Staus und zeitweise Sperrungen Bauernproteste: Tausend Traktoren rollen auf Autobahn durch Sachsen-Anhalt

Autofahrer müssen am Montag und Mittwoch mit Verkehrsbehinderungen rechnen – vor allem auf der A9 und der B80. Der Grund: Traktorenkonvois durchqueren Sachsen-Anhalt auf dem Weg zu einer Demo in Berlin.

Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Bereits Mitte Oktober versammelten sich hunderte Traktoren zur Demo in Magdeburg. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich

Mehrere Tausend Landwirte wollen am Dienstag vor dem Brandenburger Tor in Berlin gegen die aktuelle Agrarpolitik demonstrieren. Die Traktoren rollen bereits seit Sonntag aus ganz Deutschland in Richtung Hauptstadt – und mindestens 1.000 von ihnen werden auf dem Weg dahin am Montag auch Sachsen-Anhalt durchqueren. Autofahrer müssen sich auf Verkehrsbeeinträchtigungen einstellen.

Staus und zeitweise Sperrungen

Wie die Polizei mitteilte, werden mehrere Traktorenkonvois von der sachsen-anhaltischen Landesgrenze zu Thüringen nahe Droyßig auf der A9 bis zur Landesgrenze nach Brandenburg unterwegs sein. Die ersten Traktoren sollen demnach am frühen Montagnachmittag Sachsen-Anhalt erreichen. Begleitet werden sie von der Polizei. Neben Staus aufgrund der niedrigeren Geschwindigkeit der Traktoren seien auch zeitweise Sperrungen von Anschlussstellen möglich.

Auch aus westlicher Richtung werden Traktoren durch Sachsen-Anhalt rollen. Diese werden zunächst über die B80 nach Halle fahren, dann weiter über die B100 nach Brehna, um schließlich über die A9 nach Berlin zu fahren. Halle soll voraussichtlich in den späten Abendstunden am Montag passiert werden. Verkehrsbehinderungen auf weiteren Strecken sind laut Polizei nicht auszuschließen.

Kundgebung auf dem Domplatz Hunderte Traktoren rollen durch Magdeburg: Landwirte protestieren gegen Agrarpolitik

Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Landwirte aus vielen Teilen Sachsen-Anhalts haben sich am Dienstag auf den Weg nach Magdeburg gemacht. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Landwirte aus vielen Teilen Sachsen-Anhalts haben sich am Dienstag auf den Weg nach Magdeburg gemacht. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Mehrere Traktoren fahren in einer Kolonne auf einer Landstraße, am vorderen hängt ein Schild mit der Aufschrift -Grüner als wir ist keiner-.
Ziel ihrer Sternfahrt war der Domplatz am Landtag. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Traktoren stehen auf dem Domplatz vor dem Dom.
Dort protestierten die Landwirte gegen das Agrarpaket der Bundesregierung. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
An einem Traktor hängt ein Schild mit der Aufschrift "Grüner als wir ist keiner".
Viele Bauern sehen darin eine Gefahr für landwirtschaftliche Familienbetriebe. Das Paket von Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner (CDU) und Bundesumweltministerin Schulze (SPD) sieht unter anderem vor, Herbizide und einzelne Insektizide zu verbieten. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mehrere Traktoren fahren in einer Kolonne auf einer Landstraße.
Bundesweit gab es am Dienstag deshalb Protestaktionen. Zur zentralen Kundgebung in Bonn waren im Vorfeld rund 10.000 Demonstranten erwartet worden. In Sachsen-Anhalt gab es wegen der Traktoren-Kolonne Behinderungen auf einzelnen Straßen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Mehrere Traktoren mit Bannern fahren stadteinwärts in Richtung Magdeburg.
Geduld brauchten Auto- und Lkw-Fahrer zum Beispiel stadteinwärts auf der Bundesstraße 1 in Richtung Magdeburg. Ein Reporter von MDR SACHSEN-ANHALT berichtete von einer mehrere Hundert Meter langen Kolonne aus Traktoren. Bildrechte: MDR/André Plaul
Traktoren auf dem Schleinufer in Magdeburg
Auch auf dem Schleinufer in Magdeburg gab es Probleme. Dort rollten die Traktoren ein, um später auf den Domplatz zu fahren. Bildrechte: MDR/Alisa Sonntag
Ein Traktor fährt über eine Kreuzung. An ihm ist ein Schild mit der Aufschrift "Redet mit uns statt über uns. Wir machen euch satt."
Mit Sprüchen wie "Farmers for Future" oder "Redet mit uns statt über uns, wir machen euch satt" verschafften sich die Landwirte Gehör. Meike Schulz-Broers vom Organisationsteam sagte, Ziel sei, dass Landwirte wieder als Gesprächsteilnehmer wahrgenommen würden. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Traktoren fahren der Reihe nach über eine Straße.
Hinter der Sternfahrt steckt die Facebook-Community "Land schafft Verbindung", der sich innerhalb weniger Tage Tausende Landwirte aus ganz Deutschland angeschlossen haben. In WhatsApp-Gruppen sind bundesweit mehr als 100.000 Menschen Teil der Community. Insgesamt wurden in Sachsen-Anhalt im Vorfeld rund 180 landwirtschaftliche Fahrzeuge zu der Kundgebung in Magdeburg erwartet. Allein aus der Altmark und dem Elb-Havel-Winkel wollten mehr als 60 Landwirte anreisen. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Traktoren stehen am Schleinufer in Magdeburg
Vor Ort war auch Landwirt Frank Böcker aus Emden im Landkreis Börde. Er sagte MDR SACHSEN-ANHALT, vom Agrarpaket der Bundesregierung seien alle Landwirte betroffen. In Magdeburg haben die Teilnehmer der Kundgebung vor, die Bevölkerung über moderne Landwirtschaft aufzuklären. Es geht laut Landwirt Böcker nicht darum, die Bürger zu ärgern. Bildrechte: MDR/Luca Deutschländer
Auf einer Kreuzung stehen Polizisten und Polizeiautos. Um die Kreuzung herum stehen Pkw und Traktoren.
Im Stadtzentrum von Magdeburg gab es lange Staus. Bildrechte: MDR/Tom Wunderlich
Durch einen Autospiegel fotografiert ist ein Stau zu sehen.
Auch am Nachmittag war noch der eine oder andere Traktor in Magdeburg zu sehen.

Dieses Thema im Programm:
MDR um 11 – 22.10.2019 | 11:00 Uhr

Quelle: MDR/ld
Bildrechte: MDR/Daniel George
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Rückreise am Mittwoch – erneut Verkehrsbehinderungen

Die Mehrzahl der Versammlungsteilnehmer werde die Rückreise erst am Mittwoch antreten. Dann sei auf der umgekehrten Wegstrecke erneut mit Staus und Sperrungen zu rechnen, so die Polizei.

Darum geht es im Agrarpaket

Das Agrarpaket der Bundesregierung hat im Wesentlichen die folgenden Schwerpunkte:

Insektenschutzprogramm: Es umfasst unter anderem die schrittweise Begrenzung und den Ausstieg aus der Glyphosat-Nutzung sowie den Schutz von Streuobstwiesen. Außerdem sieht es einen Mindestabstand zu Gewässern von 10 Metern bei Anwendung von Pflanzenschutzmitteln vor. Ab 2021 sollen Herbizide und bestimmte Insektizide in Schutzgebieten verboten werden.

Tierwohllabel: Ein Tierwohllabel soll Standards, die über dem gesetzlichen Minimum liegen, garantieren. Seine Verwendung ist freiwillig.

Umschichtung der Direktzahlungen: Aus dem Budget der Direktzahlungen an Landwirte sollen im Jahr 2020 sechs Prozent in Subventionen, die an Agrarumweltprogramme gekoppelt sind, umgeschichtet werden.

Aufgerufen zu der Demonstration und der Sternfahrt nach Berlin hat die Initiative "Land schafft Verbindung". Bereits im Oktober hatten bundesweit tausende Bauern gegen das Agrarpaket demonstriert – unter anderem auch in Magdeburg.

Quelle: MDR/dg

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT – Das Radio wie wir | 24. November 2019 | 17:00 Uhr

9 Kommentare

Pad vor 36 Wochen

Also bitte... schön das die Bauern zur Demo fahren aber bitte nicht nachts 2.00 Uhr mit Hupkonzert und Rundumleuchte durch Burg bei Magdeburg... das ist eine Frechheit und das Land genehmigt das noch.... merken die das noch, schon von Nachtruhe gehört über alles regen Sie Sich auf aber, aber sowas genehmigen armes Deutschland.... Es gibt Bürger die auch schlafen und früh raus müssen.... Nächste mal mit Ruhzeiten Land und Deutschland d. h. Rundumlicht und Hupen für die Zeit von 22. 00 bis 6.00 uhr

Heimatloser vor 36 Wochen

@Alle,
warum auf den Bauer,den Landwirt herumtrampeln?
Weil es für viele von euch aus Unkenntnis heraus der einfachste Weg ist,
einen "Schuldigen"für die unsachgemäßige Landwirtschaftsolitik in Deutschland
bis hin nach Brüssel zu finden.Ihr als Verbraucher wollt immer mehr,bessere,
größere landwirtschaftliche Produkte und tierische Erzeugnisse.
Oder Tomaten und Gurken und anderes Gemüse zu Weihnachten entgegen der jahreszeitlichen Vegetation .So ist die Landwirtschaft,wieder gefördert durch die
Politik (voran durch Brüssel) zur landwirtschaftlichen Industrie verkommen.
D.h.,weg von der Natur und Jahreszeiten.Mit allen Konsequenzen,die wir heute
kennen und erleben.Mal abgesehen von der Überproduktion,die dann entweder
verbrannt oder sonstwo landet.
Und nun kommen die "Grünen" und andere Klugsch....und verteufeln den Bauer,
den Landwirt.Kommt doch alle mal einen Tag in die Landwirtschaft,auf den Ak-
ker,denStall und macht euch ein reales Bild von Ackerbau und Viehzucht!

Anhaltiner vor 36 Wochen

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