Stendaler Briefwahlaffäre Rücktrittsforderung an CDU-Kreischef

Wegen der Briefwahlaffäre in Stendal ist ein offener Streit in der CDU ausgebrochen. Gegen CDU-Kreischef Wolfgang Kühnel wurden Rücktrittsforderungen laut. CDU-Landeschef Thomas Webel will nicht eingreifen, forderte aber Aufklärung. Kühnel hatte am Mittwoch im Prozess um die Briefwahlaffäre die Aussage verweigert.

Wolfgang Kühnel sitzt in einem Flur
Im Prozess vor dem Stendaler Landgericht verweigerte CDU-Kreischef Wolfgang Kühnel die Aussage. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In Sachsen-Anhalts CDU wird der Ruf nach einem Rücktritt des Kreisverband-Chefs Stendal, Wolfgang Kühnel, laut. Der Kommunalpolitiker hatte am Mittwoch im Prozess um die Briefwahlaffäre als Zeuge die Aussage verweigert. In der CDU sorgt dies nun für Debatten.

Parteikollege Fiedler ist "maßlos enttäuscht"

Der CDU-Stadtrat Walter Fiedler aus Seehausen sprach in einem Interview mit dem MDR von einem "immensen Imageschaden" für die Partei, auch auf Landesebene. "Kühnel ist als Kreisvorsitzender aus meiner Sicht nicht mehr haltbar", so Fiedler weiter. Er sehe eine moralische Verantwortung Kühnels auch gegenüber der Partei und sei "maßlos enttäuscht", dass Stendals CDU-Kreischef die Aussage verweigert hat.

Verbindungen zur Stendaler Briefwahlaffäre

Zu Beginn der Briefwahlaffäre hatte die Staatsanwaltschaft auch gegen den 63-jährigen Kühnel ermittelt. Der in diesem Fall wegen Wahlfälschung angeklagte Ex-Stadtrat Gebhardt hatte den CDU-Kreischef beschuldigt, Druck auf ihn ausgeübt zu haben. So soll Kühnel den Angeklagten aufgefordert haben, für ein gutes Wahlergebnis zu sorgen. Das Verfahren wurde jedoch eingestellt. Als Zeuge im Prozess vor dem Landgericht Stendal hat Kühnel das Recht, die Aussage zu verweigern, um sich nicht selbst zu belasten.

Kühnel lässt vorerst CDU-Kreisvorsitz ruhen

Kühnel hatte angekündigt, bis zum Prozessende den Kreisvorsitz für Stendal ruhen zu lassen. CDU-Landeschef Thomas Webel sagte dem MDR, zunächst seien jetzt Gericht und Staatsanwaltschaft am Zug, Aufklärung herbeizuführen. Von Anfang an habe er gefordert, die örtliche CDU solle zur Aufklärung beitragen. Seine Mittel als Landesvorsitzender der Partei seien begrenzt.

Dieses Thema im Programm: MDR SACHSEN-ANHALT - Das Radio wie wir | 23.02.2017 | 13:00 Uhr
MDR SACHSEN-ANHALT HEUTE | 23.02.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Februar 2017, 08:41 Uhr

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10 Kommentare

25.02.2017 18:57 behemoth 10

Wahlbetrug
Es kann auch in einer Demokratie hin und wider zu Betrug, Fälschungen und mehr kommen, nur in einer Demokratie sollte es auch völlig aufgearbeitet werden und die entsprechenden Personen sollten dem nach zur Verantwortung gezogen werden.
Aber auch eine Demokratie ist nicht völlig Frei von Fehlern und zu oft hat man nur Bauernopfer präsentiert.

25.02.2017 11:27 Wahlbetrug 9

Die AfD fälscht Listen- und Vorstandswahlen innSachsen, Berlin und anderswo, die CDU die Kommunalwahlen in Stendal. Die deutsche Rechte ist moralisch ubd demokratisch komplett versumpft.

25.02.2017 09:26 Frauke Garstig 8

Egal was bei dabei herrauskommt - die Rentner werden weiterhin CDU wählen! Die provienzellen Kleinfunktionäre sitzen die Sache wieder aus und hoffen ihr Wahlvolk vergisst!

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