Dieselanzeige einer Tankestelle steht auf Null
Vorrat aufgebraucht: Kein Diesel bei HEM an der Ebendorfer Chaussee in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Natalie Helka

Lieferprobleme Kraftstoff-Engpass an Tankstellen in Sachsen-Anhalt

An einigen Tankstellen in Sachsen-Anhalt ist zuletzt der Sprit knapp geworden. Betroffen sind vor allem kleinere Tankstellen. Ein Grund für den Lieferengpass ist die Trockenheit. Nach Einschätzung des Tankstellen-Interessenverbands ist das Kraftstoff-Liefersystem insgesamt fragil.

Dieselanzeige einer Tankestelle steht auf Null
Vorrat aufgebraucht: Kein Diesel bei HEM an der Ebendorfer Chaussee in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Natalie Helka

In Sachsen-Anhalt müssen Autofahrer beim Tanken zum Teil umplanen. Es gibt Probleme mit der Spritversorgung. Herbert Rabl, Sprecher des Tankstellen-Interessenverbands, sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, je kleiner die Tankstelle sei, desto größer sei das Problem. Große Ketten wie Shell oder Aral hätten Lieferverpflichtungen. "Sie können mit der Macht ihrer Größe durchsetzen, dass Betreiber beliefert werden", sagte Rabl. Wenn eine kleine Tankstelle aber für sich alleine stehe und vielleicht keiner Kette angehöre, sei es für deren Betreiber schwieriger, an Sprit zu kommen. Welche Ketten oder Tankstellen konkret betroffen seien, lasse sich aber nicht seriös und allgemein beantworten.

Probleme kommen verspätet

Dass es mancherorts überhaupt zum Engpass kommt, führt der Interessenverband auf eine Explosion in einer bayerischen Raffinerie und auf das Niedrigwasser im Rhein zurück. So seien eine Produktionsstätte und ein Lieferweg weitgehend ausgefallen. "Die gesamte logistische Kette musste neu organisiert werden", sagte Rabl. "Was über den Rhein gelaufen ist, muss über die Bahn oder über die Straße. Ein großes Tankschiff auf dem Rhein fasst etwa so viel Sprit wie 500 Tanklaster. Wenn das alles umorganisiert werden muss, haben wir Lieferprobleme.

Diese Lieferprobleme treffen den Osten Deutschlands mit Verspätung." Der Rhein könne wegen des Niedrigwassers nur mit 20 Prozent der üblichen Kraftstoffmenge beschifft werden, sagte Rabl. "Der, der mehr auf die Straße gesetzt hat, hat heute weniger große Lieferprobleme. Wer mehr auf das Schiff gesetzt hat, hat größere Lieferprobleme." Die Kraftstoff-Lieferung sei ohnehin so sehr am Limit, dass sie Erschütterungen nicht mehr ohne Weiteres aushalte. "Das System ist fragil."

Auswirkungen des Klimawandels

Um etwas gegen die Probleme zu tun, braucht es nach Meinung von Rabl "zwei Wochen Regen". Der Rhein müsse richtig volllaufen, damit die Lieferketten wieder normal liefen. Die Tankstellengesellschaften müssten sich außerdem besser auf Situationen wie in diesem Jahr vorbereiten. Man habe es mit "ganz kleinen, aber spürbaren Auswirkungen des Klimawandels" zu tun, sagte Rabl mit Blick auf das Niedrigwasser.

Bereits Mitte November hieß es vom Betreiber des Magdeburger Tanklagers, dass dort aktuell mehr Schiffe als üblich im Hafen einliefen. Manche der Tanker hätten so viel Diesel geladen, dass ein Pkw damit sechshundert mal um den Äquator fahren könne. Wegen des Kraftstoffbedarfs in ganz Deutschland reiche die Menge aber trotzdem kaum für einen Tag. Einige Lkw fahren demnach Hunderte Kilometer nach Magdeburg, um ihren Tank aufzufüllen.

Engpass bei HEM behoben

Zuletzt hatte es etwa einen Lieferengpass in den HEM-Tankstellen im Jerichower Land und im Landkreis Börde gegeben. Zumindest hier sind die Probleme inzwischen weitgehend behoben. Eine HEM-Sprecherin sagte MDR SACHSEN-ANHALT am Dienstag, die meisten Stationen seien beliefert worden und wieder verkaufsfähig. Vorübergehende Lieferengpässe könne man aber auch in Zukunft nicht ausschließen, sagte die Sprecherin.

Quelle: MDR/olei

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 04. Dezember 2018 | 13:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 04. Dezember 2018, 20:08 Uhr

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18 Kommentare

06.12.2018 18:54 Mediator 18

@w.a.(17): Glauben sie wirklich die Benzinpreise in den einzelnen Bundesländern hängen nur an singulären Effekten? Warum wohl kommt es aktuell zu Versorgungsengpässen an Tankstellen? Wollen die Konzerne keinen Sprit verkaufen oder haben sie schlicht und ergreifend Probleme diese mit einer begrenzten Anzahl an Tanklastwagen flächendeckend zu verteilen? Wenn man den Sprit nicht mehr verbrauchernah anlanden kann, dann müssen die Tanklastzüge eben disloziert werden und immer weitere Touren fahren.

@kein Otto(16): Sorry, aber differenzieren ist nicht ihr Ding? Glauben sie ich urteile pauschal über alle Demonstranten in Frankreich? Wer aber randaliert, Autos und Häuser anzünden, Geschäfte plündert und nationale Kulturgüter zerstört, der muss sich wohl gefallen lassen als Kriminellere bezeichnet zu werden. Man kann auch friedlich demonstrieren, auch wenn die nötigende Wirkung auf die Regierung dann geringer ausfällt. Nötigung ist übrigens auch eine Straftat.

06.12.2018 14:10 w.a. 17

Mediator@15" Wenn Tankschiffe nicht mehr fahren können werden Tanklaster und Kesselwagen...." Da können sie mir bestimmt auch erklären, warum der Preis für Superbenzin bei uns, etwa 30 km von Leuna entfernt etwa 17 cent höher liegt als wie in Peine in Niedersachsen. Leuna wird über Pipeline versorgt und Peine über den Mittellandkanal also über den Wasserweg.

06.12.2018 12:07 kein Otto 16

#10: Bravo Herr "Mediator", sie haben genau ins Schwarze getroffen. So, wie sie sich über die Demonstrationen in Frankreich äußern, genauso äußerten sich die DDR-Obersten im Oktober 1989, als die Montagsdemonstrationen stattfanden. Nur waren es seinerzeit auch noch "konterrevolutionäre Kriminelle", die da demonstrierten