Vorstände des HFC v.r. Jürgen Fox (Vorstandschef der Saalesparkasse) , Sanierungsexperte Jens Rauschenbach
Hat die Zukunft des HFC im Blick: Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach (Mitte) Bildrechte: imago/VIADATA

Internes Schreiben Zweite Liga als Ziel: Rauschenbachs Zukunftsplan für den HFC

Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach hat den Halleschen FC vor der Insolvenz gerettet. Nun macht er seine Zukunft beim Drittligisten von den Ambitionen des Klubs abhängig. MDR SACHSEN-ANHALT liegt ein internes Schreiben vor, in dem Rauschenbach die Situation schonungslos analyisert und Perspektiven aufzeigt – Details über den Abgang des alten Vorstands inklusive.

von Daniel George, MDR SACHSEN-ANHALT

Vorstände des HFC v.r. Jürgen Fox (Vorstandschef der Saalesparkasse) , Sanierungsexperte Jens Rauschenbach
Hat die Zukunft des HFC im Blick: Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach (Mitte) Bildrechte: imago/VIADATA

Nach der erfolgreichen Rettung des HFC vor der Insolvenz will Vorstandsmitglied Jens Rauschenbach nun die Zukunft des Klubs gestalten. MDR SACHSEN-ANHALT liegt ein internes Schreiben vor, das Rauschenbach seinen Vorstandskollegen und dem Verwaltungsrat des HFC bereits vor einer Woche gesendet haben soll. Am Montagabend wurde es bei einer gemeinsamen Sitzung besprochen. Anlass ist die Vorstandswahl im Dezember.

Nach der erfolgreichen Rettung sei jetzt der Zeitpunkt für die strategische Weiterentwicklung gekommen, schreibt Rauschenbach. Diese müsse mit der anstehenden Vorstandswahl verknüpft werden: "Aus meiner Sicht macht eine reine Personenwahl für drei Jahre ohne Zielsetzung und Konsens über die angestrebte Entwicklung keinen Sinn. Für ein einfaches 'Weiter so' ohne strategische Erneuerung stehe ich nicht zur Verfügung." Rauschenbach ist seit neun Monaten im Amt und hat keine Lust auf Stillstand: "Unsere Fans, unsere Mitglieder und auch unsere Sponsoren erwarten zu Recht mehr."

Deshalb stellt er einen Zukunftsplan mit drei Kernpunkten für den HFC auf:

  • Erstens: organisatorische Weiterentwicklung und Professionalisierung
  • Zweitens: der Zweitliga-Aufstieg als sportliches Ziel
  • Drittens: signifikante Erhöhung des Budgets und ein klares Bekenntnis der Stadt und Sponsoren zum Verein

Rauschenbach konkretisiert seine Vorstellungen in dem vertraulichen Schreiben in allen Bereichen:

Sport: "Aufstieg in die zweite Bundesliga"

Die viel gestellte Frage "Wann wollt ihr aufsteigen?" sei zu einfach und könne im Fußball nicht seriös beantwortet werden. Doch die Voraussetzungen für einen Zweitliga-Aufstieg müssten geschaffen werden. Nur dieser könne das letztliche Ziel sein. Rauschenbach erklärt: "Die geringe Chance kann sich in dieser verrückten Liga selbst in dieser Saison ergeben, wenn wir oben mitspielen können." Und weiter: "Natürlich ist Erfolg im Fußball nicht planbar, aber die Chancen dazu können durch Budget und Maßnahmen deutlich vergrößert werden."

Das wurden sie laut Rauschenbach bereits durch die Verpflichtungen von Sportdirektor Ralf Heskamp und Trainer Torsten Ziegner. Damit sei dem HFC "ein überzeugender Neuaufbau im sportlichen Bereich" gelungen. "Natürlich haben wir einen jungen Kader und ein Budget, das sich im unteren Bereich der Liga bewegt, aber die Spielweise, das Engagement und das öffentliche Auftreten der Jungs führt zu einer positiven Ausstrahlung, wie wir sie noch nicht in der dritten Liga hatten."

Das Spielerbudget konnte laut dem Schreiben durch die positive Entwicklung der Sponsoringeinnahmen in den vergangenen Monaten bereits um einen nennenswerten Betrag erhöht werden. So seien beispielsweise die Verpflichtung von Stürmer Pascal Sohm und die Leihe von Kilian Pagliuca möglich gewesen. Außerdem habe der HFC beispielsweise Kaufangebote für Flügelspieler Marvin Ajani (Markwert: 275.000 Euro, Vertrag bis 30. Juni 2019) aus sportlichen Gründen abgelehnt.

+++ Spielerbudget nennenswert erhöht +++ Kaufangebote für Leistungsträger abgelehnt +++

Finanzen: "Signifikante Budgeterhöhung"

Der HFC sei Anfang des Jahres "praktisch insolvent" gewesen, so Rauschenbach. Fast wäre die Reißleine zu spät gezogen worden, die Insolvenz konnte haarscharf abgewendet werden, heißt es. "Wir haben gemeinsam auf Grundlage des von uns erstellten Sanierungskonzeptes innerhalb kurzer Zeit mit Unterstützung der Fans, der Sponsoren und der Stadt eine außerordentliche Sanierung mit der Zuführung zusätzlicher Gelder in Höhe von 1,5 Millionen Euro erreicht", erklärt Rauschenbach.

Der HFC werde das Jahr durch die erfolgreiche Sanierung mit einem Überschuss von 100.000 Euro abschließen. Damit würde sich das negative Eigenkapital der Vorjahre von 500.000 Euro auf 400.000 Euro verringern. Bilanziell sei der Klub damit jedoch immer noch überschuldet. Der Vorstand müsse deshalb stets eine "positive Fortführungsprognose" abgeben können.

Der Etat in dieser Saison beträgt laut des Schreibens 6,4 Millionen Euro. In 2017/2018 waren es 6,6 Millionen Euro, davon allerdings 1,5 Millionen Euro Rettungsgelder. "Ziel muss auch künftig eine seriöse und sichere Budgetführung zur Vermeidung von Schieflagen sein", so Rauschenbach, der seinen Vorstandsposten im Ehrenamt ausübt. Eine signifikante Budgeterhöhung sei entscheidend für die Entwicklung des HFC. "Hierzu gehören nun auch verbindliche Aussagen der Hauptsponsoren und der Stadt."

Präsidium HFC Jörg Sitte, Ralph Kühne und Präsident Dr.Michael Schädlich.
Das frühere Dreigestirn des HFC: Jörg Sitte, Ralph Kühne und Michael Schädlich (v.l.n.r.) Bildrechte: IMAGO

Das Ausscheiden der alten Vorstände habe den Verein finanziell und strukturell erheblich belastet. Jörg Sitte sei im Dezember 2017 zum 30. Juni 2018 entlassen und unter Fortzahlung seiner Bezüge freigestellt worden. Mit Ralph Kühne sei eine Vertragsauflösung zum 30. Juni 2018 mit einer Abfindungszahlung beschlossen und umgesetzt worden. Insgesamt dürfe dieses Kapitel den Verein nicht länger belasten, schreibt Rauschenbach.

+++ Ausscheiden der alten Vorstände als Belastung +++ Verbindliche Aussagen von Sponsoren und Stadt gefordert +++

Image: "Jammern ist kontraproduktiv"

Als "desolat" bezeichnet Rauschenbach den Zustand der Marketingabteilung zu Beginn des Jahres. "Die geplanten Sponsoringeinnahmen wurden über die letzten Saisons stets erheblich unterschritten und waren rückläufig." Nur durch die gegründete AG Marketing seien unterschiedliche Maßnahmen des Rettungspaketes möglich gewesen. Rauschenbach hebt außerdem die Hauptsponsoren Stadtwerke und Saalesparkasse hervor. Generell würden die Sponsoren erst wieder langsam einsteigen und müssten neues Vertrauen fassen, das verloren gegangen sei.

Rauschenbach erklärt, man habe sich gemeinsam gegen eine Fremdvermarktung und eine Auslieferung des HFC an eine Vermarktungsagentur entschieden. Stattdessen setze man auf den Ausbau der vereinseigenen Strukturen. "Die Mitarbeiter der Marketingabteilung und der Geschäftsstelle wirken nach der personellen und organisatorischen Neuausrichtung wie befreit", schreibt Rauschenbach. "Es macht auch mir Spaß, mit einem so 'wilden' und kreativen Team zu arbeiten." Erste Maßnahmen seien die Gründung des Unternehmensclubs "Rot-Weiß", die Recruiting-Aktion für das Thema Personalbeschaffung oder der neue Familienblock. Weitere Kampagnen seien in Planung.

HFC-Saisoneröfnung auf dem Marktplatz in Halle.
Bildrechte: MDR/ Gabriela Conrad

Die Ansprache im Businessbereich des Stadions solle persönlicher sein. In den vergangenen Jahren habe es viele kostenlose Karten und Arbeitskarten gegeben. Diese seien "umfassend" bereinigt worden. "Das war für die Qualität der Betreuung der zahlenden Kunden aber unabdingbar", schreibt Rauschenbach. "Die Verkaufsergebnisse an VIP-Karten sind im Vergleich zu den Vorjahren verbessert und bestätigen unsere Strategie", heißt es.

"In der Außendarstellung ist es gelungen, den HFC frischer und positiver zu verkaufen", so Rauschenbach. "Die Erkenntnis, dass Jammern wie in der Vergangenheit beim Image kontraproduktiv wirkt, hat sich zum Glück durchgesetzt." Für die neue Saison müsse die positive Entwicklung – bisher neue Sponsoren mit Einnahmen im mittleren sechsstelligen Bereich – verstetigt werden. "Diese betrifft die weitere Verankerung in der Region, die Gewinnung von ersten überregionalen Sponsoren, die notwendige Erhöhung der Mitgliederzahlen, die weitere Verbesserung der Sponsorenbetreuung und des Mikrosponsorings und natürlich eine nachhaltige Erhöhung von Zuschauerzahlen."

+++ Persönlichere Ansprache der Unterstützer +++ Verankerung in der Region und Gewinnung überregionaler Sponsoren +++

Organisation: "Weitere Aufstockung erforderlich"

Rauschenbachs Analyse zur Organisation beim HFC zur Zeit seines Amtsantritts ist schonungslos: Die personelle Struktur und Organisation habe in "keiner Weise den Anforderungen eines professionellen Vereins in der dritten Liga" entsprochen.

In den vergangenen Monaten seien bereits entscheidende Maßnahmen ergriffen worden: Das Finanz- und Rechnungswesen wurde demnach neu strukturiert und digitalisiert. Das Mahnwesen und die Mitgliederverwaltung würden derzeit komplett neu eingerichtet. Marketing und Vertrieb wurden unter der Leitung von Sebastian Rose neu ausgerichtet. Mit Marcel Berghoff wurde ein neuer Vertriebsmitarbeiter eingestellt. Und das darf nicht das Ende sein, erklärt Rauschenbach: "Insbesondere zur Saisonvorbereitung 2019/2020, die im Frühjahr 2019 beginnt, ist eine weitere personelle Aufstockung im Marketing und auf der Geschäftsstelle zu Beginn des Jahres 2019 erforderlich."

Rauschenbach lehnt die Beteiligung von Investoren am Verein oder Gesellschaften des Vereins ab. Der Klub müsse allerdings über vereinseigene Managementstrukturen zum Beispiel einer eigenen GmbH unter Zugriff auf Vereinsgremien nachdenken, auch um sich so für künftig drohende Risiken abzusichern.

+++ Umstrukturierung und Digitalisierung haben begonnen +++ Neue Managementstrukturen zur Absicherung angeregt +++

Nachwuchs: "Den Vorteil des FCM aufholen"

Der Antrag auf Zulassung als Nachwuchsleistungszentrum des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist gestellt. "Endlich", wie Rauschenbach schreibt. Der 1. FC Magdeburg habe bereits im Jahr 2007 diese Zertifizierung erreicht und sich damit einen kontinuierlich wachsenden Wettbewerbsvorteil erarbeitet. "Dies gilt es gemeinsam aufzuholen, um unsere Talente auch halten und entwickeln zu können."

Erste Schritte seien eingeleitet. Mit Skerdilaid Curri wurde erstmals ein Fußballlehrer als Sportlicher Leiter eingestellt. Einzig im Nachwuchsbereich sei der Etat erheblich erhöht worden. Vorstandsmitglied Jürgen Fox treibe den Aufbau einer nachhaltigen und strukturierten Nachwuchsarbeit voran.

Kontraproduktiv seien jedoch "permanente Meinungsäußerungen insbesondere von Personen, die in den letzten 15 Jahren diese Strukturierung und den Aufbau eines DFB-Nachwuchszentrums versäumt haben." Außerdem solle "auch die Tätigkeit und Ausrichtung des faktisch inaktiven HFC-Fördervereins und des Nachwuchsbeirates kritisch hinterfragt" werden.

+++ Etat erheblich erhöht +++ Tätigkeit des Fördervereins fraglich

Vorstand: "Ich strebe nicht das Präsidentenamt an"

Rauschenbach stellt vor der Vorstandswahl klar: "Unser jetziges Vorstandsteam mit seinen Personen und Kompetenzen funktioniert und ist bewährt." Die Aufgabenteilung zwischen Michael Schädlich (Präsident, Sport, Spielbetrieb, Gremienarbeit), Jürgen Fox (Nachwuchs und Personal), Lucas Flöther (Sanierungsfragen) und seiner Person (Finanzen und Marketing) soll nach Rauschenbach beibehalten werden. Er räumt sogleich mit einem Gerücht auf: "Ich strebe nicht das Präsidentenamt an." Vielmehr habe ihm Präsident Michael Schädlich mitgeteilt, "dass für ihn die Fortführung des bestehenden Vorstandsteams und damit Konstanz in allen Bereichen des Vereins ausschlaggebend für seine Entscheidung" sei.

Rauschenbach erklärt: "Meine emotionale Bindung zum Verein, schon aus der Zeit des Stadionbaus, den ich als Projektmanager von der ersten Idee bis zu Eröffnung begleiten durfte, ist durch die letzten Monate noch intensiver geworden." Er sei bereit, sich weiter als Vorstand beim HFC einzubringen. Allerdings mache dies nur Sinn, wenn alle Beteiligten die mit erweitertem Budget untersetzte Fortentwicklung klar und verbindlich mittragen würden.

"Es wird sich zeigen, ob wir in dieser Stadt gemeinsam in der Lage sind, den begonnenen Aufbruch zu verstetigen und die finanzielle Basis für den HFC nachhaltig zu verbessern", so Rauschenbach.

+++ Emotionale Bindung zum HFC +++ Vorstand hat sich bewährt +++

Daniel George
Bildrechte: MDR/Jörn Rettig

Über den Autor Daniel George wurde 1992 in Magdeburg geboren. Nach dem Studium Journalistik und Medienmanagement zog es ihn erst nach Dessau und später nach Halle. Dort arbeitete er für die Mitteldeutsche Zeitung als Sportredakteur und berichtete hauptsächlich über die besten Fußballklubs Sachsen-Anhalts: den 1. FC Magdeburg und den Halleschen FC.

Vom Internet und den neuen Möglichkeiten darin ist er fasziniert. Deshalb zog es ihn im April 2017 zurück in seine Heimatstadt, in der er seitdem in der Online-Redaktion von MDR SACHSEN-ANHALT arbeitet – als Sport- und Social-Media-Redakteur, immer auf der Suche nach guten Geschichten, immer im Austausch mit unseren Nutzern.

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Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Oktober 2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2018, 15:16 Uhr

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36 Kommentare

18.10.2018 15:40 Mein Gott 36

Mein Gott, Sr. Raúl, lesen die Texte überhaupt?? Da steht doch eindeutig warum Halle 47 Hauptstadt wurde!! Magdeburg ginge ja schlecht, bei einer völlig zerstörten Stadt!!
Ist das so schwer ja?
Es stehen dazu unzählige Dinge im Internet. Das schmerzt ja regelrecht beim Lesen.
Mit einem Schlage von Gerhard Schröder würde ich jetzt sagen, hol mir mal ne Flasche Bier, sonst streik ich hier.

Beschäftigen Sie sich mal mit der Zeit vor 1945. Das sollte auch Leuten wie Ihnen die Augen öffnen zur Geschichte der 2 Städte.
Ich fasse nochmal zusammen:
Magdeburg punktet mit seiner langen Tradition als Hauptstadt(!!!)) der preußischen Provinz Sachsen. Außerdem verfügte die Stadt an der Elbe über eine etwa 1000-jährige Tradition als Residenzstadt, vor allem unter Kaiser Otto dem Großen. Demgegenüber stünde für Halle nur eine 6-jährige „Tradition“ (1947 – 1952) als Landeshauptstadt, bei der vor allem politische Erwägungen eine Rolle gespielt hätten.
Macht es endlich Klick???

18.10.2018 14:48 Tatsachenmann 35

Es liegt in der Natur der Stadt Halle und seiner Bewohner, dass alle anderen einen Vorteil haben. Dass Halle generell benachteiligt wird und man in Halle eigentlich über den Dingen steht.
Diese Tatsache ist auch uns in Brandenburg bekannt.
Man sollte Halle als eigenes Bundesland anmelden.
Dort gibt es ja alles und viel besser sowieso.
Macht was draus Hallenser.
Ganz Deutschland schaut neidisch auf euch.

18.10.2018 13:06 Sr.Raul 34

Das ist historisch falsch, @32 und 33, MD war im Vergleich zu HAL lediglich Bezirks-, nie Landeshauptstadt. Bei der Ländergründung 1947 wurde HAL als Hauptstadt und Verwaltungssitz des Landes S.-A. bestimmt und war Dieses nach bundesrepublikanischer Rechtsauffassung (BGH)ununterbrochen. Das hat nun Nichts, aber rein gar Nichts mit Verschwörungstheorien zu Tun. Halle hätte 1990 nur seinen Rechtsanspruch durchdrücken müssen. Mit einem vom Schlage Gerhard Schröder wäre dieses passiert, Basta!