Zwei Menschen arbeiten auf den Bahngleisen und befreien sie von gestrüpp.
Den jüngsten Einsatz der Eisenbahn-Freunde gab es an diesem Wochenende in Großgarz im Landkreis Stendal. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Eisenbahn-Liebhaber Bahnfreunde erhalten Schienennetz in der Altmark

In der Altmark gibt es ein kilometerlanges Schienennetz – nur fahren nicht überall Züge. Die alten Verbindungen zwischen den Ortschaften sind längst auf der Strecke geblieben. Doch es gibt Enthusiasten, die sich um diese alten Bahnstrecken kümmern – mit dem Ziel, dass dort auch wieder Züge fahren können.

Zwei Menschen arbeiten auf den Bahngleisen und befreien sie von gestrüpp.
Den jüngsten Einsatz der Eisenbahn-Freunde gab es an diesem Wochenende in Großgarz im Landkreis Stendal. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Auf der Strecke zwischen Salzwedel und Arendsee sollen wieder Züge rollen – am besten schon diesen Sommer. Zumindest wenn es nach der Deutschen Regionaleisenbahn GmbH und dem Bahnkundenverband mit seiner Regionalsparte Altmark-Wendland geht.

Damit die Strecke wieder in Betrieb geht, ist allerdings noch viel zu tun. Die Gleise müssen vom Gestrüpp freigeschnitten und einige Lücken ausgebessert werden, sagt Michael Schrader von der Deutschen Regionaleisenbahn. "Wir wollen die Strecke noch ein bisschen mähen, weil wir dann ziemlich schnell mit dem Messwagen durch müssen. Ansonsten ist die Strecke komplett", so Schrader. Was noch fehlt: "Beim Einstieg in Arendsee müssten die Schwellen ausgewechselt und die Bahngräben geräumt werden."

Erste Einsätze im Winter

Zwei Menschen arbeiten auf den Bahngleisen und befreien sie von gestrüpp.
Von Salzwedel mit der Bahn nach Oebisfelde und weiter nach Wolfsburg oder über Arendsee bis Wittenberge – diese Bahnverbindungen gibt es nicht mehr. Damit es sich ändert sind Eisenbahn-Enthusiasten im Einsatz. Bildrechte: MDR/Doreen Jonas

Einen Arbeitseinsatz auf der Strecke gab es schon in diesem Jahr. Die Strecke musste von Gebüsch und Ästen freigeräumt werden. Etwa 80 Kilometer Bahnlinie hält die Deutsche Regionaleisenbahn derzeit in der westlichen Altmark vor. Gemeinsam mit dem Bahnkundenverband macht sich Schrader dafür stark, dass dort auch wieder Züge fahren. "Wenn alles gut klappt, dann könnte man mit dem Zug bis nach Geestgottberg fahren", sagt Roger Behn vom Regionalverband Altmark-Wendland. Dann hätten Salzwedel und Arendsee wieder einen Anschluss an Berlin – über Wittenberge.

Den Eisenbahn-Freunden geht es nicht nur um touristische Zwecke, sondern auch um die Infrastruktur im ländlichen Raum. So gibt es derzeit keine Bahnverbindung zwischen Salzwedel und Oebisfelde. Da ist aber der Umsteigebahnhof für Pendler gen Wolfsburg. Es wird diskutiert, wie die vorhandenen Strecken wieder genutzt werden könnten, sagt Roger Behn: "Es gibt Überlegungen, auch von VW, weil sie Probleme mit Staus haben. Es gibt verschiedene Modelle und Überlegungen, aber da ist zumindest bis Klötze eine bessere Anbindung in den Fokus geraten."

Ländlicher Raum abgekoppelt

Die Motivation sich für die Wiederbelebung der Strecken zu engagieren sei, dass der der ländliche Raum immer mehr abgekoppelt wird, so Behn. "Die westliche Altmark ist mittlerweile fast gänzlich abgekoppelt vom Bahnverkehr. Und ich denke, das ist auch ein Stück Daseinsvorsorge für den ländlichen Raum", so Behn. Und der Zug sei, vorausgesetzt die Strecke wird für Tempo 80 ausgebaut, schneller als ein Schulbus.

Quelle: MDR/pat

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 16. Februar 2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Februar 2019, 18:31 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

4 Kommentare

19.02.2019 19:44 Waltersneumann 4

Ohne die Eisenbahnfreunde wären die Gleise schon längst verschrottet worden und Bäume würden auf dem zerstörten Bahndamm wachsen.

Wenn es eine Bundesstraße wäre und keine Bahnstrecke, dann würde der Staat die Trasse in top Zustand pflegen. Es wird immer von einer Verkehrsverlagerung auf die Schiene geredet, um das Straßennetz zu entlasten. Aber es sind meist nur leere Sprüche. Die Taten lassen auf sich warten. Stattdessen müssen Privatleute sich um solche Bahnstrecken kümmern, um das Schlimmste zu verhindern.

18.02.2019 16:54 Andreas 3

Echt beeindruckend, wie das Ehrenamt die Pflicht eines Eisenbahninfrastrukturunternehmens zum Erhalt der Betriebsfähigkeit unterstützt. Ich hoffe die Bemühungen lohnen sich.

17.02.2019 17:46 Magdebürger 2

Ich wünsche den Eisenbahnfreunden viel Erfolg bei ihrem Unterfangen. Gerade Arendsee würde von einer Bahnverbindung profitieren.
Jetzt gibt es die Überlegung wieder Züge über die Elbbrücke Barby von MD über SBK nach Dessau zu führen. Die Idee ist super, das Problem ist nur, die Bahn hat die funktionsfähige Strecke, die ab Güterglück bis Wiesenburg in den 90er für den ICE zweigleisig ausgebaut wurde für Millionen DM Steuergelder, vor ein paar Jahren an einen Schrottbetrieb verkauft hat, der Gleise, Oberleitungsmasten zurückgebaut hat, diese Strecke mittlerweile entwidmet ist.
Nur die Bahn kann die Straßen von den LKW's entlasten. Vielleicht kommt die Einsicht doch noch nicht zu spät.

Mehr aus Sachsen-Anhalt