam entdeckt: "Ajax spielt ein extremes Pressing, so wie wir es auch machen. Aber sie haben auch extrem gute Ballbesitzstafetten dazwischen, wo sie mal verschnaufen können. Das ist der Schlüssel."

Das Ziel für die kommende Saison müsse deshalb sein, sich weiterzuentwickeln und längere Ballbesitzphasen zu bekommen, glaubt der HFC-Kapitän. Auch wenn das natürlich auf einem anderen Niveau passieren wird als bei Ajax.

 Jan Washausen (Halle) gegen Stefan Wannenwetsch (Rostock)
"Der HFC braucht mehr Ballbesitzphasen", glaubt Jan Washausen. Bildrechte: Karina Heßland-Wissel

Höhere individuelle Qualität

Eine andere Möglichkeit ist Erhöhung der individuellen Qualität. Wenn die Außenspieler Marvin Ajani und Braydon Manu platt oder außer Form waren, ging beim HFC oft nicht mehr viel. Hier fehlten die Alternativen. Zudem hatten die Hallenser oft Chancen, die Spiele frühzeitig zu entscheiden. Doch die Effektivität vor dem Tor ließ häufig zu wünschen übrig.

Mit den Verpflichtungen von Dennis Mast und Patrick Göbel hat der Verein auf den Außenbahnen bereits reagiert und für mehr Alternativen gesorgt. Diese könnten dafür sorgen, dass die Hallenser in der Schlussphase eines Spiels noch mal frischen Schwung bekommen.

Doch auf die Verpflichtung eines richtigen Knipsers werden die Fans wohl einmal mehr vergeblich hoffen, erklärt Sportdirektor Ralf Heskamp im Gespräch mit MDR SACHSEN-ANHALT. "Jemanden, der uns 15 Tore garantiert, werden wir auch in Zukunft nicht bezahlen können. Die einzige Chance ist einen jungen Spieler dahin zu entwickeln."

Dabei solle man sich auch nicht davon täuschen lassen, dass der Verein den Etat um 500.000 Euro erhöht, so Heskamp: "Das ist der Etat für den Gesamtverein. Für den Lizenzspielerbereich gibt es nur einen Teil davon."  Zudem würden die Vertragsverlängerungen mit den Leistungsträgern Kai Eisele und Niklas Landgraf hier bereits zu Buche schlagen.

HFC-Sportdirektor Ralf Heskamp im Hörfunkstudio in Halle.
Sportdirektor Ralf Heskamp will den HFC verstärken. Bildrechte: MDR/Cornelia Winkler

Noch mehr Eigenwerbung

Vor einem Jahr interessierte sich kaum jemand mehr für den Halleschen FC. Das hat sich inzwischen geändert. Im Schnitt kamen 1.600 Fans mehr zu den Heimspielen als in der Vorsaison. Mit einem kleinen Fanshop, Plakaten und vielen Aktionen ist der Verein im Stadtbild deutlich präsenter als in der Vergangenheit.

"Doch obwohl der Verein sehr erfolgreich war, war das Stadion nur selten voll", bedauert der frühere HFC-Nachwuchsleiter und jetzige Aue-Cheftrainer Daniel Meyer. Hier müssen die HFC-Verantwortlichen dran bleiben. Denn eine volle Arena und gute Stimmung auf den Rängen kann dem Halleschen FC helfen, auch gegen stärkere Gegner zu bestehen – und den Aufstiegstraum vielleicht bald wahr werden zu lassen.

Oliver Leiste
Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer

Über den Autor Oliver Leiste arbeitet seit Anfang 2015 bei MDR SACHSEN-ANHALT - mit dem Schwerpunkt Sport. Dabei begleitet er den Halleschen FC, den 1. FC Magdeburg und den SC Magdeburg durch alle Höhen und Tiefen. Während seines Anglistikstudiums in Leipzig und auch danach war er für die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und Radio Mephisto 97,6 am Ball. Als gebürtiger Bernburger hat er in Sachsen-Anhalt schon vieles gesehen und noch lange nicht genug davon.

Mehr zum Thema

Kilian Pagliuca (HFC) schießt das 1:0 für den HFC im Spiel des HFC Hallescher FC vs. TSV 1860 München. + Video
HFC-Stürmer Kilian Pagliuca bejubelt seinen Treffer. Bildrechte: imago images / VIADATA

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 18. Mai 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. Mai 2019, 13:11 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

19.05.2019 17:00 Tobi 4

Geistlose Bemerkung Sueddeutscher, wir interessieren uns sehr für den HFC ...

19.05.2019 15:29 Holli 3

Wenn jetzt noch der Landespokal geholt werden kann, ist das ein erfolgreiches Jahr ohne wenn und aber. Der Aufstieg in die 2. kommt dann auch noch im neuen Jahr. Wird nicht so einfach, kann und muss Ziel sein.

18.05.2019 22:44 Paule 2

Nicht überheblich werden. Das hat schon ganz anderen die Beine weggehauen!